Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. April 2012

Henryk M. Broder und das Gedenken an die Naziopfer

Eine schlimme Verhöhnung, die an Zynismus nicht zu überbieten ist

Zu: "Störfaktor im Wellness-Land", Beitrag von Alexander Dick (Kultur, 3. April):


Henryk M.
Broders Versuch, das Gedenken an die ermordeten Naziopfer mit den Begriffen "Erinnerungswahn" und "deutscher Sündenstolz" zu diskreditieren, ist eine schlimme Verhöhnung jener und aller ihr Gedenkenden und somit an abstoßendem Zynismus nicht mehr zu überbieten. Indem er das Erinnerungsritual mit dem Blick auf die Gegenwart ausspielt, anstatt beide als Notwendigkeiten miteinander zu verbinden, erweist er sich eben doch gerade entgegen Alexander Dicks fataler Deutung als künstlich herausfordernder Provokateur.

Als solcher offenbart er eine nicht minder gemeingefährliche Schlussstrich-Mentalität, wie sie auch schon Martin Walser mit der unsäglichen Formulierung der "Moralkeule" Auschwitz zutage treten ließ. Hieran könnte sich Broder bei der Wahl seines frevlerischen Buchtitels "Vergesst Auschwitz!" erinnert haben, mit dem er sich einmal mehr des ihm aus völlig unbegreiflichen Gründen verliehenen Ludwig-Börne-Preises unwürdig erweist. Mit seiner Aufkündigung historischer Verantwortung, die Broder gerne mit dem feig-gehässigen Wort "Gutmenschentum" abtut, steht er meilenweit entfernt von jenem moralistischen Freiheitsgeist, den Börne als namhafter jüdischer Autor des Vormärz vertrat.

Werbung


Autor: Dr. Leonhard Fleischer, Gundelfingen


34 Kommentare

Damit Sie Artikel auf badische-zeitung.de kommentieren können, müssen Sie sich bitte einmalig bei Meine BZ registrieren. Bitte beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Die veröffentlichten Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

19. April 2012 - 10:16 Uhr

Zitat aus dem Buch "Vergesst Auschwitz" von Henryk M. Broder: "Die Deutschen sind dermaßen damit beschäftigt, den letzten Holocaust nachträglich zu verhindern, dass sie den nächsten billigend in Kauf nehmen. (...) Genau darin liegt das Problem. Die historische Verantwortung Deutschlands erschöpft sich darin, 'die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten', nicht etwa die kommende Endlösung der Nahostfrage zu verhindern. Es ist eine Art Ablasshandel. Dabei sind 60 Millionen für die Sanierung von Auschwitz nur ein Bruchteil der Summe, die im deutsch-iranischen Handel umgesetzt wird; eine Broschüre der 'Deutsch-Iranischen Handelskammer zu Teheran' führt 200 deutsche Firmen auf, die im und mit dem Iran Geschäfte machen, darunter auch zwei Unternehmen, die Tunnelbohrmaschinen herstellen, die für den Bau von unterirdischen Urananreicherungsanlagen gebraucht werden, und zwei Hersteller von 'fahrzeuggestützten', das heißt mobilen Kränen, die bei öffentlichen Hinrichtungen zum Einsatz kommen. Eine große Mehrheit der Deutschen will von einer besonderen Verantwortung für Israel nichts wissen."

Das hört sich nicht nach "Aufkündigung historischer Verantwortung" auf Seiten Herrn Broders an (wie der Autor des Leserbriefes vorwirft), sondern vielmehr auf Seiten der deutschen "Erinnerungskultur", die Sonntagsreden über tote Juden hält, den Bezug zu den lebenden Juden insbesondere in Israel aber in weiten Teilen vermissen lässt bzw. in weiten Teilen nur als "'Bewährungshelfer', die vor allem darauf achten, dass 'ihre Opfer nicht rückfällig werden'" (ebenfalls Zitat aus dem o. g. Buch) wahrnimmt.

Ich kann nur empfehlen, das Buch zu lesen. Denn wie Alexander Dick in seinem Artikel am 3.4.12 ganz richtig schrieb: "Zur Kategorie intellektueller Störfaktoren im Mainstream der öffentlichen Debatte gehört zweifelsfrei auch Henryk M. Broder. Und das ist nicht verkehrt."

Verstoß gegen Netiquette melden

Herbert Pommerenke  

Herbert Pommerenke

Registriert seit: 29.11.2010

Kommentare: 994

19. April 2012 - 12:20 Uhr

Frau Lauser, Der überwiegende Teil der deutschen Bürger hat den
Holocaust nicht vergessen und sieht dan damals geschehenen
Völkermord an den Juden als schrecklichstes Erbe an!
Sie aber übertreiben in Ihren Kommentaren das Ganze als gäbe es nur
ein Volk und Staat auf der Welt, nämlich Israel und das Judentum!

Deutschland, Europa,Amerika, Russland, China, Australien, Neuseeland
und ganz Asien betreiben fast freien Welthandel und da Deutschland
Weltmarktführer im Maschinenbau ist kauft auch die ganze Welt unsere Produkte, also auch der Iran!
Wir liefern ja U-Boote nach Israel die zu einem Erstschlag gegen ihre
Feinde eingesetzt werden, haben Sie das vergessen?
Weiterhin ist Israel der höchst Waffen gerüstete Staat inkl. Atombomben.

Sie sollten Ihr realitätsfremdes Gedankengut überprüfen!

Verstoß gegen Netiquette melden

 

theresia lang

Registriert seit: 03.12.2010

Kommentare: 433

19. April 2012 - 12:38 Uhr

Herr Pommerenke: Dem ist nichts hinzuzufügen !

