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05. Dezember 2008
Eine Stadt wird urwaldfreundlich
Greenpeace treibt ein entsprechendes Abkommen voran.
Wenn es nach den Vorstellungen von Greenpeace geht, wird Freiburg nächstes Jahr die "erste urwaldfreundliche Stadt Deutschlands". Bis dahin werden zwar in den Tropenwäldern noch Tausende von Bäumen illegal gefällt und hierzulande als Türen, Fensterrahmen oder Parkett in den Handel gebracht. Doch immerhin gibt es in der Stadt mittlerweile schon die ersten Holz-Geschäfte und -Händler, die das "Freiburger Abkommen zum Schutz der Urwälder" unterzeichnet haben.
Mit ihrer Unterschrift verpflichten sie sich, "auf Handel und Verkauf von Hölzern aus Urwaldzerstörung zu verzichten". Sie erklären sich bereit, bei Hölzern aus Urwaldregionen darauf zu achten, "dass nur Zertifikate verwendet werden, die strenge ökologische und soziale Standards erfüllen". Und nicht zuletzt sagen sie zu, auch schon vor am 22. Mai 2009, an dem das Abkommen in Kraft treten soll, "die Kunden über die ökologischen Alternativen zu unzertifizierten Hölzern zu informieren". Hintergrund des Freiburger Abkommens ist die Erkenntnis, dass die letzten Urwälder der Erde eine wesentliche Bedeutung für das Weltklima und die Artenvielfalt haben. Das Abkommen soll deshalb dazu beitragen, "diese Schatzkammern auch noch für künftige Generationen zu bewahren und den dort lebenden indigenen Völkern ihren Lebensraum zu erhalten". Jetzt sei es jedenfalls an der Zeit, endlich zu handeln, meint Professor Dietrich Burger. Im Waldhaus beim zweiten Runden Tisch (der übrigens nicht aus Holz war) für ein Freiburger Urwaldschutz-Abkommen machte der Forstwissenschaftler eindringlich klar: Bloße Willensbekundungen genügten nicht mehr, wenn die Tropenwälder dennoch immer weiter abgeholzt werden, um Weiden fürs Vieh oder Äcker für den Soja-Anbau zu schaffen. Dieser Raubbau erweise sich indes nur kurzfristig als Profit bringend, langfristig schade er dem Weltklima insgesamt ebenso wie vielen einzelnen Menschen. Deshalb setzt Dietrich Burger auf die Kundinnen und Kunden: "Wer mit Urwaldholz handelt, nimmt Einfluss auf Urwälder, die Lebensbedingungen und die Politik in den Herkunftsländern – und Konsumenten haben den Hebel in der Hand, Veränderungen zu erreichen."Werbung
Indem sie etwa, wenn überhaupt, Tropenholz nur dann kaufen, wenn es das FSC-Siegel trägt (FSC ist die Abkürzung von Forest Stewardship Council). Es bescheinigt die Umsetzung von hohen ökologischen und sozialen Standards bei der Waldbewirtschaftung (der Freiburger Stadtwald ist zum Beispiel ein FSC-Wald). Und mit diesem Siegel, sagt FSC-Mann Valentin Legner, sei es angesichts des wachsenden Wissens um die lebensnotwendige Erhaltung der Urwälder Firmen sogar möglich, ihren Umsatz um durchschnittlich zwölf Prozent zu steigern. Das erhoffen sich auch die Erstunterzeichner des Freiburger Abkommens wie Bierer Biologische Baustoffe, ZG Raiffeisen e G, Roller , Lignum oder ZBÖ in Staufen. Zehn weitere, darunter auch Götz und Moriz, haben Greenpeace mündlich oder schriftlich zugesagt, die Verpflichtung zu unterschreiben. Zum Runden Tisch eingeladen hatten die Mitwelt- und Menschenschützer gut 40 Holz-Händler und -Geschäfte. Sie alle haben nun bis zum 22. Mai 2009, dem internationalen Tag der Artenvielfalt, noch die Chance, sich ebenfalls zu erklären. Und mit ihrer Unterschrift dazu beizutragen, dem Ziel näherzukommen: "Dieses Abkommen stellt einen Meilenstein für den Schutz von Urwäldern, Artenvielfalt, Klima und Menschenrechten dar und erhebt Freiburg damit zur ersten urwaldfreundlichen Stadt Deutschlands."
Autor: Gerhard M. Kirk
