Ausschreitungen

Eintracht Frankfurt droht möglicherweise ein Geisterspiel

Frank Hellmann

Von Frank Hellmann

Fr, 14. Dezember 2018 um 20:30 Uhr

Fussball International

Das Verhalten der Frankfurter Fans trübt den Siegeszug in der Europa League des Bundesligisten erheblich. Sie zünden Pyrotechnik, Böller und attackieren italienische Sicherheitsbeamten.

FRANKFURT. Es soll nicht wenige in Frankfurt geben, die haben für eine Februar-Reise ins belgische Brügge bereits genauso einen Plan wie für einen Abenteuertrip ins weißrussische Borissow. Dasselbe soll für die tschechischen Varianten Prag und Pilsen, die attraktiven Anlaufpunkte Lissabon oder Wien gelten. Alles sind mögliche Ziele, wenn am kommenden Montag in der Uefa-Zentrale die K.o.-Phase der Europa League ausgelost wird, wo Eintracht Frankfurt nach seinem einmaligen Siegeszug in der Gruppenphase – erstmals gelang einer deutschen Mannschaft sechs Siege in sechs Spielen – im ersten Lostopf liegt. Vielleicht aber erledigen sich auch alle Planspiele. Wenn die Uefa auf Ausschreitungen einer Anhängerschaft nicht das erste Mal mit drakonischen Strafen reagieren würde.

Randalierende Fans von Eintracht Frankfurt haben beim 2:1-Auswärtssieg bei Lazio Rom einen langen Schatten auf die bislang von so viel Begeisterung geprägte Europapokaltournee gelegt. Die Verwendung von Pyrotechnik inklusive des Zündens von Böllern wäre ja schon Ärgernis genug, doch zusätzlich gab es Attacken mit Rauchbomben und Knallkörper auf italienische Sicherheitskräfte, die wiederum deutlich weniger rücksichtsvoll als in deutschen Stadien mit Fußballfans umgehen. Zudem wurden in der Innenstadt verschiedene Plätze beschmutzt. Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi sprach von "Bestien", die besser zu Hause geblieben werden.

"Eine kleine Gruppe hat das Spiel missbraucht, um ihre private Auseinandersetzung mit Lazio Rom zu führen", stellte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann fest, der für Fanangelegenheiten zuständig ist. "Diese kleine Gruppe nimmt alle anderen Fans in Sippenhaft, was die Wahrnehmung und Stimmung betrifft. Das schadet Eintracht Frankfurt. Das betrübt mich sehr, das macht mich traurig." Der 47-Jährige machte in dieser schwarzen Nacht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl.

Wochenlang hatte der Jurist in zähen Verhandlungen mit den italienischen Behörden darum gekämpft, das Kartenkontingent für das letzte bedeutungslose Gruppenspiel zu erhöhen. Anfangs sollten die Eintracht nur 5800 Tickets bekommen, obwohl dem Klub binnen 24 Stunden 17 000 Anmeldungen vorlagen. Letztlich willigte der Gegner ein, 8500 Gästefans zuzulassen. Doch nicht alle wussten sich zu benehmen. Die Vorfälle setzen den ganzen Verein unter Spannung. Der Dialog zwischen Klubführung und Ultraszene war zuletzt von gegenseitigem Verständnis geprägt.

Die Vorfälle in Rom werden ein juristisches Nachspiel haben: Es gibt Videosequenzen, die erinnern eher an eine Straßenschlacht als an Fußballspiel. Nach Angaben der römischen Polizei wurden "um die 15 Personen" festgenommen. Nun könnte Frankfurt im schlimmsten Fall ein Geisterspiel zum Europa-League-Auftakt in Marseille treffen. Und auch schon eine Beschränkung des Gästekontingents im Sechzehntelfinale am 21. Februar 2019 wäre bitter. Weil es die Mehrzahl derjenigen trifft, die in friedlicher Absicht ihre Europapokalreisen planen.