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

20. April 2012 - 08:59 Uhr

@Herbert Pommerenke (und Theresia Lang): Apropos "realitätsfremdes Gedankengut":
"Die aufstrebende Atommacht Indien hat am Donnerstag erstmals eine Langstreckenrakete vom Typ Agni V aus eigener Produktion getestet. Mit mehr als 5000 Kilometern Reichweite kann Indien damit erstmals ganz China sowie Ziele in Europa erreichen." (http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/indien-feiert-raketentest-als-meilenstein)
"5000 Kilometer soll die Reichweite der Rakete, deren Name übersetzt Feuer bedeutet, besitzen. Vor allem aber sei sie fähig, einen Atomsprengkopf von einer Tonne Gewicht zu tragen. Nach langen Bemühungen kann Indien mit der Rakete, so sie denn jemals in Serie gebaut wird, jede größere Stadt Chinas erreichen und vom Iran bis Israel jedes Land im Mittleren Osten treffen. (...) Eine Milliarde US-Dollar pro Jahr ist Delhi die Miete eines russischen Atom-Unterseeboots wert. (...) Außerdem unterzeichnete Delhi den Vertrag für den Kauf von 126 französischen Rafaele-Düsenkampfflugzeugen. Im weltweiten Vergleich stieg Indien im vergangenen Jahr zum größten Waffenimporteur der Welt auf." (http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/feurige-machttraeume)

Verstoß gegen Netiquette melden

 

herbert scholl

Registriert seit: 09.05.2009

Kommentare: 1077

20. April 2012 - 09:28 Uhr

Frau Lauser, da Sie ja auch gerne Rückfragen stellen :
Wollen Sie das Waffenpotential Israels mit dem Hinweis auf Indien relativieren ?
Was soll der Hinweis auf " gemietete Atom-Unterseeboote" durch Indien,
wenn Israel mehrere Unterseeboote aus deutscher Produktion ( mehrheitlich mit unseren Steuergeldern subventioniert ) besitzt, Boote, die
ohne Probleme "aufgerüstet" werden können??
Andere Frage: warum gingen die zweiseitigen Gespräche zwischen dem
Chefunterhändler der Palestinenser und dem israelische MP in die Brüche ?

Verstoß gegen Netiquette melden

Herbert Pommerenke  

Herbert Pommerenke

Registriert seit: 29.11.2010

Kommentare: 994

20. April 2012 - 10:04 Uhr

Frau Lauser, ihr letzter Kommentar löst bei mir nur ein Kopfschütteln
aus und ich unterstreiche nochmals meinen letzten Satz den ich Ihnen
zugedacht habe: Sie sollten Ihr realitätsfernes Gedankengut überprüfen!

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

20. April 2012 - 12:05 Uhr

@Herbert Scholl: Nein, relativieren will ich nichts. Aber darauf hinweisen, dass es genügend andere Staaten gibt, die den „brüchigen Weltfrieden“ gefährden, weil sie hoch aufrüsten und –wie z. B. Indien- bereits ATOM-U-Boote besitzen und nicht erst U-Boote umrüsten müssen, wie Israel es mit den von Deutschland erhaltenen U-Booten tun müsste (mit unseren Steuergeldern wurden übrigens vor allem Arbeitsplätze auf deutschen Werften subventioniert). Aber ich schätze mal, Herr Grass wird kein Gedicht über die „Atommacht Indien“ schreiben, genauso wenig wie über die „Atommacht Pakistan“, „Atommacht China“ oder welche Atommacht auch immer. Gefährlich und den Weltfrieden bedrohend scheint für ihn (und andere) nur die „Atommacht Israel“ zu sein. Das ist schon sehr seltsam.
Zu Ihrer anderen Frage: Was genau meinen Sie mit „gingen (…) in die Brüche“? (siehe auch: http://www.badische-zeitung.de/brennpunkte/israel-und-palaestinenser-bekraeftigen-friedenswillen--58380489.html)

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

20. April 2012 - 12:11 Uhr

@Herbert Pommerenke: Sie schrieben mit Bezug auf mich: "Sie aber übertreiben in Ihren Kommentaren das Ganze als gäbe es nur ein Volk und Staat auf der Welt, nämlich Israel und das Judentum!" - Dann sprach ich also mal nicht über "Israel und das Judentum", sondern über Indien, und auch noch ganz realitätsnah mit Bezug auf ganz aktuelle Nachrichten - und jetzt ist's auch wieder nicht recht. Also, offen gesagt löst das bei mir nun ein Kopfschütteln über Sie aus....

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

20. April 2012 - 12:19 Uhr

Frau Lauser,

wenn Sie einen Vergleich zw. Israel und Indien ziehen wollen, sollten Sie berücksichtigen, dass Indien niemandem mit einem Angriffskrieg droht, sondern sich gerade mit seinem Dauerrivalen Pakistan, ebenso eine Atommacht, im konstruktiven Diskurs befindet.

