Abspecken ist angesagt

Gert Brichta

Von Gert Brichta

Sa, 21. Juli 2018

Eisenbach (Hochschw.)

Um die Pläne für das Seniorenwohnen in Eisenbach zu realisieren, soll gespart werden.

EISENBACH. Seit Jahren beschäftigt sich die Gemeinde mit dem Thema, in der Ortsmitte ein seniorengerechtes Wohnangebot zu schaffen. In jüngster Zeit jedoch war es ruhig um das Projekt geworden. In der Gemeinderatssitzung am Donnerstag nun war es wieder Thema. Das Ergebnis: Die Pläne sollen abgespeckt werden, um sie doch noch realisieren zu können.

Was war

Mit der Caritas und der Katholischen Hochschule Freiburg konnten Institutionen mit einem großen Erfahrungsschatz für die wissenschaftliche Begleitung des Großprojekts gewonnen werden. Eine Kommission wurde gegründet, der neben den beiden auch der Vertreter des Gemeinderats und drei Bürger angehörten. Im Dezember 2015 endete der Gestaltungswettbewerb, den die Architekten Herlitzius & Hahlbrock aus Kirchzarten gewannen. Ihr Entwurf fand Gefallen bei Bürgern und Gemeinderat. Kosten: zwischen acht und neun Millionen Euro. Die Kommunalaufsicht schob 2016 einen Riegel vor. Die Verschuldung sei für Eisenbach nicht zu stemmen. Zudem, so hieß es weiter, sei der Bau einer derartigen Einrichtung nicht originäre Aufgabe der Gemeinde. Es schien, als sei das Vorhaben gescheitert, denn auch die Suche nach Investoren blieb erfolglos. Im vergangenen Sommer präsentierte die Verwaltung die Idee, eine Bürgergenossenschaft zu bilden, die für einen Teil der Kosten aufkommen solle. Die Gemeinde sollte als Trägerin des Vorhabens fungieren. Danach wurde es ruhig ums Großprojekt seniorengerechtes Wohnen.

Was ist

Doch nun gab es eine Neuauflage der Beratungen in der jüngsten Gemeinderatssitzung. "Es ist noch alles im Fluss und das Vorhaben ist noch nicht beerdigt", sagte Bürgermeister Alexander Kuckes als großer Verfechter des Projekts. Er verwies auf die Anstrengungen der Gemeinde, Bauflächen für private und gewerbliche Bauherren zu schaffen und in Kinderhaus und Schule zu investieren – "es muss auch was für Senioren getan werden." Doch seine Ausführungen endeten mit der zentralen Frage: "Haben wir uns verrannt?" Klar sei, dass Abstriche gemacht werden müssten.

Roland Kielow von der Certus GmbH in Kirchzarten vertrat die Auffassung, dass es schwierig sei, Kapitalanleger für ein Vorhaben in dieser Größenordnung zu finden und auch der Mietpreis für die Wohnungen sei eine Hemmschwelle. Die Gemeinde müsse weg von den hohen Baukosten, weshalb er dafür plädierte, eines der insgesamt drei geplanten Objektgebäude ganz zu streichen und auch die geplante Tiefgarage zur Diskussion zu stellen. Vertreten in der Sitzung waren auch Dirk Herlitzius und Tobias Hahlbrock, die den Siegerentwurf aus dem Architektenwettbewerb erstellten. Herlitzius entgegnete, dass am System der Pflegeeinrichtung samt seniorengerechten Wohnungen festgehalten werden solle. Doch es müsse kaufmännisch kalkuliert werden. Er könne sich vorstellen, das Hauptgebäude, in welchem die Tagespflege sowie die Wohnungen untergebracht werden sollten, zu modifizieren. Was den Wegfall des dritten Gebäudetraktes betrifft, so könnte das dort geplante Tagescafé und der Veranstaltungsraum in einem anderen Gebäude untergebracht werden. Auch was die Tiefgarage betrifft, sprach der Architekt von Einsparungen. Die Tiefgarage sei zu großzügig dimensioniert. Die Anzahl der Wohnungen sollten seiner Auffassung erhöht werden, dies lasse sich durch Änderungen der Planung durchaus umsetzen.

Gemeinderat Karl Duttlinger war sich nicht sicher, ob überhaupt eine Lösung für das Vorhaben gefunden werden könne. Mehr Wohnraum zu schaffen, um die Wirtschaftlichkeit zu sichern, sei zwar einleuchtend, doch müsse auch die Attraktivität der Einrichtung gewährleistet sein. Die Aussprache der Räte verfolgte das Ziel, die Kosten zu minimieren, um das Vorhaben irgendwann doch realisieren zu können. Es soll demnach alles neu aufgerollt werden.