Eine mutige Verbindung

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Mi, 03. Januar 2018

Kunst

HUGO-HÄRING-PREIS 3: Die Gaststätte Unterkrummenhof am Schluchsee hat einen modernen Glasanbau erhalten.

In einer kleinen Reihe stellt die Badische Zeitung fünf der 14 Bauten vor, die in der Region Freiburg mit dem Hugo-Häring-Preis ausgezeichnet worden sind. Der Architekturpreis für vorbildliche Bauwerke in Baden-Württemberg wird seit 1969 in dreijährigem Rhythmus vom Landesverband des Bundes Deutscher Architekten verliehen.

Die Erweiterung eines Schwarzwälder Bauernhofs ist eigentlich nicht möglich. Denn sein tief heruntergezogenes Dach, der geschlossene Baukörper lassen keine Anbauten zu, ohne den typischen Gesamteindruck zu zerstören. Das scheint trivial, hat aber in der Region nicht verhindern können, dass nach einer Sanierung und Erweiterung vom alten Schwarzwaldhof wenig übrig geblieben ist. Das denkt man auch, wenn man nur Fotografien vom heutigen Unterkrummenhof sieht – eine Gaststätte am Schluchsee im Besitz des Landesforstbetriebs. Da schiebt sich ein eingeschossiger Flachbau mit imposanten Pfeilern nach vorne ins Bild und drückt den alten Hof, ursprünglich ein Doppelhaus für Tagelöhner, einfach zur Seite.

Aber das ist konstruierte Dramatik. Vor Ort ist man nämlich erstaunt, wie gut der vom Freiburger Büro Sandhaus Architekten entworfene Anbau – im Grund ein großer Speisesaal für die beliebte, längst zu eng gewordene Wandergaststätte – neben das alte Gebäude passt. Ja, er gibt diesem sogar in der Präsentation klar den Vortritt – dank der schlichten Reihe der grau gestrichenen Holzsäulen, die vergessen lassen, dass sich dahinter eine hohe Glasfront öffnet, und des dünnen, flachen Dachs. Und aus der Ferne wirkt er zudem voluminöser, als er tatsächlich ist. Aber das alles bedeutet keine Unterordnung: Die moderne Architektursprache, die klare Form des neuen Baukörpers – all das besitzt genügend eigene Ausstrahlung, um sich zu behaupten. Allein schon die Höhe des Speisesaals gegenüber den niedrigen Decken des Altbaus ist ein Gewinn, auch wenn man sich die Möblierung weniger nüchtern hätte vorstellen können.

Dass die an sich mutige Verbindung insgesamt gelingt, liegt auch daran, dass die beiden Bauten nur über ein Eck miteinander verbunden sind: "Funktional, konstruktiv und nicht zuletzt atmosphärisch stellt der Umbau einen sehr schönen Beitrag dar, wie der gewachsene Raumbedarf des alten Unterkrummenhofs auch in der Zukunft durch eine angemessene und gleichzeitig selbstbewusste Erweiterung bedient werden kann" – so lautet das Urteil der BDA-Jury zum Hugo-Häring-Preis.

Sind im Großen und Ganzen Proportionen und Respekt von Alt und Neu sehr gut gewahrt, so harzt es im Detail genau an der Ecke des Übergangs. Wo der Neubau, der an dieser Stelle ein Gebäude aus den 50er Jahren ersetzt, hinter den alten Hof tritt, dort passen die Raumhöhen nicht mehr, der Flachbau kommt deshalb über der Traufe des tief gezogenen Hofdachs an. Dadurch greift ein Bauteil ins andere und hebt die sonst so klare Scheidung von Moderne und Tradition auf – sozusagen der ungelöste Rest einer schwierigen Aufgabe in dieser sonst überzeugenden Konstellation. Aber der Wanderer, der hier sein Vesper isst, wird sich daran wenig stoßen: Diese architektonisch schwierige Situation, die nur durch Tieferlegung des Neubaus und Stufen im Innern zu umgehen gewesen wäre, ist auch eine Art Vorbedingung, um An- und Altbau barrierefrei zu halten.