Wenn man einen Vergleich ziehen will, könnte man also auch auf die Idee kommen, zu behaupten dass ein atomar bewaffneter Iran die israelische Regierung eventuell ebenfalls kompromisswilliger stimmen würde.

http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/indien-und-pakistan-mit-dem-willen-zur-annaeherung--58059440.html

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Walter Haberer

Registriert seit: 22.07.2010

Kommentare: 1754

20. April 2012 - 12:31 Uhr

@Andrea Lauser
Ich war schon gespannt darauf, wie Sie auf die offensichtliche antisemitische Schrift Ihres Herrn Broder reagieren werden, des Broder, der Ihnen doch immer so sympathisch ist, wenn er seine antiislamischen Pöbeleien in die Welt hinausschreit.
Sie haben es wieder einmal geschafft. Nicht Broder, sondern das gesamte deutsche Volk ist also antisemitisch.
Aber Deutschland treibt eben nicht nur Handel mit dem Iran, sondern auch mit dem chinesischen Unrechtsstaat, auch übrigens mit den USA, die weltweit eine Folterindustrie aufgebaut haben und auf Kuba ein KZ unterhalten. Aber dieses KZ stört Sie und Herrn Broder ja wieder nicht, sind die Opfer dort ja „nur“ Menschen, die man für Muslime hält.

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

20. April 2012 - 12:32 Uhr

@Oliver Rosenstock: Simple Frage: Wenn alles Friede-Freude-Eierkuchen ist, warum rüstet Indien dann so stark auf?
Darüber hinaus: Der Iran griff/greift Israel längst an durch seine "Gehilfen" Hisbollah und Hamas. Wenn Israel mit einem Schlag gegen die iranischen Atomanlagen (nicht gegen den gesamten Iran) verhindern würde, dass atomares Material in die Hände dieser Terrorgruppen gelangte, würde es nicht nur sich selbst sondern der gesamten Welt einen Dienst erweisen. Ich selbst jedenfalls möchte nicht mit dem Gefühl leben, dass Terrorgruppen, die den "Märtyrer"-Tod preisen, atomare Sprengköpfe besitzen, die sie sich nicht scheuen einzusetzen...

Verstoß gegen Netiquette melden

 

herbert scholl

Registriert seit: 09.05.2009

Kommentare: 1077

20. April 2012 - 12:39 Uhr

Für Alle:
Spiegel-online """politische Reisetour in Israel "
Hoffentlich Hat Frau Lauser keine Einwände gegen den jüdischen Reiseführer!

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Walter Haberer

Registriert seit: 22.07.2010

Kommentare: 1754

20. April 2012 - 12:47 Uhr

@Andrea Lauser
„„Nein, relativieren will ich nichts. Aber darauf hinweisen, dass es genügend andere Staaten gibt, die den „brüchigen Weltfrieden““
Natürlich relativieren Sie, wenn Sie das aktuelle Umfeld der jeweiligen Länder bei Ihrem Vergleich ausser Acht lassen. Bei Indien wird es eben genau so schief, wie die ganze Atomsperrvertragsdebatte schief läuft.
Indien will die bekanntermassen aggressive Atommacht China abschrecken, das mit Tibet ja bewiesen hat, welche Expansionsgelüste es antreibt. Jedoch gibt es keinerlei Ankündigungen eines „Militärschlages“, also keine Vorbereitung eines Angriffskrieges, durch Indien. Auch befindet sich Indien nicht im Krieg.
Aber auch hier wird die indische Atombombe kritisiert, während die der Vetomacht China ohne Erwähnung bleibt. Aber letzteres ist der Grund, weshalb es immer mehr Atomwaffen in der Welt geben wird.
Solange die, welche den Dreck erfunden haben, ihn nicht aus der Welt schaffen, so lange wird es immer wieder Länder geben, die glauben, gegen die Drohung der Alt-Atommächte abschrecken zu müssen.

Israel befindet sich in einer ganz anderen Lage als Indien. Nicht nur, dass es täglich auf irgendjemanden schiessen lässt, es kündigt im Stundentakt einen „Militärschlag“ gegen den Iran an. Und dass es nicht zu zögern gewillt ist, wegen unliebsamer Anlagen einen Krieg anzuzetteln, das hat es schon bewiesen. Der rassistische israelische Aussenminister forderte ja schon einen Angriff auf den Assuan-Staudamm, also einen Massenmord an den Ägyptern.
Aus Indien, ja nicht einmal aus China haben wir in letzter Zeit solche Töne gehört. Gut, in aller Welt wird so mancher Blödsinn geredet, aber Israel unterscheidet sich von anderen dadurch, dass es den angekündigten Blödsinn früher oder später auch macht.

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

20. April 2012 - 12:50 Uhr

@Walter Haberer: Wie definieren Sie „antisemitisch“? Würde mich interessieren, weil Sie Herrn Broders Buch (das Sie auf Grund Ihrer „Buchkritik“ sicher gelesen haben) eine „antisemitische Schrift“ nennen.

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

20. April 2012 - 12:58 Uhr

Frau Lauser,

ich habe kein Interesse die Diskussion um den von Israel geforderten Angriffskrieg hier zu wiederholen, mir geht es nur um den absurden Vergleich den Sie unter verschiedenen Artikeln gezogen haben.

Aber auch wenn ich den angedrohten israelischen Angriffskrieg nicht diskutieren will, muss ich Ihren rhetorischen Bemühungen um die Bagatellisierung des möglicher Weise bevorstehenden Völkerrechtsverstoßes widersprechen - eine Bombardierung der iranischen Atomanlagen ist nicht von einer Bombardierung des Irans zu trennen auch wenn Sie die triviale Aussage bringen, dass es ja nicht der „ganze Iran“ sei der bombardiert werden soll.

Vom Dienst an der Welt bei diesem möglichen Angriffskrieg zu sprechen bedarf auch einiger Chuzpe, denn es unterstellt den Willen und die Bemühungen des Irans sich um Atomwaffen zu bemühen und tut so als wäre das Bombardement ein minimalinvasiver Eingriff der mit chirurgischer Präzision ausgeführt werden könnte und der Patient nach einer kurzen Phase im Aufwachraum wieder munter rumtollen könnte. Viel wahrscheinlicher erscheint es mir, dass sich aus einem solchen Dienst an der Welt ein regionaler Flächenbrand entwickeln könnte mit dem niemanden gedient wäre, auch nicht Israel.

