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14. September 2012 11:50 Uhr

Entscheidung

Elsässisches Akw Fessenheim wird bis Ende 2016 geschlossen

Rund eine Woche nach dem jüngsten Zwischenfall im elsässischen Atomkraftwerk Fessenheim macht Präsident Hollande Nägel mit Köpfen. Bis 2016 soll die Anlage vom Netz. Umweltschützer dürften jubilieren.

  1. Das Ende steht: Das Atomkraftwerk in Fessenheim geht 2016 vom Netz. Foto: dpa

Die Stromversorgung für die Region werde sichergestellt sein, zudem sollten alle Arbeitsplätze erhalten bleiben, sagte Hollande bei der Eröffnung einer Konferenz für Energie und Umwelt in Paris am Freitag. Fessenheim solle weltweit ein Beispiel für den vorbildhaften Rückbau von Kernkraftwerken werden, so der seit Mai regierende Sozialist weiter.

Frankreich bezieht mehr als drei Viertel seines Stroms aus Atomanlagen. Bis zum Jahr 2025 soll der Anteil nach den Plänen der sozialistischen Regierung auf 50 Prozent gesenkt werden. Im Wahlkampf hatte Hollande versprochen, das Atomkraftwerk während seiner Amtszeit bis zum Jahr 2017 zu schließen.

Axel Mayer, BUND: Langjähriger Druck hat gewirkt

"Wir freuen uns", sagte Axel Mayer, Geschäftsführer des Regionalverbands Südlicher Oberrhein des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), in einer ersten Stellungnahme gegenüber der Badischen Zeitung. Neben den bekannten technischen Problemen wie der ungenügenden Erdbebensicherheit und dem dünnen Fundament des Kraftwerks habe sicher auch "der langjährige Druck" über den Rhein hinweg durch Atomkraftgegner aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz zu der Entscheidung beigetragen, Fessenheim vom Netz zu nehmen.

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Mayer kündigte an, dass die trinationale Anti-Atomkraft-Bewegung auch die Stilllegung und den Abriss Fessenheims begleiten werde. Wahrscheinlich werden die Betreiber den Reaktor lange abklingen lassen müssen. Dessen Rückbau stelle das größte Risiko dar. Gefahr gehe auch von Brennelementen aus, die auf dem Gelände zwischengelagert seien. Deshalb sei klar: "Das Thema wird uns noch lange beschäftigen".

Nachdem das Ziel der Abschaltung Fessenheims erreicht sei, werde sich die Anti-Atomkraft-Bewegung den grenznahen Schweizerischen Kraftwerken zuwenden, blickte Mayer nach vorn. Das Hauptaugenmerk werde auf dem Kernkraftwerk Beznau im Kanton Aargau liegen. Dessen Reaktorblock I ging 1961 in Betrieb. Beznau ist damit das dienstälteste Kernkraftwerk der Welt.

Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon freut sich, dass es für die Menschen am Oberrhein nun ein verbindliches Datum gebe, bis wann die Forderungen nach einer Abschaltung erfüllt werden. "Wir können jetzt nur hoffen, dass in den kommenden vier Jahren bis zur Abschaltung nichts Schlimmes passiert." Denn nach den Störfällen insbesondere aus der jüngeren Vergangenheit sei es zunehmend schwerer gefallen, den Versprechungen der Betreibern und der französischen Atomaufsichtsbehörde zu vertrauen, dass der Reaktor am Rhein sicher sei.

Immer wieder Pannen in Fessenheim

Das im Elsass direkt am Rheinkanal an der deutschen Grenze gelegene Atomkraftwerk Fessenheim ist seit rund 35 Jahren in Betrieb. In dem Akw kommt es immer wieder zu Störfällen und Pannen. Erst am 5. September hatte es wieder einen Zwischenfall gegeben. Bei Routinearbeiten mit nicht radioaktivem Wasserstoffperoxid kam es nach Angaben des Betreibers EDF zu einer Dampfentwicklung, die einen Brandalarm auslöste. Zahlreiche Sicherheitskräfte und die Feuerwehr rückten aus. Im April war in einem Maschinenraum des Reaktors II ein Feuer ausgebrochen. Die beiden Druckwasserreaktoren der Anlage sind die ältesten noch in Betrieb befindlichen in Frankreich.

Deutsche wie französische Atomkraftgegner versuchten seit langem, eine rasche Stilllegung des als besonders störanfällig geltenden Kraftwerks zu erreichen. Sie verweisen vor allem auf das Erdbebenrisiko im Rheingraben und die Gefahr einer Überschwemmung bei einem Bruch des Deichs, der das Akw vom Rheinkanal trennt.
Nutzung der Atomkraft relativ unumstritten

In Frankreich sind 58 Atomreaktoren in Betrieb, die mehr als drei Viertel des Strombedarfs des Landes decken. Frankreich ist der größte Atomstromproduzent Europas. Die Atomenergie ist im Land wenig umstritten, auch wenn nach dem Atomunglück im japanischen Fukushima die Debatte kritischer geführt wird. Bei den von der EU nach dem Unglück angeordneten Stresstests stellte die französische Atomaufsichtsbehörde ASN Sicherheitslücken in praktisch allen Anlagen fest.

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Autor: afp, dpa, Peter Disch