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13. Januar 2010 06:28 Uhr

BZ-Gespräch

Eine Jugend ohne schnelles Internet?

In vielen Schwarzwaldorten gibt es kein DSL-Internet. Die Jugendlichen von Ibach und Dachsberg leiden darunter: Referate vorbereiten, Kontakt zu Freunden halten – alles ist enorm erschwert. Für manche wäre das gar ein Grund zum Wegziehen.

  1. Junge Leute im Netz. Im Schwarzwald oft nur mit Modem-Geschwindigkeit Foto: ddp

  2. Tobias Blasi, 16 Jahre, Ibach Foto: Bastian Henning

  3. Tobias Müller, 15 Jahre, Ibach Foto: Bastian Henning

  4. Niclas Zehentner, 15 Jahre, Ibach Foto: Bastian Henning

  5. Steffen Müller, 13 Jahre, Ibach Foto: Bastian Henning

  6. Melanie Böhler, 16 Jahre, Ibach Foto: Bastian Henning

  7. Kevin Schäuble, 18 Jahre, Dachsberg Foto: Bastian Henning

  8. Frank Blasi, 19 Jahre, Ibach Foto: Bastian Henning

In Ibach gibt es nur langsames "DSL light"-Internet (364 kbit pro Sekunde), in Dachsberg zusätzlich vereinzelt Zugang zu Internet per Funk, etwa vom Rathausdach.

BZ: Erwachsene sagen gern, Jugendliche verbrächten zu viel Zeit im Internet. Sie sollten wieder mehr lesen, sich unterhalten oder zusammen rausgehen. Nerven euch solche Sprüche, wo ihr hier doch sowieso nur recht langsames Internet habt?
Tobias B. (16, Ibach): Nein. Wir würden nur eben gerne auch mal schnell einen Film oder ein Musikalbum herunterladen. Das funktioniert aber nicht, dafür ist die Verbindung zu langsam!
Frank (19, Ibach): Du könntest natürlich auch in eine Videothek gehen, aber sowas gibt es ja hier in der Nähe nicht.

BZ: Ist das Runterladen von Filmen das einzige Problem der jungen Leute von Ibach und Dachsberg?
Niclas (15, Ibach): Es gibt auch Probleme bei der Arbeit für die Schule. Zum Beispiel machen wir bei uns an der Realschule in St. Blasien derzeit bei einem Börsenspiel mit. Daran können wir aber kaum teilnehmen, weil die Verbindung zu Hause so langsam ist.

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Tobias M. (15, Ibach): Auch, wenn wir mal etwas für ein Schulfach im Internet nachschauen sollen, hakt es. Wenn man zum Beispiel mal einen politischen Text recherchieren oder sich eine Rede anhören soll, dauert das ewig. Für einen Fünfminuten-Clip lädt das schon mal eine gute halbe Stunde über unseren ISDN-Zugang.
Steffen (13, Ibach): Wenn das reicht! Manchmal dauert das auch noch viel länger! Kürzlich musste ich für die Schule ein Referat über ein Stück von Eminem halten. Dazu wollte ich mir das Musikvideo auf Youtube angucken. Und das ging so langsam!
Tobias M.: Manchmal gehen wir für schnelleres Internet auch zu einem Freund. Dann bereiten wir dort unser Referat vor.

BZ: Bleibt ihr wirklich länger in der Schule um dort das Internet zu nutzen?
Melanie (16, Ibach): Am Ernährungswissenschaftlichen Gymnasium in Waldshut gehen wir häufig in der Mittagspause in den Computerraum.
Tobias B.: Zur Referatvorbereitung sind wir schon häufiger an der Schule geblieben, weil das Internet schneller war.
Melanie: Wenn ich Referate machen muss, geht das Internet meistens nicht. Das darf doch eigentlich nicht sein. Wir fühlen uns von der Technik abgehängt.

BZ: Für das Referat könntest Du auch in einem Lexikon nachschauen.
Melanie: Ja, aber das dauert viel länger und ist nicht so umfassend.
Tobias B.: Außerdem gehen ja auch die Lehrer davon aus, dass wir das Internet für die Recherche nutzen.
Niclas: Wir fühlen uns ja auch nicht nur abgehängt, sondern regelrecht ausgegrenzt! Wenn sich zum Beispiel die anderen auf dem Pausenhof über ein Youtube-Video unterhalten, können wir da gar nicht mitreden.
Tobias B.: Oder denkt doch mal an Onlinespiele: Dazu ist doch die Leitung oft viel zu langsam!
Niclas: Spielst Du online?!
Tobias B.: Ja, schon. Manchmal. Wenn’s funktioniert.
Niclas: An so etwas brauche ich ja nicht mal zu denken...
Tobias M.: Oder soziale Netzwerke wie Facebook: Wenn man da mit den Freunden chatten will, ist das jedes Mal total langsam!

BZ: Aber ihr könntet euch doch bestimmt auch ohne Facebook verständigen...
Niclas: ...ein guter Kumpel wohnt in Bernau drüben...
BZ: ...den könntest Du auch anrufen...
Niclas: Sicher. Aber der stellt auch regelmäßig neue Fotos auf seine Seite. Die will ich mir schon angucken. Und gerade sowas braucht dann ewig!
Tobias M.: Das "allerbeste" ist, wenn man zwei Internetseiten parallel offen hat. Dann geht gar nichts mehr.

BZ: Aber eigentlich habt ihr ja auch Zeit. Dann könnt ihr ja ruhig auch mal ein bisschen warten, oder?
Tobias M.: Ja, aber doch keine Dreiviertelstunde!
BZ: Wieso nicht? Seid ihr gestresst?
Steffen: Na, wir haben schon viel zu tun: Schule, Hausarbeiten, manche müssen zu Hause auf dem Hof helfen...
Kevin (18, Dachsberg): Und ich gehe arbeiten. Wenn ich heimkomme, gehe ich vielleicht zu meiner Freundin. Und wenn ich dann spät noch was im Internet nachschauen will, dauert das jedes Mal ewig. Das ist doch frustrierend!
Tobias B.: Und auch überhaupt nicht gerecht! Warum sollen die in den Städten schnelleres Internet haben als wir?
Kevin: Da überlegt man schon, ob man nicht wegziehen will, wenn man mit der Lehre fertig ist. In der Stadt hat man wenigstens eine gute Internet-Anbindung.
Niclas: Da hast Du Recht. Hier in Ibach wohnt man ja auch nicht gerade zentral. Was will man hier schon groß machen? Im Winter kann man Ski fahren. Aber im Sommer...?
Frank: Vielleicht kann man in der Situation auch etwas Positives sehen: Probleme fördern die Kreativität. Auch die der Jugendlichen. Wenn ich merke, im Internet komme ich nicht weiter, dann muss ich eben doch mal ein Buch aufschlagen.
BZ: Machst Du dich jetzt unbeliebt hier?
Steffen: Es ist ja auch nicht so, als würden wir den ganzen Tag im Internet surfen und chatten. Mit den Freunden besuchen wir uns schon drei, viermal pro Woche. Aber wir haben ja auch noch Kumpels, die nicht hier im Dorf wohnen. Dann wird es schon schwierig.

Autor: Bastian Henning