PS: Während man dem Iran unterstellt das Judentum ausrotten zu wollen, erfreut sich die größte jüdische Gemeinschaft der arabischen Welt, die sich im Iran befindet, bester Gesundheit - auch wenn man sich sicherlich über weitergehende Freiheiten freuen würde.

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Walter Haberer

Registriert seit: 22.07.2010

Kommentare: 1754

20. April 2012 - 16:31 Uhr

@Andrea Lauser
„Wie definieren Sie „antisemitisch“?“

Oh nein, auf diese Fährte locken Sie mich nicht. Das ist Ihr Fach.

Nur sehe ich in der Verhöhnung des Andenkens Verstorbener, wenn es sich um die jüdischen Opfer von Auschwitz handelt, durchaus eine nicht gerade judenfreundliche Haltung. Nein, ich habe das Buch nicht gelesen. Ich werde Herrn Broder niemals dadurch finanzieren, dass ich eines seiner rüden Machwerke auch noch kaufe. Aber ich nahm Bezug auf das Zitat, worüber wir hier diskutieren. Ich habe keine Lust, auf Hunderten von Seiten mir erläutern zu lassen, warum Herr Broder nicht das gemeint hat, was er gesagt hat. Wenn er nicht falsch verstanden werden will, muss er einfach den einen Satz nicht sagen.

Und sollte er falsch verstanden worden sein nur deshalb, weil er mit seiner Pöbelei um ein weiteres Mal seine Mitmenschen beschimpfen wollte, nun dann geschieht es ihm recht, dass er falsch verstanden wurde.
Dieser Herr darf sich nicht wundern, dass man aus seinen verbalen Rülpsern nicht auch noch den letzten kleinen Rest von Anstand heraus schnuppern will.

Verstoß gegen Netiquette melden

 

herbert scholl

Registriert seit: 09.05.2009

Kommentare: 1077

20. April 2012 - 17:08 Uhr

Frau Lauser, was halten Sie von dem von mir erwähnten Artikel in Spiegel-online und von Herrn Schlomka ??

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Patrick Halberstram

Registriert seit: 08.04.2012

Kommentare: 126

20. April 2012 - 17:24 Uhr

Herr Scholl, zu dem sehr guten Artikel bei Spiegel Online wird Frau Lauser wahrscheinlich nicht antworten - falls doch, so wird Sie wahrscheinlich einen Haaretz-Artikel zitieren, in dem steht, wie gut es doch den Palästinensern geht und wie schlecht den Israelis.
Irgendein lustiger Mensch schrieb hier auch mal, dass die Palästinensern ja liebend gern unter israelischer Herrschaft leben würden...

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

20. April 2012 - 18:01 Uhr

Fernsehtipp zum Nahost-Konflikts: "Gelobtes Land" von Peter Kosminsky, heute Freitag, 20. und 27. April 2012 um 20.15 Uhr auf ARTE.

http://www.arte.tv/de/Gelobtes-Land/6565218.html

Das sagt die SZ zum Film: "Auf Entdeckungsfahrt durch den ewigen Konflikt. Aus dem übervollen Requisitenschrank des Nahost-Konflikts: In dem Arte-Vierteiler "Gelobtes Land" zeigt der Brite Peter Kosminsky die ganze widersinnige, wahnsinnige Wirklichkeit, die die Region seit Jahrzehnten zerreißt. Stimmen aus Israel nennen den Film "eine neue Kategorie der Feindseligkeit", doch gegen den Vorwurf des Antisemitismus muss man den Regisseur gewiss in Schutz nehmen...."

http://www.sueddeutsche.de/medien/gelobtes-land-auf-arte-auf-entdeckungsfahrt-durch-den-ewigen-konflikt-1.1336962

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

20. April 2012 - 19:36 Uhr

@Walter Haberer: Schade, dass Sie meiner Frage, wie Sie „antisemitisch“ definieren, ausweichen. Wie auch immer, mir ist eingefallen, dass Sie kürzlich an anderer Stelle im BZ-Forum den Schluss zogen, „dass Zivilcourage bedeutet, Antisemit zu sein“. Liege ich also richtig, wenn ich aus Ihren Worten, Herr Broders Buch sei eine „antisemitische Schrift“, den Schluss ziehe, dass Sie mit dieser Aussage Herrn Broder für seine Zivilcourage loben?....
Oder verstehe ich Sie diesbezüglich falsch und Sie halten es eher mit denen, die „statt Argumenten „Antisemit““ (Ihre Worte kürzlich im BZ-Forum) rufen?....
Darüber hinaus: Kompliment für Ihre Steigerungsfähigkeit: Kürzlich schrieben Sie im BZ-Forum noch, die israelische Regierung kündige „beinahe täglich“ einen „Militärschlag“ gegen den Iran an. Dann steigerten Sie sich von „beinahe täglich“ zu „täglich“. Und inzwischen kündigt Israel laut Ihren Worten sogar „im Stundentakt einen „Militärschlag“ gegen den Iran an“…. (Kleiner Tipp: Als nächstes folgen Minuten, dann Sekunden. Und Nanosekunden gibt es auch noch.)
Darf ich Ihnen trotz allem empfehlen, das Buch zu lesen (es gibt auch die Möglichkeit, es auszuleihen, wenn Sie nichts dafür bezahlen wollen), damit Sie selbst herausfinden können, dass Herr Broder in seinem Buch keineswegs die jüdischen Opfer von Auschwitz verhöhnt (siehe mein erster Kommentar in diesem Forum).

