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21. Juni 2012

Eine Geburt gibt Rätsel auf

Gericht spricht Laufenburger vom Vorwurf der Personenstandsfälschung frei / Ungereimtheiten reichen für Verurteilung nicht aus.

LAUFENBURG. Das Amtsgericht Bad Säckingen sprach einen 53-jährigen Laufenburger vom Vorwurf der Personenstandsfälschung frei. Richter Rupert Stork sprach von einem "exotischen Straftatbestand". In der Tat handelte es sich da nicht um einen Routinefall. Es ging nämlich um die Vortäuschung einer Schwangerschaft und Geburt.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann und dessen gesondert verfolgten Ehefrau vor, im Februar 2008 dem Standesamt fälschlich die Geburt ihres Kindes gemeldet, worauf eine Geburtsurkunde ausgestellt worden sei. Der Haken, so die Anklage: Es habe sich nicht um ihr leibliches Kind gehandelt. Es habe keine Schwangerschaft und keine Geburt gegeben.

Dem widersprach der Beschuldigte entschieden. Im Spätsommer 2007 habe seine Frau die Schwangerschaft bemerkt. Einen Arzt habe sie nicht aufgesucht. Als der Geburtstermin näher rückte, hätten sie entschieden, das Baby im Heimatland der Ehefrau zur Welt zu bringen, erklärte der Beschuldigte, da der schlechte Zustand des eigenen Hauses für einen Säugling nicht zumutbar gewesen wäre. Seine Frau sei im Januar 2008 in ihre Heimat geflogen, er sei ihr im April gefolgt. Anfang Februar habe sie das Kind bei einer Hausgeburt zur Welt gebracht im Beisein einer Hebamme und der Mutter der Ehefrau. Ein Lehrer sei beim Ausfüllen des Geburtsformulars behilflich gewesen. Das Zentralstandesamt des Geburtslandes habe anstandslos eine Geburtsurkunde ausgestellt. Erst auf dem Konsulat habe es Schwierigkeiten gegeben. Dort habe man die Elternschaft angezweifelt.

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Mit einer DNA-Analyse ließe sich eine leibliche Elternschaft schnell und sicher nachweisen – oder ausschließen. Das Ehepaar weigerte sich jedoch strikt, eine DNA-Probe abzugeben. "Wegen meines zwiespältigen Verhältnisses zu Behörden", begründete der Angeklagte in der Gerichtsverhandlung sein Verhalten.

Stattdessen wurden Zeugen aufgeboten, die die Schwangerschaft der Frau bestätigen sollten. Während der direkte Nachbar von einer Schwangerschaft nichts bemerkt haben will – ausschließen konnte er sie aber auch nicht –, sprachen zwei Freunde des Angeklagten vom vergrößerten Bauchumfang der Frau. Ein Freund sah sich sogar noch in der Lage, das Umstandskleid zu beschreiben, das die Schwangere an Silvester 2007 getragen haben soll. Soviel Detailverliebtheit machte die Staatsanwältin stutzig. Dass sich ein Mann nach mehreren Jahren noch an ein Kleid erinnern könne, ließen bei ihr nach eigener Lebenserfahrung erhebliche Zweifel aufkommen. Weitere Indizien liefere der E-Mail-Verkehr, der zwischen Januar und April zwischen den Eheleuten stattgefunden hat. Daraus ergebe sich aus verschiedenen Passagen und anhand der Datierung, dass das Kind bereits vor dem angegebenen Geburtstermin auf der Welt gewesen sein muss, so die Staatsanwältin. Auch dazu lieferte der Beschuldigte Erklärungen: Die rudimentären Deutschkenntnisse seiner Frau führten leicht mal zu missverständlichen Formulierungen. Und die Datierungen können durcheinander geraten sein, als er seinerzeit einen neuen Computer eingerichtet und bei der Datenübertragung herumexperimentiert habe. Eine EDV-Expertin hielt diese Einlassung für unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

"Eine plötzliche Abreise vor der Niederkunft gab es schon bei der Heiligen Familie."

Richter Rupert Stork
Richter Stork räumte ein, dass es einige Ungereimtheiten gebe; für eine Verurteilung reichten diese aber nicht aus. Auch die plötzliche Abreise kurz vor der Niederkunft sei nichts Ungewöhnliches. So sei schon die Heilige Familie verfahren.

Bisher ist die Frau mit dem Kind nicht wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Autor: Hilde Butz