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01. August 2011

Eine dramatisch, eine sanft

Stimmenfestival: Patty Moon und Agnes Obel im Rosenfelspark.

  1. In sich versunken: Judith Heusch vom Duo Patty Moon Foto: B. Ruda

Die eine steigt ins Wasser – und geht darin unter. Alles Schwere fällt von ihr ab, und sie stellt fest, dass sie unter Wasser nicht weinen kann. Die andere geht hinunter zum Fluss, fällt hinein wie ein Stein und fühlt die Kälte, aber vom Untergehen ist nicht Rede. Die erste ist Judith Heusch, ihr Lied heißt "Underwater", die zweite ist Agnes Obel, ihr Lied heißt "Riverside". Beide Sängerinnen traten am Samstagabend bei Stimmen auf. Sie hatten so viel gemeinsam, aber unterschieden sich auch so weit, dass es ein Konzert der reizvollen Kontraste wurde. Zusammen mit der lauschigen Stimmung unter den Bäumen und einem aufmerksam lauschenden, großen Publikum war es einer dieser Abende, die den Lörracher Rosenfelspark zum magischen Konzertort machen.

Judith Heusch wohnt zwar mit Duopartner Tobias Schwab in Forchheim bei Riegel, ist aber keine "Regio"-Künstlerin. Mit seinem Traum-Pop hat das Duo Patty Moon auch überregional Aufmerksamkeit bekommen, Regisseur Hans W. Geißendörfer hat drei seiner Songs in seinem jüngsten Film eingesetzt. Seit den Anfängen vor mehr als zehn Jahren hat sich bei Patty Moon ein großes Repertoire angesammelt. Einige Stücke haben mehrere Metarmorphosen hinter sich – jetzt wieder eine: Das Duo trat – wie vor zwei Monaten im Freiburger E-Werk – mit einem Streichquartett auf, für das Schwab die Arrangements geschrieben hat. Vier Studenten der Freiburger Musikhochschule untermalten zusammen mit dem Multiinstrumentalisten an Klavier, Klarinette und noch mehr die Songs von Heusch.

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Deren Texte handeln von Grenzüberschreitungen zwischen Realität und Phantasie ("Mimi and me"), zwischen Angst und Aufgehobensein ("Landscape"), zwischen Leben und Tod ("Ambulance"). In der Musik setzt sich das fort: Mal bewegt sich die Sängerin auf dünnem Eis von flirrenden Streichern, mal ermutigt das Quartett sie mit sich aufschwingenden Linien. Bei aller Bedrängnis in den Texten hat die Musik von Patty Moon etwas Mitreißendes, Fröhliches gar, dass es der Sängerin mit ihrer traurigen Stimme über das Gesungene hinweghilft. Und dann lächelt Heusch, macht fast ironische Tanzbewegungen. Zu dem optimistischen Eindruck, der sich da verbreitet, auch wenn vom Ertrinken die Rede ist, trägt auch ihr sich wölbender Bauch bei.

Agnes Obel, in Berlin lebende Dänin, kommt weniger beeindruckend daher. Das Lied "Beast", sagt sie auf Deutsch an, handele von einem Freund, der ein Biest sei – aber auf eine gute Weise. Und "Brother Sparrow" handele davon, allein zu sein – aber auch wieder, diesmal auf Englisch, "in a good way". So sind letzllich alle ihre Lieder: leicht melancholisch, aber keinesfalls dramatisch.

Seinen Reiz aber bezieht auch ihr Auftritt nicht zuletzt aus Streicherklängen: Die Cellistin Anne Christin Schwarz untermalt das Klavierspiel Obels meist, mal setzt sie auch kraftvolle Kontrapunkte. Und wird der mädchenhafte Gesang Obels vom Cello schon gestützt, so tut Schwarz’ zweite Stimme das Ihre noch dazu. So ist hier faktisch auch ein Duo am Werke, das Obels sanften Liedern tiefere Dimensionen verleiht.

Zwischendurch gibt es rein instrumentalen Zwischenspiele, recht hübsch in der Manier der wunderbaren Welt der Amélie. Vielleicht auch derentwegen ist Obel in Frankreich einiges bekannter als in ihrer Wahlheimat Deutschland. Jedenfalls kommen Wiedererkennungsrufe für "Riverside", das beste Stück ihrer Debüt-CD, aus den Reihen der französischen Zuschauer, die eigens angereist sind, und die Deutschen wundern sich. Auch das war ein netter Kontrast dieses Doppelkonzerts.
– Weiteres Konzert von Agnes Obel: Freiburg, Jazzhaus, 14. November.

Autor: Thomas Steiner