Einigen Arten geht es besser

dpa

Von dpa

Do, 15. November 2018

Panorama

Es gibt wieder mehr Berggorillas und Finnwale / Weltnaturschutzunion präsentiert Rote Liste.

GLAND (dpa). Die Bestände der Berggorillas und der Finnwale haben sich dank umfassender und langfristiger Schutzmaßnahmen erholt. Die Zahl der Finnwale habe sich seit den 1970ern auf rund 100 000 Exemplare ungefähr verdoppelt, teilte die Weltnaturschutzunion (IUCN) bei der Präsentation ihrer aktuellen Roten Liste mit. Immer mehr andere Arten allerdings sind bedroht.

Die Experten warnten vor der Überfischung. So seien 13 Prozent der Zackenbarsch-Arten weltweit und neun Prozent der rund 450 Fischarten im ostafrikanischen Malawisee vom Aussterben bedroht. "Der Artenrückgang beeinflusst den Preis von Fisch weltweit erheblich und reduziert die Lebensmittelsicherheit für Millionen Menschen", sagte die IUCN-Expertin Yvonne Sadovy.

Von der Weltnaturschutzunion werden für die Rote Liste derzeit 97 000 Pflanzen- und Tierarten, von insgesamt etwa 1,7 Millionen bisher beschriebener Arten, unter die Lupe genommen. Fast 27 000 von ihnen gelten als bedroht. Das sind 10 000 mehr als noch vor rund zehn Jahren. Vergangenes Jahr waren noch 25 000 Arten gefährdet. Die Experten hatten 91 500 Arten unter die Lupe genommen.

Walfangverbot zeigt Wirkung

Die Finnwale gelten nicht mehr als "stark gefährdet", sondern werden sind nun als "gefährdet" aufgeführt. Auch die Situation der Grauwale, die als "vom Aussterben bedroht" galten, habe sich verbessert. "Die Bestände dieser Wale erholen sich dank der Verbote des kommerziellen Walfangs, internationalen Vereinbarungen und weiteren Sicherungsmaßnahmen", sagte Randall Reeves von IUCN am Mittwoch im schweizerischen Gland.

Gute Nachrichten gab es auch zur Situation der Berggorillas. Nicht zuletzt durch Maßnahmen gegen Wilderer in ihrem Lebensraum hat sich ihr Bestand demnach deutlich vergrößert. Laut IUCN ist die Zahl der Tiere in den vergangenen zehn Jahren von etwa 680 auf mehr als 1000 gestiegen. Die Berggorillas leben in geschützten Gebieten in Ruanda, Uganda und in der Demokratischen Republik Kongo. Sie werden nun als "stark gefährdet" und nicht mehr als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Mit Blick auf die neue Einstufung machte die IUCN aber trotz der Erfolge deutlich, dass die Schutzmaßnahmen weiter fortgeführt werden müssten. Unter anderem müsse die Zahl der Touristen reduziert und ein enger Kontakt von Menschen zu den Gorillas vermieden werden.

"Einzelne Erfolge beim Artenschutz dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns in einem dauerhaften, ökologischen Ausnahmezustand befinden. Die weltweite biologische Vielfalt ist durch den Menschen in einem ständigen Krisenmodus gefangen", erklärte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF (World Wide Fund For Nature) Deutschland. Die positiven Beispiele zeigten aber auch, dass Naturschutz erfolgreich sein könne, wenn entschlossen gehandelt werde. Vor zwei Wochen hatte der WWF seinen "Living Planet Report" vorgestellt. Laut des Berichts ist der Bestand an Tieren von 1970 bis 2014 um 60 Prozent zurückgegangen. Der WWF sieht den ökologischen Gesundheitszustand auf einem Tiefpunkt.

Eine bedenkliche Entwicklung sehen die IUCN-Experten bei einigen Holzarten. Die vermehrte Nachfrage in China nach Bau- und Möbelholz führe zu Raubbau in Afrika. Inzwischen stünden auch alle Arten des Adlerholzbaumes auf der Roten Liste. Bestandteile des Baumes würden in der Parfüm- und Duftindustrie gebraucht, was das Holz zu einem der teuersten der Welt mache.

Für die internationale Rote Liste schätzen Experten seit 1963 die Gefährdung einzelner Tier- und Pflanzenarten ein. Sie ermitteln dabei regelmäßig die Wahrscheinlichkeit für ein Aussterben der jeweiligen Art. Die untersuchten Spezies sortieren die Naturschützer in die Kategorien von "nicht gefährdet" bis "ausgestorben" ein.