Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. April 2012

Henryk M. Broder und das Gedenken an die Naziopfer

Eine schlimme Verhöhnung, die an Zynismus nicht zu überbieten ist

Zu: "Störfaktor im Wellness-Land", Beitrag von Alexander Dick (Kultur, 3. April):


Henryk M.
Broders Versuch, das Gedenken an die ermordeten Naziopfer mit den Begriffen "Erinnerungswahn" und "deutscher Sündenstolz" zu diskreditieren, ist eine schlimme Verhöhnung jener und aller ihr Gedenkenden und somit an abstoßendem Zynismus nicht mehr zu überbieten. Indem er das Erinnerungsritual mit dem Blick auf die Gegenwart ausspielt, anstatt beide als Notwendigkeiten miteinander zu verbinden, erweist er sich eben doch gerade entgegen Alexander Dicks fataler Deutung als künstlich herausfordernder Provokateur.

Als solcher offenbart er eine nicht minder gemeingefährliche Schlussstrich-Mentalität, wie sie auch schon Martin Walser mit der unsäglichen Formulierung der "Moralkeule" Auschwitz zutage treten ließ. Hieran könnte sich Broder bei der Wahl seines frevlerischen Buchtitels "Vergesst Auschwitz!" erinnert haben, mit dem er sich einmal mehr des ihm aus völlig unbegreiflichen Gründen verliehenen Ludwig-Börne-Preises unwürdig erweist. Mit seiner Aufkündigung historischer Verantwortung, die Broder gerne mit dem feig-gehässigen Wort "Gutmenschentum" abtut, steht er meilenweit entfernt von jenem moralistischen Freiheitsgeist, den Börne als namhafter jüdischer Autor des Vormärz vertrat.

Werbung


Autor: Dr. Leonhard Fleischer, Gundelfingen