Freiburg

Eine Zentrale für 450 Notrufe am Tag: Das neue Führungszentrum der Polizei

Thomas Goebel

Von Thomas Goebel

Di, 13. März 2018 um 08:46 Uhr

Freiburg

Das neue Führungs- und Lagezentrum im Polizeipräsidium Freiburg ist übergeben worden. Dort gehen täglich 450 Notrufe von Emmendingen bis Waldshut ein. Erste Erfahrungen zeigen: Es funktioniert.

Wer die 110 wählt, landet hier: im neuen Führungs-und Lagezentrum der Freiburger Polizei. Es ist zuständig für gut eine Million Menschen in vier Landkreisen und der Stadt Freiburg. 450 Notrufe gehen im Schnitt täglich bei den Beamten ein, bei sogenannten Großlagen wie Geiselnahmen arbeitet hier der Führungsstab. Am Montag übergab Finanzministerin Edith Sitzmann das Zentrum.

50 Kilometer Kabel in der Decke und im Boden

Rund 3,1 Millionen Euro habe das Land in den Umbau des ehemaligen Festsaals im vierten Stock des Polizeipräsidiums an der Bissierstraße investiert, sagte Sitzmann. Der Raum wurde unterteilt in einen Bereich für Lagebesprechungen mit etwa 50 Plätzen samt Monitoren und die neue Notrufzentrale. Insbesondere technisch sei der Bau aufwändig gewesen, sagte Sitzmann: "In Decke und Boden liegen allein 50 Kilometer Kabel."
"Das war eine Operation am offenen Herzen und der Patient musste alles in wachem Zustand erleben."Karl-Heinz Bühler
Hintergrund ist die umstrittene Strukturreform der Polizei in Baden-Württemberg von 2014. Seitdem ist das Polizeipräsidium Freiburg zuständig für die Stadt selbst sowie die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, Lörrach und Waldshut. "Vor der Reform hätten wir uns nicht zugetraut, dass ein Notruf zum Beispiel aus Wutöschingen in Freiburg eingeht und der Streifenwagen trotzdem zeitnah beim Bürger ist", sagte Polizeipräsident Bernhard Rotzinger. Heute könne er sagen, die neue Struktur funktioniere sehr gut. Das liege auch an der aufwändigen technischen Unterstützung, auf die die Polizisten in der Notrufzentrale zurückgreifen können. Ein bisschen wie ein offen gestaltetes Callcenter sieht der Raum aus: Vier Monitore stehen an jedem Arbeitsplatz, sie zeigen Anrufe, Einsätze, Stadtpläne.

Der Umbau ging bei laufendem Betrieb über die Bühne

"Besonders wichtig ist das Kartenmaterial", erklärte Zentrumsleiter Achim Zitzer. Es helfe den Beamten, genaue Standorte zu ermitteln: "Wir haben zum Beispiel in unserem Gebiet über 100 Hauptstraßen …" Hinzu kommt eine Übersicht aller Streifenwagen, die mit GPS und Digitalfunk ausgerüstet sind. Die Polizisten in der Zentrale können so sehen, wer wohin wie lange braucht, und die Kollegen zum Einsatz schicken. Weitere Infos sind hinterlegt, so Zitzer, etwa Ansprechpartner und Pläne von öffentlichen Gebäuden und das Melderegister.

Der Umbau bei laufendem Betrieb sei belastend für die Polizei gewesen, sagte Karl-Heinz Bühler vom Landesamt Vermögen und Bau: "Das war eine Operation am offenen Herzen und der Patient musste alles in wachem Zustand erleben." Seit Sommer wird in dem neuen Zentrum gearbeitet, übergeben wurde es aus Termingründen erst jetzt. Sowohl Innen-Staatssekretär Martin Jäger als auch Edith Sitzmann bekräftigten, das Land wolle die Polizei weiter stärken. Das neue Führungs- und Leitungszentrum sei ein wichtiger Schritt dazu, so Jäger: "Es ist das Herzstück der Polizeiarbeit."

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