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31. Januar 2012

"Ich schließe nie aus"

BZ-INTERVIEW mit Joanna Maxellon, die sich als neue Dorfschreiberin in Eisenbach vorstellt.

  1. Joanna Maxellon Foto: Privat

EISENBACH. Joanna Maxellon wird am Sonntag, 5. Februar, im Haus des Gastes in Bubenbach offiziell als Dorfschreiberin vorgestellt und anschließend drei Monate lang in der Hochschwarzwaldgemeinde wirken. Sie ist die vierte Frau in diesem Reigen. BZ-Mitarbeiter Gert Brichta fragte sie nach ihren Plänen.

BZ: Der Förderkreis Kreatives Eisenbach hat den Begriff des Dorfschreibers geschaffen, erstmalig und einmalig in Deutschland. Sie werden die Nummer sieben sein, die dieses Stipendium erhält. Ist das ein Anreiz in Eisenbach auf kultureller Ebene zu wirken, oder ist es mehr ein Angebot, Urlaub im Hochschwarzwald zu verbringen?
Maxellon: Ich sehe das Stipendium schon als eine Art Arbeitsaufenthalt, man kommt zuerst einmal aus seiner gewohnten Umgebung heraus und kann sich neben der üblichen Erwerbsarbeit und den alten Projekten, die man zuhause lässt, ganz neuen Aufgaben und Projekten widmen. Zwei Ideen im Rohstadium bringe ich dennoch mit und hoffe, dass meine Recherchen vor Ort diese zum Leben erwecken. Es handelt sich um zwei Geschichten, die noch ohne spezifische Regionalidentität auf dem Lande spielen und entweder als Manuskripte für ein späteres Drehbuch dienen oder eben als Roman, das zeigt dann die Recherche. Mehr wird jetzt allerdings nicht verraten.

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BZ: Wie ist der dreimonatige Aufenthalt mit ihrer gegenwärtigen Tätigkeit vereinbar?
Maxellon: Gut! Das habe ich natürlich vorher abgesprochen und bis auf wenige Tage werde ich immer anwesend sein. Das Andere kann alles warten.
BZ: Warum haben sie sich für dieses Stipendium beworben?
Maxellon: Da ich an einigen Projekten, die in einer ländlichen Umgebung spielen, arbeite und für diese recherchiere, suchte ich nach einem geeigneten Stipendium und fand dies in Eisenbach.
BZ: Fühlen sie sich eher als kultureller Sozialarbeiter, der die Rettung der schulpflichtigen Jugend im Visier hat, oder denken sie, Aufgaben übernehmen zu können, die zur Ergänzung der Geschichte des Ortes beitragen?
Maxellon: Weder das Eine noch das Andere. Als Kulturschaffende verliere ich eigentlich nie mein Publikum aus den Augen und lasse gern andere Menschen am Prozess und den Zwischenergebnissen meiner Arbeit teilhaben. So kann ich meine Projekte ständig weiterentwickeln und verbessern. Der Ort wird sich mit mir als Künstlerin auseinandersetzen müssen, genauso wie ich mit den Bewohnern, das finde ich sehr spannend.
BZ: Haben sie sich vor Antritt ihrer Reise in den Hochschwarzwald Gedanken gemacht, was in Eisenbach auf sie zukommt und welche Aufgaben von Ihnen erwartet werden?
Maxellon: Ich stehe in ständigen Kontakt mit der Jury, man hat mich gut eingeführt und informiert, alles andere lasse ich auf mich zukommen. Langweilig wird es mir wohl nie werden.
BZ: Sind die Erwartungen des Förderkreises Kreatives Eisenbach mit Ausstellungen, Gesprächen und Veranstaltungen zu hoch gesteckt?
Maxellon: Wissen sie da mehr als ich? So viele Veranstaltungen sind das eigentlich nicht. Mein Arbeitspensum ist hier in Nürnberg ebenso hoch und ich kann mir nicht vorstellen, dass mich die Eisenbacher überfordern werden. Solange ich an meinen Projekten arbeiten kann, ist das völlig in Ordnung, wenn ich an einigen Veranstaltungen teilnehme.
BZ: Land und Leute wären ein interessantes Thema, dies aufzuarbeiten eine Herausforderung, wie sich die Mentalität des Hochschwarzwälders von Bewohnern der Rheinebene unterscheidet, verhaltenspsychologische Aspekte könnten hier einfließen und wären mit Sicherheit ein Aspekt in der Betrachtung. Wäre dies ein Thema für sie?
Maxellon: Ich bin kein Anhänger einer Mentalitätsunterscheidung, sondern hänge eher einer individualpsychologischen Haltung an. Viele Menschen, denen ich begegne, erzählen mir spannende Geschichten, die ich bewusst in meine Arbeiten einfließen lasse und ich kann durchaus von mir behaupten, dass mir die Recherche für Themen sehr liegt und ich sicher eigene neue finden werde.
BZ: Schnee und Wald auf 1000 Meter Höhe verlangen nach einer gewissen Einstellung. Zwar gibt es im Schwarzwald keine Bären und Wölfe, dafür jedoch Menschen, die in Einklang mit der Natur leben, denen begegnet werden muss. Haben sie einen Gedanken entwickelt, wie diese Menschen in Ihre Tätigkeit eingebunden werden könnten?
Maxellon: Ich schließe nie aus und binde immer ein! Ob allerdings die Eisenbacher "im Einklang mit der Natur leben" kann ich wirklich nicht entscheiden. Es gibt (zum Glück!) fließend Wasser, Strom, Heizungen, jeder hat ein Telefon oder Mobilfunk, viele haben PKWs und der nächste Nachbar ist keine 50 Meilen entfernt. Das ist schon eher Zivilisation als wilde, ungezügelte Natur.
BZ: Wäre es nicht sinnvoll, einmal aufzuarbeiten, was die Menschen der Region von einem Dorfschreiber erwarten und welche Intention sich hinter dem Titel und dem Stipendium verbirgt?
Maxellon: Das kann gern der nächste Autor hier übernehmen, ich sehe darin nicht meine Aufgabe. Noch dazu ist der Beruf eines Stadtschreibers seit dem Mittelalter bekannt und ich finde es sehr schön und bewundernswert, wenn ein so kleiner Ort wie Eisenbach ein Stipendium in diesem Sinne und dieser Tradition ausschreibt. Ich freue mich wirklich auf meinen Aufenthalt.

ZUR PERSON : JOANNA MAXELLON,

1969 geboren in Ruda Slaska/Polen, Drehbuch-Autorin und Filmemacherin, absolvierte t ein philologisches Studium in Krakau. In Nürnberg und Karlsruhe widmete sie sich ihrer künstlerischen Seite: Sie studierte Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, in Karlsruhe an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung das Fach Medienkunst. Mit Fotoreportagen, Ausstellungen und Filmexperimenten tritt sie in der Öffentlichkeit auf.  

Autor: bz

Autor: hbr