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05. Mai 2009
Eine erstaunliche Leistung
Rund 250 Sänger und Sängerinnen aus Chören der Region führten im Burghof die Carmina Burana und ein Werk Herbert Kaisers auf
Eine Uraufführung gibt’s aus dem Burghof zu melden: Rund 250 Sängerinnen und Sänger aus dem Kinder- und Jugendchor Lörrach, dem Chor 72, dem Gesangsverein Egringen 1844 und dem Johannes-Chor Todtnau führten dort ein Werk von Herbert Kaiser auf; zusätzlich haben die Chöre die Carmina Burana von Orff einstudiert und führten beides unter Leitung von Herbert Kaiser auf.
1936 war sein Name zum ersten Mal weltweit in aller Munde. Er hatte die Eröffnungsmelodie der Olympischen Spiele in Berlin geschrieben. Zur selben Zeit arbeitete er bereits an der "Carmina Burana", die ihm nach der Uraufführung 1937 Weltruhm verschaffte: Es ist Carl Orff, der Münchner Komponist, dessen Werke zwar im Fachdeutsch als "Primitivstil" bezeichnet werden, die aber dennoch keine "einfache Harmonik" darstellen, wie Herbert Kaiser in seiner Einleitung im Programmheft schreibt. "In allem geht es mir um die geistige Auseinandersetzung, je vereinfachter die Aussage, desto unmittelbarer und stärker ist die Wirkung", so Orff.
Die geistige Auseinandersetzung mit Orffs Werk und deren Wertschätzung zeigten zwar alle Mitwirkenden, aber nicht der Dirigent. Wer sich ein wenig mit Carl Orff auseinandergesetzt hat, geschweige denn die, die ihn noch persönlich erleben durften, wissen, mit welcher Intensität er seine Kompositionen lebte und gelebt wissen wollte. Sicherlich nicht mit einem Dirigenten, der sich mehrfach gelangweilt mit einem Arm an das Geländer des Dirigentenpultes lehnt, belanglos mit dem Dirigentenstab in der Gegend rumfuchtelt und grinsend ins Publikum sieht, während sich die anderen die Seele aus dem Leib singen.
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Sein eigenes Werk dagegen nahm Kaiser ernster. Angelehnt an die Carmina Burana hat Kaiser Texte aus der Gesamtsammlung der Lieder aus Benediktbeuren ausgewählt. Seine Komposition bezeichnete er selbst als modern. Klanglich erschien sie als eine Mixtur aus dem Versuch, die "einfache Harmonik" Orffs zu kopieren und mit ein paar Schönbergschen Dissonanzen zu variieren.
Die Chöre leisteten in beiden Werken Erstaunliches. Der Kinder- und Jugendchor Lörrach sang den gesamten Abend die lateinischen und mittelhochdeutschen Texte auswendig. Die Kinder und Jugendlichen zeigten eine Motivation und Disziplin, wie sie sonst bei professionellen Kinder- und Jugendchören wie den Wienern oder den Tölzern zu finden ist. Hier hat die Dirigentin, Annegret Brake, ganze Arbeit geleistet, was ihr die Kids mit johlendem Applaus dankten. Auch die Chöre der Erwachsenen überraschten. Die für die Werke Carl Orffs so wichtige Aussprache und die oft nicht einfache Rhythmik schienen den Sängerinnen und Sängern besondere Freude zu bereiten. Im zweiten Teil der Carmina fordert Orff im "Floret silva" einen extrem hohen Einsatz einiger Sopranstimmen. Klar, rein und scheinbar absolut leicht erklangen die Stimmen der ausgewählten Damen.
Auch die Wahl der Solisten erwies sich als hervorragend. Der Tenor, Rüdiger Ballohorn, litt mitreißend als "gebratener Schwan". Mit großem schauspielerischem Talent und einem kräftigen und in den Höhen wie Tiefen wunderbar variablen Bariton mimte Frederik Baldus den Betrunkenen und den unglücklich Liebenden. Alles zu versöhnen versuchend schwang die Sopranistin, Claudia Ehmann, ihre glockenreine Stimme in die Höhen des "Dulcissime". So galt der tosende Schlussapplaus den Chören und den Solisten.
– Weitere Aufführungen: Samstag, 16. Mai, 20 Uhr, Hermann-Burte-Halle Efringen-Kirchen; Sonntag, 17. Mai, 19 Uhr in der Silberberghalle Todtnau.
Autor: Regina Bernstein