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

20. April 2012 - 19:43 Uhr

@Oliver Rosenstock: Zu Ihrem PS um 12:58 Uhr: Sie wissen schon, dass der Iran kein arabischer Staat ist? Darüber hinaus habe ich persönlich nicht behauptet, der Iran wolle das Judentum auslöschen. Der jüdische Staat Israel und das Judentum sind zwei Paar Stiefel.

Interessant, was Peter Münch in Ihrem verlinkten SZ-Artikel schreibt: "Gegen den Vorwurf des Antisemitismus muss man Kosminsky gewiss in Schutz nehmen, nicht nur, weil er selbst einer jüdischen Familie entstammt." Warum sollte ein Mitglied einer jüdischen Familie nicht Antisemit sein können?

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

20. April 2012 - 20:00 Uhr

@Herbert Scholl: Was den von Ihnen angesprochenen Artikel angeht, so halte ich es mit der amerikanischen Nachwuchswissenschaftlerin, die sagt: "Jede Geschichte hat zwei Seiten (...) und du siehst bei jeder Tour eine andere, je nachdem, wer die Geschichte erzählt." (http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,827845-2,00.html)
Apropos: Ich finde die Frauenkooperative in Laqiya (http://www.desert-embroidery.org/index.php?option=com_content&view=article&id=81&Itemid=157&lang=en), die von der Spiegel-Autorin kurz (warum eigentlich nur kurz?) erwähnt wird, eine sehr gute Sache. Sie ermöglicht es Beduinenfrauen, sich zu bilden und in einer Männergesellschaft zu behaupten - etwas, das z. B. Beduinenfrauen in arabischen Ländern noch nicht in diesem Maß möglich ist.
Darüber hinaus könnte ich Ihnen jetzt noch zahlreiche Links von Bildern aus israelischen Beduinenstädten nennen, die zeigen, dass die Städte so schlimm nicht aussehen. Hier mal fürs erste ein Link, der die Beduinenstadt Rahat zeigt: http://www.ynet.co.il/yaan/0,7340,L-294055-Mjk0MDU1Xzg2Nzg5MTY2XzE0ODY4NzIwMAeqeq-FreeYaan,00.html Und hier ein paar Bilder von Jugendlichen aus Kseifa, die Spaß im Klettergarten haben: http://www.odt.co.il/default10.asp?kat=galeryPrat&id=75 - Damit Sie auch mal einen Teil der anderen Seite der Geschichte sehen....

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

20. April 2012 - 20:35 Uhr

Frau Lauser,

die jüdische Gemeinde des Irans ist die größte in der islamischen Welt. Der Iran ist, da habe Sie Recht, ein mehrheitlich persisches Land.

Wenn Sie schreiben, dass der jüdische Staat und die Juden zwei Paar Stiefel seien, wollen Sie damit wahrscheinlich zum Besten geben, dass der Iran nicht gegen die Juden sondern gegen den Staat Israel sei. Netanjahu, der permanent vom Holocaust und dem Dritte Reich spricht wenn es um den Iran geht, scheint eher von einer Verfolgung der Juden auszugehen. Eventuell muss sich die Anti-Iran-Propaganda da noch etwas besser abstimmen.

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

20. April 2012 - 22:16 Uhr

@Oliver Rosenstock: Sie sagten wortwörtlich: "Während man dem Iran unterstellt das Judentum ausrotten zu wollen" Und ich sagte wortwörtlich: "Der jüdische Staat Israel und das Judentum sind zwei Paar Stiefel." - "Judentum" und "Juden" sind auch zwei Paar Stiefel. Sie können nicht einfach aus "Judentum" "Juden" machen.

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

20. April 2012 - 22:45 Uhr

Frau Lauser,

Sie müssen mir sagen worauf es der Iran abgesehen haben soll, ich habe ja gerade unter Beweis gestellt es nicht zu wissen. Israel, Israelis, Juden, Judentum, Zionismus oder hat es der Iran auf etwas anderes abgesehen?

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

21. April 2012 - 09:13 Uhr

@Oliver Rosenstock:

Ahmadinejads Mission:

"„Sie haben eine schwarze und dreckige Mikrobe mit Namen ,zionistisches Regime’ geschaffen, um sie wie ein wildes Tier auf die Völker der Nation loszulassen“, rief der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad am 20. Februar 2008 seinen Anhängern in einer im Staatsfernsehen übertragenen Rede zu.[1] Zwei Tage zuvor hatte bereits einer der höchsten Funktionäre des Iran, General Jaafari, vom „krebsartigen Gewächs Israel“ gesprochen und dessen „Verschwinden in naher Zukunft“ prophezeit.[2]

Mikrobe, Krebsgewächs – die Wortwahl ist gerade in Deutschland bekannt. Zwar weist die gegenwärtige iranische Führung den Verdacht des Antisemitismus zurück: Demonstrativ umarmt Ahmadinejad Juden, die Israel bekämpfen; medienwirksam nimmt er die 25.000 im Iran lebenden Juden als Beleg, dass das Regime die jüdische Religion achtet und schützt.

