Atomkraft

Einer von zwei Blöcken im Akw Gundremmingen abgeschaltet

Hanna Gersmann

Von Hanna Gersmann

Mo, 01. Januar 2018 um 22:00 Uhr

Wirtschaft

Der Atomausstieg macht einen weiteren Schritt: In Gundremmingen geht Block B vom Netz. Das letzte Doppel-Atomkraftwerk Deutschlands ist damit Geschichte – liefert bis 2021 aber noch Strom.

BERLIN. An Silvester ist Block B des Atomkraftwerks Gundremmingen endgültig abgeschaltet worden – nach gut 33 Jahren. Der Abriss wird eine "riesige Aufgabe", sagt SPD-Umweltstaatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter. Spätestens in vier Jahren muss auch Block C vom Netz. Gundremmingen hat beim Atomausstieg in Deutschland eine besondere Bedeutung: Es war Deutschlands erstes Groß-Kraftwerk. Mit seinen Blöcken B und C, die jeweils eine Leistung von 1344 Megawatt haben, galt es als das leistungsstärkste in Deutschland.

Die beiden Reaktoren im Landkreis Günzburg konnten zusammen etwa ein Viertel des bayerischen Stromverbrauchs erzeugen. Gemeinde und Mitarbeiter müssten sich auf eine "neue Situation einstellen", so die Waldshuter Bundestagsabgeordnete Schwarzelühr-Sutter. Doch sie sei "froh, dass wir der Energiewende damit wieder ein Stück näher kommen." Die beiden Meiler gehören zu 75 Prozent RWE und zu 25 Prozent Preussen-Elektra, dem Nachfolge-Unternehmen der Kraftwerksparte von Eon. Der Gemeinde spülten die Konzerne bisher jedes Jahr Gewerbesteuer-Millionen in die Kasse. Zu Beginn vergangenen Jahres arbeiteten noch 611 Leute im Akw, jetzt sind es 560. Der Betreiber versichert, "sozialverträglich" vorzugehen, indem beispielsweise Stellen von Mitarbeitern, die in Rente gehen, nicht nachbesetzt wurden.

Die Arbeit gehe allerdings nicht aus, meint Schwarzelühr-Sutter. Im Gegenteil: Für Stilllegung und Rückbau seien mindestens 20 Jahre veranschlagt.

Gundremmingen mit knapp 1500 Einwohnern an der Donau, nicht weit von Ulm entfernt, hat schon seit Mitte der 60er Jahre mit Atomkraft zu tun. Damals begann es mit dem Block A. Er sorgte für besonderes Aufsehen, als sich dort der erste tödliche Unfall in einem deutschen Akw ereignete. Zwei Schlosser kamen beim Austausch eines Ventils ums Leben, heißer Dampf verbrühte sie. Bayerns damaliger Umweltminister Max Streibl sagte nach dem Unfall, auch "in jedem normalen Kraftwerk" könne es zu solch "traurigem Unglücksfall" kommen. Ja, sogar in einer Tierkörperverwertungsanstalt, "wo auch unsachgemäß repariert worden ist", habe sich schon "ein ähnlicher Unfall" ereignet. 1977 kam das Ende von Block A. Es war feucht und kalt, als an zwei Strom abführenden Hochspannungsleitungen Kurzschlüsse auftraten. Die Schnellabschaltung wurde eingeleitet. Doch wegen einer Fehlsteuerung stand nach zirka zehn Minuten das Reaktorgebäude voll mit radioaktivem Wasser. Block A wird seit 1983 zurückgebaut, 1984 gingen die Blöcke B und C ans Netz.

Seit Sonntag ist Block B vom Netz. Mit der Demontage soll in diesem Jahr begonnen werden. Zunächst werden voraussichtlich über fünf Jahre hinweg die 784 Brennelemente – jedes enthält 174 Kilo Uran – entfernt, gekühlt und verpackt. Wo das radioaktive Material endgültig gelagert wird, ist noch offen. Jetzt laufen noch sieben Atomreaktoren in Deutschland. Als nächstes geht Ende 2019 das Akw Philippsburg 2 vom Netz. Mit Neckarwestheim 2, Isar II und Emsland werden Ende 2022 die letzten abgeschaltet.