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28. Juli 2012

Eine Erfolgsgeschichte seit 34 Jahren

LAND UND LEUTE: Seit der Gründung ist Reinhard Ams im Ringersportverein Schuttertal tätig / Den Vorsitz hat er nun abgegeben.

  1. Reinhard Ams Foto: christoph breithaupt

SCHUTTERTAL. Den Begriff "Erfolgsgeschichte" vermeidet Reinhard Ams, wenn er vom Ringersportverein (RSV) Schuttertal spricht. Eigentlich zu unrecht. Denn wenn er über den Verein erzählt, den er vor 34 Jahren mitgegründet hat, in dem er Ringer, Jugendbetreuer, zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender und 14 Jahre Vorsitzender gewesen ist, dann bleibt nur ein Fazit: "Eine Erfolgsgeschichte" – die er in wesentlichen Teilen mitgeschrieben hat.

Der RSV ist Teil seines Lebens. "Ich kenne den Verein wie kaum ein anderer", sagt er. Den Verein, den er heute als Zwei-Spartenverein bezeichnet, mit dem Ringen und dem Holzfällersport. Die Holzfällermeisterschaften hat der RSV damals ins Leben gerufen, um sich eine Einnahmequelle zuverschaffen, aus der der Sportbetrieb finanziert wird.

Ringen war und ist der Vereinszweck. Daran hat sich bis heute nichts geändert, obwohl der Holzfällersport sich enorm entwickelt hat. "Die Holzfällermeisterschaften sind das finanzielle Hauptstandbein des Vereins. Dadurch ist es möglich, im Ringerbereich immer auf dem neusten technischen Stand zu sein. Auch der Vereinskombi, mit dem wir unsere Jugendliche zum Training abholen und danach wieder nach Hause bringen, wäre ohne die Holzfällermeisterschaft nicht zu finanzieren gewesen", erzählt Ams.

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Er erinnert sich noch gut an die Anfänge vor 34 Jahren, als der RSV auf Anregung des damaligen Ringertrainers Willi Obert die Holzfällermeisterschaften ins Leben rief. "Außenstehende haben das als Gaudi gesehen, wir nicht. Wir haben uns damals schon in Frankreich umgeschaut, haben dort Wettbewerbe besucht, die 2000, 3000 Zuschauer angezogen haben", blickt Ams zurück. Die eigenen Athleten hatten damals keine Chance. Sie sind damals weitgehend ohne Training mit Äxten und Sägen aus der täglichen Waldarbeit angetreten. Schutzkleidung wie heute gab es damals nicht. Ältere Besucher der Veranstaltungen am Eichberg werden sich vielleicht noch an den Seelbacher Robert Schwörer erinnern, der im Sporthöschen und in Turnschuhen antrat – und fünf Mal am Eichberg gewann.

(Mehr oder weniger) regelmäßiges Training, Äxte und Sägen speziell für den Holzfällersport waren die Grundlagen, dass die Leistungen immer besser wurden. "Die Timbersportserie hat mit neuen Disziplinen Impulse gegeben. Wir haben dort beispielsweise das Springboard abgeschaut. Zudem kamen dadurch Spitzensportler aus der ganzen Welt nach Europa, von denen sich unsere Jungs das eine oder andere abgeschaut haben", kommt er auf die eine Zeit zu sprechen, in der der Holzfällersport einen gewaltigen Schritt in Richtung Professionalisierung machte. Fast parallel zur Timbersportserie entstand im Schuttertal die Idee, eine Serie aus mehreren Wettbewerben zu starten. Herausgekommen ist die Eurojack-Europameisterschaft, die dieses Jahr zum zehnten Mal ausgetragen wird. Schuttertal war die Triebfeder. "Ohne Schuttertal gäbe es den Eurojack nicht", ist Ams überzeugt.

Die zunehmende Professionalisierung stellte die Veranstalter vor neue Herausforderungen. Die Kosten steigen. Die Schuttertäler haben von Anfang an versucht, mit Neuerungen das Holzfällerfest für die Zuschauer attraktiver zu machen. Eine Neuerung war, die Disziplinen nicht mehr parallel sondern nacheinander auszutragen. Daraus hat sich auch die jetzige Arena am Eichberg entwickelt. Mit Märkten, Motorrollertreffen oder Weltrekordversuchen im Springboard, wie heute Abend, sind neue Besucher für das Spektakel am Eichberg gewonnen worden. Mit einem Sponsoring hat der Verein die steigenden Kosten so in den Griff zu bekommen, das am Ende etwas übrig bleibt. "Es muss etwas übrig bleiben, damit der Verein ein Jahr leben kann", nennt Ams den Zweck der Übung.

In den 14 Jahren als Vorsitzender war er eine der Triebfedern, Initiator und Motivator. "Vor 14 Jahren habe ich gesprüht vor Ideen, das ist heute nicht mehr so. Man wird zufrieden, und das darf nicht sein", sagt er selbstkritisch. Er ist deshalb zur Erkenntnis gekommen: "Ein Vorsitzender muss nach zehn Jahren weg." Das es bei ihm vier Jahre länger gedauert hat, lag einfach daran, dass vor vier Jahren noch niemand da war, der das Amt übernehmen wollte oder noch nicht konnte. Seit dem Frühjahr ist nun Klaus Ober als Nachfolger im Amt.

Für Reinhard Ams bedeutet das keineswegs, dass er sich aufs Altenteil zurückgezogen hat. Er wird weiterhin dabei sein. Eines hat sich aber doch geändert. "Ich stehe nun nicht mehr in der Verantwortung, und das ist ein gutes Gefühl. Die größte Belastung war immer der Gedanke, hast du auch wirklich alles getan, dass das Fest reibungslos und vor allem ohne Unfälle abläuft. Diese Belastung war da, obwohl ich im Grunde nie hätte Angst haben müssen, dass etwas schief geht. Denn wir haben ein hochklassiges Team, auf das sich ein Vorsitzender voll und ganz verlassen kann. Ich kann mich nun aber voll und ganz auf meine Aufgaben konzentrieren und muss nicht mehr alles im Auge haben, muss nicht mehr alles wissen. Das ist nun die Aufgabe meines Nachfolgers", stellt er mit einem Augenzwinkern abschließend fest.

Autor: Theo Weber