Und doch hat bislang kein anderer Regierungschef seit Adolf Hitler so viel Antisemitismus verbreitet wie Mahmoud Ahmadinejad. Er sagt nicht, dass „Juden“ die Welt beherrschen. Er sagt: „Die Zionisten beherrschen die Welt.“[3] „Die Zionisten“ hätten die Mohammed-Karikaturen in Dänemark produziert und die goldene Moschee im Iran zerstört. „Die Zionisten“ trügen „für einen großen Teil aller Ungerechtigkeiten in der Welt die Verantwortung. Wo sie sind, ist Krieg.“[4]

Das Muster ist vertraut. Ahmadinejad verwendet den Begriff „Zionist“ mit derselben Bedeutung, mit der Hitler das Wort „Jude“ benutzte: als Urgrund alles Bösen auf dieser Welt. Wer aber Juden für die Übel dieser Erde verantwortlich macht, der ist vom Antisemitismus beherrscht. Er wird Israel als „Keimzelle des Bösen“ beseitigen wollen. Er wird den Holocaust leugnen, da der Massenmord seinem Weltbild widerspricht.
Erstmals seit dem Dritten Reich haben im gegenwärtigen Iran die Machthaber eines großen Landes den Antisemitismus, die Holocaust-Leugnung und die Absicht, ein UN-Mitgliedsland zu liquidieren, ins Zentrum ihrer Außenpolitik gerückt.

Ihre Drohungen sind nicht auf Israel beschränkt. „Wir stehen inmitten eines historischen Krieges, der seit Hunderten von Jahren andauert“ hatte Ahmadinejad im Oktober 2005 erklärt und damit deutlich gemacht, dass es um den Nahostkonflikt nicht geht.[5] Überall auf der Welt will die Gottesdiktatur die säkulare und freiheitliche Orientierung des Westens durch eine Scharia-Ordnung ersetzen. Überall sollen Frauen, wie im Iran, brachial unterdrückt, Schwule öffentlich gehängt, Gewerkschafter verfolgt, Zeitungen verboten und Sünder gesteinigt werden können. „Unsere Mission transzendiert die geographischen Grenzen der islamischen Welt“, erklärt Ahmadinejad. „Unsere Geistlichen stehen in der Verantwortung, die Menschheit als Ganze dazu anzuhalten, die Prinzipien der monotheistischen Herrschaft zu übernehmen.“[6]
Ahmadinejad agiert als Weltpopulist, als ein Arafat im Mao-Look, der Länder wie Kuba, Nicaragua oder Venezuela in die Revolutionsfront einbinden will. „Das Zeitalter der Dunkelheit wird enden“, schwärmte er im September 2007 vor dem Plenum der Vereinten Nationen, „und die Völker werden in Amerika und in Europa von den Lasten, die die Zionisten ihnen zufügen, befreit sein.“ Die Verbindung von Befreiung und Antisemitismus, für die der Historiker Saul Friedländer in Bezug auf den Nationalsozialismus den Begriff des „Erlösungsantisemitismus“ geprägt hat, ist gefährlich genug. Im Falle des Iran kommt etwas Drittes hinzu: der Glaube an die Wiederankunft des „Zwölften Imam“.
Mit dieser mythischen Figur ist der letzte unmittelbare Nachkomme Mohammeds in zwölfter Generation gemeint, der im Jahr 874 als kleiner Junge spurlos verschwand. Die Schia stützt sich auf den Glauben, dass dieser „Imam“ irgendwann aus seiner Verborgenheit hervortreten und die Welt von allen Übeln befreien werde. Diese abstrakte Vision von einer Befreiung der Welt haben Ahmadinejad und seine Freunde in ein tagespolitisches Programm verkehrt. So gehörte Anfang 2008 der Bau einer Prachtstraße für den „Messias, der demnächst kommen wird“ zu den Wahlkampfversprechungen Ahmadinejads, mit deren Hilfe er die manipulierten Parlamentswahlen im März 2008 gewann.[7] Was würde mit dem Bürgermeister der Heiligen Stadt Rom geschehen, wenn dieser ganze Stadtviertel abreißen ließe, um für die baldige Ankunft des Jesus-Messias eine Prachtstraße zu errichten? Würde er nicht seines Amts enthoben wenn nicht für verrückt erklärt werden? Hingegen betrachtet sich der amtierende Regierungschef des Iran als den unmittelbaren Wegbereiter des 12. Imam. Für ihn ist die Vorbereitungen auf dessen Wiederankunft „die wichtigste Aufgabe unserer Revolution.“[8] Er charakterisiert seine Politik als „jene Art von Mission, die auch den göttlichen Propheten anvertraut gewesen war. Sie erlaubt es nicht, dass wir uns ausruhen oder auch nur einen Moment schlafen.“[9]" Weiter geht's hier: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/ahmadinejads-mission

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

21. April 2012 - 09:40 Uhr

Frau Lauser,

Hr. Küntzels Vorliebe für unwissenschaftliche Vergleiche mit dem Dritten Reich und sein zweifelhaftes Verhältnnis zum Islam ist hinlänglich bekannt, weswegen ich wenig Motivation verspüre mich mit dem von Ihnen präsentierten Text auseinander zu setzen.

Wie aber auch bereits zuvor geäußert, will ich die Israel-Iran-Diskussion nicht aufwärmen. Die Argumente scheinen mir ausgetauscht zu sein.

Hier ein paar Statements zur Arbeit von Herrn Küntzel:

1) In der Zeitung analyse & kritik bemängelt Bernhard Schmid an Küntzels Islamismusanalyse, sie bestehe „vor allem darin, Züge des deutschen Nationalsozialismus in den Islamismus hineinzulesen. Der Mühe, den Islamismus mitsamt seinem gesellschaftlichen Kontext zu analysieren, unterzieht er sich erst gar nicht“.

2) Eine andere Einschätzung vertritt Katajun Amirpur im Deutschlandradio. Küntzel, so Amirpur, liege in einigen Fällen nachweislich so falsch, dass es dem Leser schwer falle, ihm da Glauben zu schenken, wo er Recht haben könnte.

