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17. März 2011
Ein Gefühl für den Körper
Der Schauspieler Daniel Wangler führt Eisenbacher Erstklässler in die Welt des Theaters ein.
EISENBACH. "Theater ist ein Miteinander", erklärt Daniel Wangler am Anfang. Schülerinnen und Schüler der ersten Klasse an der Lichtenbergschule in Eisenbach lauschen aufmerksam seinen Ausführungen, gebannt merken sie sich jedes Wort, das der Theaterprofi ihnen sagt.
Daniel Wangler ist Schauspieler, weiß Stimme und Körper einzusetzen wie ein Instrument. Seit einigen Jahren ist er auch Trainer. Er arbeitet mit Kindern. Seit Januar leitet er sein zweites Theaterprojekt an der Eisenbacher Lichtenbergschule.Heute sind die Erstklässler dran. Lärmend strömen 17 Mädchen und Jungen herein. Statt über Schulbüchern zu brüten, dürfen sie heute erste Theaterluft schnuppern. Aufgeregt zappeln sie auf ihren Stühlen, die im Kreis aufgestellt sind, und blicken erwartungsvoll.
Schnell wird deutlich, dass der Schauspieler aus Eisenbach mit seinem Improvisationstheater allerlei Spannendes auf Lager hat: Ob mit Sprache, Bewegung oder Mimik, es gelingt ihm sofort, die kleinen Akteure zum Mitmachen zu animieren. Was machen die Kinder nach dem Aufstehen? Gemimt wird ein gemeinsames gähnen, strecken, Zähne putzen und gurgeln. Vergnügtes Kichern und Kreischen.
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Natürlich will Wangler Freude am Theaterspielen vermitteln. Wichtiger noch aber sind ihm die positiven Nebeneffekte. "Beim Theater lernen die Kinder fürs Leben. Es ist eine besondere Form des Miteinanders", sagt er und betont, dass im darstellenden Spiel Kinder auch neue Seiten an sich selbst kennenlernen können. Dabei bekämen sie die Chance, sich auszuprobieren, eigene Grenzen zu ertasten und über sich hinaus zu wachsen.
Zusätzlich würden durch das Projekt auch andere wichtige Fähigkeiten gefördert: Präsenz und Ausstrahlung, Selbstsicherheit, Wahrnehmung und vor allem Konzentration.
Eine gute Übung hierbei ist etwa das Kreisklatschen: Alle stehen im Kreis, ein Klatscher wird in die Runde gegeben und weitergeschickt. "Immer schön im Rhythmus bleiben", ermuntert Wangler. Jetzt wird das Tempo erhöht und der eine oder andere kommt laut quietschend aus dem Rhythmus.
Kinder sind anders, weiß der Schauspieler. Sie haben Fantasie, sehen Geschichten, wo Erwachsene eine Zahl sehen. "Leider fehlt zunehmend Raum, das Potenzial abzurufen", sagt er. Eltern haben heute wenig Zeit, die Schule bietet kaum Raum für Freizeit und Sozialisation.
Seit 2007 bietet Daniel Wangler Theaterprojekte an Schulen an. Der 38-jährige Eisenbacher absolvierte die Hochschule für darstellende Kunst in Stuttgart im Bereich Figurentheater. Heute lebt er mit seiner Familie in Stuttgart, wo er als freier Schauspieler, Clown, Jongleur und Puppenspieler arbeitet. Seit zwei Jahren ist er als Gastspieler beim Tourneetheater Mimikri mit dem Märchen "Das tapfere Schneiderlein" in Deutschland unterwegs.
Das Arbeiten mit den Schulkindern liege ihm sehr am Herzen, sagt Wangler und kritisiert, dass "Kinder immer wieder hinten angestellt werden". Das Schulsystem mit seinen oft großen Klassen könne kaum auf den Einzelnen eingehen.
Was an Schulen in puncto Selbsterfahrung misslingt, will der Schauspieler in seinen Kursen korrigieren. Denn dort versucht er, die Kinder aus ihrem Körper rauszuholen. Er verhilft dazu, ein Gefühl für den Körper zu entwickeln und das eigene Potenzial zu nutzen. Dabei bekommen die Kinder von ihm nichts Fertiges vorgelegt.
Für Wangler ist Theaterspielen mehr als nur Texte auswendig lernen. "Themen ergeben sich spontan. Fragen, Geschichten oder Ideen der Kinder werden aufgenommen und weitergesponnen", erzählt von den Erfahrungen aus den Kursen.
Die Sechs- bis Siebenjährigen jedenfalls haben heute eine Mordsgaudi. Und auch Andrea Bruhn-Hirt ist begeistert vom Projekt. Vor allem Kinder mit sprachlichen Defiziten könnten enorm davon profitieren, findet die Klassenlehrerin. Ganz spielerisch.
Autor: Eva Weise


