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25. Juli 2012

Beschneidung

Eine Religion sollte den Menschen helfen

Zu: "Rabbiner sehen sich an Holocaust erinnert", Agenturbeitrag (Politik, 13. Juli):

Die dpa-Nachricht lässt erschreckend den autoritären Anspruch des Rabbiners Pinchas Goldschmidt und anderer erkennen, wie die Deutschen ihre Gesetze auszurichten haben: Die Freiheit der jüdischen Religion steht über den Menschenrechten des deutschen Grundgesetzes. Religiöse Rituale sind nicht dem Artikel 1 des Grundgesetzes unterworfen. Der deutsche Gesetzgeber wird genötigt, Sondergesetze für Juden zu erlassen, sonst drohe Auswanderung.

Der Holocaust wird instrumentalisiert, um Deutschland für eigene Interessen gefügig zu machen. Die Beschneidung als Basis der jüdischen Religion zu sehen, ist meines Erachtens sehr dünn. Eine Religion sollte das metaphysische Bedürfnis befriedigen, sollte zwischen dem Diesseits und Jenseits vermitteln und den Menschen in ihrer Unvollkommenheit helfend zur Seite stehen. Die Beschneidung als Gottes Geschenk, wie das ein Rabbiner neulich in einer Talk-Runde darstellte, ist eher als ein mehr als 3000 Jahre altes Stammeszeichen zu sehen. Gott hat die Vorhaut für gut erachtet. Hat er nicht den Menschen als vollkommen geschaffen? Warum also etwas wegschneiden?

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Die monotheistischen Religionen haben seit 200 Jahren in Europa dasselbe Problem: Die Menschenrechte wurden deshalb entwickelt, weil die Religionen herrisch, bevormundend und lebensbedrohend sich in den Jahrhunderten davor gebärdeten. Das Leben des Individuums war also weniger wert als die religiöse Unterwerfung. Als Basis einer modernen Demokratie sind die Menschenrechte bereits heute bestens geeignet, vielleicht sind sie hier und da zu verfeinern. Sonderrechte für religiöse Herrschaftsausübung sind Sprengstoff für die Zukunft. Wer das nicht glaubt, möge die vielen Beispiele aus der Geschichte studieren. In vorauseilenden Gehorsam hat die Bundesregierung die Sonderregelung versprochen. Unser Parlament soll das höchste Organ sein.

Autor: Georg Lossky, Weil am Rhein