3) Fahimeh Farsaie im Freitag spricht noch deutlicher von „Verzerrung der Tatsachen“, der Autor wolle im Islamismus „partout die Fratze der Nazis“ erkennen.

4) Der deutsche Islamwissenschaftler Michael Kiefer kritisiert den oftmals „alarmistischen Ton“ und die „terminologischen Fehlgriffe“ sowie falsche NS-Vergleiche und Übertreibungen, die Küntzel anschlägt.

Allesamt aus http://goo.gl/4UurQ

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Hans-Joachim Burghardt

Registriert seit: 29.03.2012

Kommentare: 65

21. April 2012 - 09:46 Uhr

Das Gedenken an Auschwitz ist tatsächlich zu einem Herrschaftsinstrument geworden. Das sehen Broder und Walser völlig richtig. Jede Politik im nationalen Interesse der Deutschen wird mit der Nazikeule niedergemacht. Jede Abweichung von der offiziellen Linie in Fragen des Multikulti, des Euro, der Familienpolitik (incl. Homoehe und Feminismus) wird mit dem Hinweis auf Auschwitz niedergeknüppelt. Auschwitz wird sogar schon zum Führen vom Kriegen mißbraucht: So rechtfertigte Joschka Fischer die Bombardierung Jugoslawiens 1999 durch die NATO (die von der rot-grünen Regierung vehement unterstützt wurde) mit der Behauptung, man wolle ein zweites Auschwitz verhindern.

Ich werde mir Broders "Nie wieder Auschwitz" demnächst zulegen.

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

21. April 2012 - 11:28 Uhr

@Oliver Rosenstock: Herr Rosenstock, Sie wollen doch nicht etwa sagen, dass Sie den Autor Matthias Küntzel boykottieren und damit –à la Yoram Kaniuk (Sie zitierten ihn kürzlich in der BZ-Diskussion um das Einreiseverbot für Grass nach Israel: „Wer Schriftsteller boykottiert, wird am Ende Bücher verbrennen“)- irgendwann zum Bücher-Verbrenner werden!!

Wie auch immer: Dass Sie, der von anderen (insbesondere von mir) fordert, beide Augen offen zu halten, nun erneut zeigen, dass Sie selbst nur ein Auge offen halten und es sich sehr leicht machen, indem Sie einem namhaften Wissenschaftler einfach mal schnell „Vorliebe für unwissenschaftliche Vergleiche mit dem Dritten Reich“ und ein „zweifelhaftes Verhältnnis zum Islam“ unterstellen anstatt sich mit seinen Argumenten auseinanderzusetzen, das enttäuscht doch sehr.
Der von Ihnen verlinkte Wikipedia-Artikel offenbart ja nicht nur Kritik an Herrn Küntzel, sondern auch renommierte Unterstützung. Denn in Ihrem verlinkten Wikipedia-Text steht u. a. auch noch das: „ In Deutschland veröffentlicht Küntzel vor allem in den Medien Der Tagesspiegel, Spiegel Online, Internationale Politik und Jungle World. Seine Texte werden international von Wissenschaftlern und Autoren wie Henryk M. Broder, Jeffrey Herf, Robert Wistrich, Walter Laqueur, Bassam Tibi und Pierre-André Taguieff rezipiert und gelobt.“ Und: „Im Deutschlandfunk bezeichnete Ralph Gerstenberg Küntzels Buch „Die Deutschen und der Iran. Geschichte und Gegenwart einer verhängnisvollen Freundschaft“ als „lesenswert und erhellend“. Es sei „aufregend und spannend von der ersten bis zur letzten Seite“, betonte Henryk M. Broder in der Weltwoche. Seine Faktenfülle werde „jeden interessierten Leser nicht nur beeindrucken, sondern auch beunruhigen“, betont das Handelsblatt, während Wolfgang G. Schwanitz das Buch in der Süddeutschen Zeitung als „spannungsreich“ und „aufwühlend“ lobt.“

Übrigens: Der iranische Sender IRIB widerspricht Frau Amirpurs Darstellung, nach der Ahmadinejad nichts davon gesagt haben soll, Israel von der Landkarte wischen zu wollen. Offenbar hat er es doch gesagt. Siehe hier: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/und_er_war_es_doch/

Hier noch ein interessanter Hinweis, nach dem der Iran selbst bestätigt, genug nuklearen Brennstoff zu haben, um mindestens eine Atombombe zu bauen:
"Mousavian, der verlängerte Arm des iranischen Revolutionsführers, sagt es im westlichen Ton und nicht in Form von orientalischen Beschimpfungen, wie wir es von Mahmoud Ahmadinejad und Ayatollah Ali Khamenei und anderen iranischen Politikern gewöhnt sind. Mit scheinbar rationalen Argumenten wiederholt Mousavian, das, was wir von den Hasspredigten der Freitagsgebete kennen. Mousavian spricht Machtworte aus: Sanktionen, verdeckte Aktionen und militärische Schläge werden Irans Atomprogramm nicht stoppen. Denn der Iran habe die „break out capability“ schon vor 10 Jahren erreicht. D.h. der Iran hatte schon im Jahre 2002 genug nuklearen Brennstoff, um mindestens eine Atombombe zu bauen."
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/5_nach_121/

Darüber hinaus der Hinweis, dass Indien meines Wissens noch immer nicht den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat. Dabei besitzt es doch ein Atom-U-Boot und hat nun auch Raketen, die nukleare Sprengköpfe in sämtliche Krisenregionen Asiens schießen könnten….

