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30. Dezember 2011 10:50 Uhr
Kinderbetreuung
An der Europabrücke entsteht eine zweisprachige Kinderkrippe
Deutsche und französische Babys lernen gemeinsam Krabbeln und Laufen, wachsen spielerisch und automatisch in beide Sprachen und Kulturen hinein: Das soll Alltag werden – in einer grenzüberschreitenden Kinderkrippe.
KEHL/STRASSBURG (bri).Im Herbst 2013 soll auf dem Gelände der Straßburger Rheinhafenschule, gleich hinter der Europabrücke, eine Kinderkrippe eröffnet werden, die kleine Europäer heranzieht. Die Städte Straßburg und Kehl haben mit der deutsch-französischen und grenzüberschreitenden Krippe ein Konzept entwickelt, das die Europäische mit 1,68 Millionen Euro unterstützt.
Rund vier Millionen Euro wird der Neubau für die 60 Kinder kosten, den die Werkgruppe Lahr, ein renommiertes Architektenbüro, plant und baut. Eine deutsch-französische Jury hat die Lahrer Architektengruppe zum Sieger des grenzübergreifenden Wettbewerbs gekürt. Die Hälfte der Netto-Kosten trägt die EU über ihr Interreg-Programm und erkennt dem Projekt damit eine der höchsten Förderungen zu, die überhaupt möglich sind.
Überzeugt hat den Interreg-Begleitausschuss, der über die Vergabe der Gelder entscheidet, das Konzept: Hier wird keine französische Einrichtung für deutsche Kinder geöffnet oder eine deutsche Einrichtung ins Nachbarland transferiert. Die Fachbereiche für die Betreuung von Kleinkindern in der Straßburger und Kehler Stadtverwaltung haben über eineinhalb Jahre hinweg ein ganz neues Krippenmodell entwickelt, das sowohl deutsche als auch französische Elemente enthält.
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Normalerweise sind Kinderkrippen in Frankreich in so genannte "Lebenseinheiten" unterteilt: 20 Kinder von null bis drei Jahren werden gemeinsam betreut. Sie spielen und singen zusammen und essen auch gemeinsam. Mit den Kindern aus den anderen Lebenseinheiten treffen sie nur zufällig, beim Kommen und Gehen, zusammen, selbst wenn sie im gleichen Gebäude untergebracht sind. In der deutsch-französischen Krippe wird dieses Konzept auf Gemarkung der Stadtgemeinschaft Straßburg zum ersten Mal aufgebrochen: In den lichtdurchfluteten großzügigen Räumen, welche die Werkgruppe Lahr plant, können sich die 60 Kinder – 30 aus Kehl und 30 aus Straßburg – begegnen und auch miteinander spielen; das Gleiche gilt für die Außenbereiche. Während in den Kehler Kinderkrippen bislang Kinder vor ihrem ersten Geburtstag nicht aufgenommen werden, werden in der deutsch-französischen Kinderkrippe auch Babys betreut, sobald der Mutterschutz endet. Und zwar so, wie die Eltern das wünschen: Diese können ihre Kinder dort tage- oder stundenweise an mehreren Tagen anmelden, die Zeitmodelle sind weit flexibler, als man das auf der deutschen Rheinseite kennt.
Das Betreuungspersonal in der Krippe wird sich zur Hälfte aus deutschsprachigen Erzieherinnen zusammensetzen, die zumindest etwas Französisch sprechen, und zur Hälfte aus französischsprachigen Erziehern und Erzieherinnen, die zumindest etwas Deutsch sprechen.
Ein binationaler Lenkungsausschuss begleitet die Arbeit in der Krippe und stellt sicher, dass das gemeinsam erarbeitete pädagogische Konzept im Alltag auch tatsächlich umgesetzt wird. Außerdem sollen die Erfahrungen, die in dieser Krippe gemacht werden, von Experten evaluiert werden. Ziel der Straßburger und Kehler Partner ist es, dass die Kinder nicht nur die Sprache des Nachbarn von Anfang an hören und lernen, sondern dass sie auch in die Kultur des jeweiligen Nachbarlandes eintauchen. Weil kleine Kinder sich ihre Freunde nicht nach der Muttersprache aussuchen, werden deutsche und französische Familien durch die Krippe zwangsläufig in Kontakt kommen. Außerdem sind im Gebäude auch Begegnungsräume vorgesehen; gemeinsame Unternehmungen gehören zum Konzept.
Auch wenn die Krippenzeit für die Kinder spätestens mit dem Ende des Kindergartenjahres endet, in dem sie ihren dritten Geburtstag gefeiert haben, muss deshalb mit Deutsch-Französisch noch lange nicht Schluss sein: Wer die grenzüberschreitende Krippe durchlaufen hat, dem stehen die Kehler Kindergärten (mit spielerischer Einführung in die französische Sprache) ebenso offen wie die zweisprachige Vorschule in der Straßburger Rheinhafenschule.
Und wer dann noch nicht genug hat, soll frei wählen können, ob er in Kehl oder in Straßburg in eine zweisprachige Grundschule gehen will.
- Freiburg: Mehr Krippenplätze im Jahr 2014
Autor: bri


