Eingetaucht in die Welt vor 100 Jahren

Christiane Sahli

Von Christiane Sahli

Mi, 22. August 2018

Todtmoos

40 Darsteller proben seit Mai 2017 das Theaterstück "Zeit ohne Stunden", das fürs Todtmooser Jubiläumsjahr geschrieben wurde.

TODTMOOS. Ein Doppelmord auf der Theaterbühne – mit Hochdruck bereiten sich die Akteure des Jubiläumstheaters unter Anleitung von Regisseurin Marianne Höldin auf die Aufführungen im September vor. Dem Stück "Zeit ohne Stunden", das Erika Buhr eigens für das Jubiläumsjahr verfasst hat, liegt eine wahre Begebenheit aus dem Jahr 1920 zugrunde.

Prestenberg im Jahr 1920: Innerhalb kurzer Zeit werden Albertine, Schwester des wohlhabenden Löffelmachers Johann Simon, und kurze Zeit später auch Johann selbst in ihrem Haus ermordet. Ein Ereignis, das die Dorfgemeinschaft belastet, denn bis der Täter entlarvt wird, misstraut jeder jedem. Zeit ohne Stunden – mit dem Titel ihres Stückes beschreibt Erika Buhr die Situation von Johann, nachdem er vom Tod seiner Schwester erfahren hat, für ihn ist die Zeit aufgelöst, hat keine Bedeutung mehr.

Zeit ohne Stunden – das gilt aber nicht für die 40 Darsteller und Regisseurin Marianne Höldin, denn die Aufführungen rücken unaufhaltsam näher. Seit Anfang des vergangenen Jahres bereiten sich die Akteure, unter ihnen fünf Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren, auf die Aufführungen vor. Die meisten Darsteller stammen aus Todtmoos, aber auch Theaterbegeisterte aus Ibach, Mutterslehen und Segeten (Görwihl) konnte für das Projekt gewonnen werden. Zu den Darstellern gehört auch Anni Haselwander aus Hintertodtmoos.

Sie mache zum einen mit, weil sie Spaß an der Schauspielerei habe, zum anderen, um das, wie sie sagte, tolle Projekt zu unterstützen. Zu ihrer Rolle hat sie eine ganz besondere Beziehung, denn die Anna Mutter, die sie auf der Bühne verkörpert, war die Schwester ihres Großvaters. Einige der Darsteller verfügen bereits über Erfahrungen auf der Bühne, für andere ist die Schauspielerei Neuland. "Toll, wie sich alle darauf eingelassen haben", lobte Regisseurin Höldin ihre Truppe. Mit von der Partie sind auch Bürgermeisterin Janette Fuchs, die ein Lichtwesen verkörpert und Pater David, der Johann beerdigen wird.

Bevor es aber auf die Bühne ging, galt es, sich in die Zeit des Geschehens einzufinden und ein Gespür für die rund 100 Jahre zurückliegenden Gegebenheiten zu entwickeln. Filme halfen dabei. Es schlossen sich Leseproben und erste Proben, zunächst in der Schule, an. Seit Mai 2017 probt man in der Wehratalhalle, zunächst noch einmal wöchentlich, so kurz vor der Premiere stehen auch Wochenendproben an. Neben den Darsteller tragen zahlreiche weitere Personen zum Gelingen der Aufführung bei. Die Beerdigung des Johann werden Jubiläumsmännerchor und Mitglieder der Trachtenkapelle musikalisch gestalten. Für die Kulisse zeichnet Schreinermeister Frieder Maier, unterstützt von weiteren Schreinern aus dem Ort, verantwortlich, die künstlerische Gestaltung der Kulissen haben Ernst Baumgartner und Jaqueline Dietzig übernommen. Als Maskenbildnerin wird Tatjana Hofschroer tätig. Der Großteil der Kostüme stammt aus dem Fundus des Theatervereins Zeitschleuse in Ühlingen-Birkendorf, aber auch der Todtmooser Förderverein Heimatmuseum und Geschichte hat Kostüme zur Verfügung gestellt. Nur wenige Kleidungsstücke mussten erworben werden. Die Ton- und Lichttechnik wurde einem professionellen Unternehmen übertragen. Auch wenn die Proben gut vorangingen, stand im Juni dieses Jahres das Projekt auf der Kippe. Denn einer der Hauptdarsteller hatte sich aus dem Ensemble verabschiedet, ein weiterer war erkrankt, Ersatz war einige Wochen lang nicht in Sicht. Aber letztendlich ging doch alles gut aus, der erkrankte Darsteller ist wieder mit von der Partie und es fand sich, mehr durch Zufall, kurzfristig ein Ersatzmann. Bis zur Premiere am 14. September stehen noch zahlreiche Proben an und Marianne Höldin ist überzeugt, dass die Aufführungen ein Ereignis im Jubiläumsjahr sein werden, das lange in Erinnerung bleibt.

Die Aufführungen finden am Freitag,
14. September, Samstag, 15. September, Samstag, 22. September, jeweils ab 19 Uhr und am Sonntag, 23. September, ab 15 Uhr im Kurhaus Wehratal statt.