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Oliver Rosenstock

Registriert seit: 01.11.2009

Kommentare: 1763

21. April 2012 - 12:45 Uhr

Frau Lauser,

auch wenn ich nicht Hr. Künzels Meinung sein sollte, so droht ihm bei mir weder Einreiseverbot [1], Abschiebe- [2] oder Verwaltungshaft [3] und ich habe auch nicht vor Ihm einen Gewehrkolben ins Gesicht zu hauen [4].

Dass ich die Israel-Iran-Diskussion momentan nicht aufwärmen möchte dürfte ich zur Genüge betont haben; finden Sie sich doch bitte einfach damit ab.
__

[1] http://goo.gl/uK9G4
[2] http://goo.gl/nQSVr
[3] http://goo.gl/GP72O
[4] http://goo.gl/z9Ttm

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Michael Krenn

Registriert seit: 17.07.2011

Kommentare: 219

21. April 2012 - 13:48 Uhr

Offenbar hat sich Hr. Dr. Fleischer vom provokanten Titel des Broder-Buches blenden lassen und nicht begriffen, worum es Broder wirklich geht: Verantwortung in der heutigen Welt übernehmen und nicht das das blosse Abspulen von Erinnerungsritualen.
Für mich heisst Verantwortung übernehmen und Lehren aus Auschwitz ziehen z.B. genau das, was Grass und andere deutsche Pazifisten (ohne SS Vergangenheit) aus meiner Sicht scheinheilig kritisieren: die Lieferung von U-Booten an Israel als (Über-)Lebensversicherung für den jüdischen Staat und dessen multikultureller Bevölkerung.

Am Rande: Mich beeindruckt, wie gelassen und reich an Faktenkenntnis Frau Lauser den versammelten Israelbashern entgegentritt. Ignoranz und Böswilligkeit werden zwar wohl nie versiegen. Dies ist dennoch kein Grund sich damit abzufinden.

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

21. April 2012 - 15:27 Uhr

@Oliver Rosenstock: Sie sind ja auch kein Staat, Herr Rosenstock.
Aber schauen Sie sich mal an, was im deutschen Staat so alles passiert:
1. Einreiseverbote für Deutschland: „Zahl der von den deutschen Auslandsvertretungen schriftlich abgelehnten Visumanträge im Jahr 2011: 143.984 (im Jahr 2010: 155.280)“ (http://www.auswaertiges-amt.de/DE/EinreiseUndAufenthalt/Visabestimmungen_node.html)
2. Abschiebehaft in Deutschland: „Die UN-Arbeitsgruppe zu willkürlicher Inhaftierung hat Deutschland dafür kritisiert, ausreisepflichtige Ausländer zu leichtfertig in Abschiebehaft zu nehmen sowie in Asylschnellverfahren an Flughäfen rechtsstaatliche Standards zu verletzen. In seinem Bericht, der am Dienstag im Menschenrechtsrat in Genf diskutiert wird, bemängelt das Gremium von drei Experten insbesondere die Unverhältnismäßigkeit der Abschiebehaft wegen illegaler Einreise.“ (http://www.rp-online.de/politik/ausland/un-ruegt-deutschland-fuer-abschiebehaft-1.2743485)
3. Verwaltungshaft in Deutschland („Abschiebehaft ist eine reine Verwaltungshaft im Gegensatz zur Strafhaft“ - http://www.materialien.org/texte/papers/PolizeigewaltMigrationskontrolle.pdf): „Wenn Flüchtlinge oder Migrantinnen und Migranten ausreisepflichtig sind, abgeschoben werden sollen und ihnen unterstellt werden kann, dass sie sich ihrer Abschiebung entziehen könnten, können sie in Abschiebungshaft genommen werden (§62 Aufenthaltsgesetz). Die Betroffenen werden oft monatelang eingesperrt, maximal sogar 1 ½ Jahre lang, obwohl sie sich nichts zu Schulden kommen lassen haben. Sie haben in Haft oft nur zwei Stunden Hofgang, dürfen kaum Besuch empfangen, haben einen sehr eingeschränkten Zugang zu Telefonen und müssen teilweise sogar Gefangenenkleidung tragen. Das alles, obwohl Abschiebungshaft keine Strafe ist.“ (http://www.proasyl.de/index.php?id=abschiebungshaft)
4. (Polizei-) Gewalt in Deutschalnd: „Prügel, Schikane, Willkür: Amnesty International dokumentiert Fälle von Polizeigewalt in Deutschland – einige davon mit tödlichem Ausgang.“ (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-07/polizei-gewalt-amnesty)

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Andrea Lauser

Registriert seit: 31.05.2010

Kommentare: 1219

21. April 2012 - 15:29 Uhr

@Michael Krenn: Danke, Herr Krenn! :-) - Übrigens, ich bin ganz Ihrer Meinung, wenn Sie sagen: „Offenbar hat sich Hr. Dr. Fleischer vom provokanten Titel des Broder-Buches blenden lassen und nicht begriffen, worum es Broder wirklich geht: Verantwortung in der heutigen Welt übernehmen und nicht das das blosse Abspulen von Erinnerungsritualen.“

Verstoß gegen Netiquette melden

 

Ekkehard Senn

Registriert seit: 12.09.2010

Kommentare: 128

21. April 2012 - 23:20 Uhr

Wer im öffentlich-rechtlichen TV sich das geistige Vergnügen bereitet hat, die Sendung "entweder Broder" (mittlerweile als Buch) anzusehen, kommt zum völlig gegenteiligen Schluss als Herr Dr.Fleischer. Nirgendwo wurde das antisemitische Geschwurbel in D. besser entlarvt als dort.

Verstoß gegen Netiquette melden