"Es geht um die Zukunft unseres Technoport!"

ama

Von ama

Fr, 17. März 2017

Elsass

BZ-INTERVIEW mit Alain Girny, Präsident des kommunalen Zweckverbands Saint-Louis Agglomération .

SAINT-LOUIS. Alain Girny will verhindern, dass die Geleise des EAP-Bahnanschlusses das Saint-Louiser Entwicklungsgebiet "Technoport" durchschneiden. Deshalb fordert der Präsident des kommunalen Zweckverbands Saint-Louis Agglomération für das Areal, in dem unter anderem ein Einkaufszentrum und ein Neun-Loch-Golfplatz geplant sind, eine Viadukt-Lösung. Annette Mahro hat mit Girny über die Gründe gesprochen.

BZ: Das Thema EAP-Bahnanschluss ist schon Jahrzehnte alt. Wie kommt es, dass Sie jetzt erst ein Viadukt fordern?

Alain Girny: Die Forderung besteht schon von Anfang an. Wir haben immer gesagt, ein Bahnanschluss kommt der ganzen Region zustatten. Wenn man aber einen Wall mitten durch unser Entwicklungsgebiet Technoport laufen lässt, dann wird es zerschnitten. Deshalb haben wir von Beginn der Studien an darum gebeten, ein Viadukt vorzusehen und jetzt bleiben wir bei unserer Forderung. Ich weiß nicht, was im Moment vorgesehen ist, man ist ja gerade dabei, alle Wünsche der betroffenen Körperschaften und Partner mit dem Projekt in Einklang zu bringen. Die Viadukt-Lösung ist für uns aber unabdingbar, um das Technoport-Areal offen und transparent zu halten.
BZ: Eine Brückenlösung macht das Ganze aber teurer und wird den bisherigen Kostenrahmen sprengen….

Girny: Wo die Kostenschätzung des Projekts im Moment genau steht, was in die Berechnung überhaupt alles eingeflossen ist und wohin sie sich das Ganze weiter entwickeln wird, weiß ich nicht. Man hat vor fünf oder sechs Jahren von 200 oder 250 Millionen Euro gesprochen. Dass unsere Lösung teurer wird als ein einfacher Bahndamm, das dürfte außer Frage stehen. Um wie viel es die Kosten erhöht, das kann ich aber natürlich nicht sagen. Trotzdem bleiben wir bei unserer Forderung, weil die Zukunft unseres Technoport mit dieser Bahnstrecke mittendrin auf dem Spiel steht. Ob man das nun geschlossen baut und damit alles praktisch in zwei Teile zerschneidet, oder ob man es offen hält, das betrifft ja schließlich das ganze 100 Hektar große Areal.

BZ: Haben Sie keine Sorge, dass man ihre Forderung auch als Opposition zum EAP-Bahnanschluss verstehen könnte?
Girny: Nein überhaupt nicht, ich unterstütze den Bahnanschluss vollkommen. Er ist gut für unsere Region und ich denke auch notwendig. Aber wir müssen trotzdem eine Lösung finden, in der die Interessen von allen berücksichtigt werden. Es kann ja nicht angehen, ein Projekt zu realisieren, mit dem ich, wie gesagt, vollkommen einverstanden bin, damit aber ein anderes, für die wirtschaftliche Entwicklung von Saint-Louis Agglomération ebenso wichtiges Projekt zu zerschneiden und insgesamt zu verstümmeln.

BZ: Die Finanzierbarkeit vorausgesetzt gilt als frühester Baubeginn für den Bahnanschluss 2020. Gibt es beim Technoport schon ein Datum für den Baubeginn?

Girny: Der erste Spatenstich wird sicher dem Unibailprojekt gelten, also unserem lange geplanten großen Einkaufs- und Freizeitzentrum. Da rechnen wir augenblicklich mit 2020/2021.

Alain Girny (65) ist seit Januar Präsident des kommunalen Zweckverbands Saint-Louis Agglomération, in dem die Communauté de Communes der Trois Frontières mit ihren Nachbarn Sierentz und Porte du Sundgau aufgegangen ist. Das Gebiet umfasst 269 Quadratkilometer, 40 Kommunen und rund 77 000 Einwohner. Girny ist zusätzlich stellvertretender Maire von Saint-Louis.