Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

09. April 2011 18:05 Uhr

Atomenergie

Auch das Elsass diskutiert über die Zukunft von Fessenheim

Atomkraftgegner bekommen auch im Elsass Zulauf. Doch beim Thema Fessenheim sind Bevölkerung und Politik sehr gespalten - und schauen ebenfalls in die Schweiz.

  1. Noch strahlt nur die Abendsonne beim ältesten französischen Kernkraftwerk. Foto: dpa

Auf den jüngsten Vorstoß aus der Basler Regierung, der eine sofortige Abschaltung fordert, reagieren die Franzosen empfindlich: Und was ist mit den Schweizer Atomkraftwerken? Vor allem, wenn immer vom ältesten französischen AKW in Fessenheim die Rede sei, müsse doch auch die Frage erlaubt sein, wie es etwa mit der Anlage im Schweizer Beznau stehe, deren erster Reaktor schließlich 1969 gebaut wurde, während Fessenheim erst 1977 ans Netz ging.

"Wenn die Schweizer die Schließung von beiden Anlagen fordern, dann ist das etwas, worüber man sprechen kann", sagt etwa Roland Igersheim, der Präsident der grenznahen Communauté de Communes des Trois Frontières. "Aber wenn sie nur die Schließung unsere Anlage verlangen, aber nicht ihrer eigenen, dann bin ich damit nicht einverstanden."

Zu seiner persönlichen Meinung gefragt, wie sicher er sich selbst in der nuklearen Nachbarschaft fühle, sagt Igersheim, natürlich gelte es jetzt alle Risiken noch einmal auf den Prüfstand zu bringen. "Und wenn die Ergebnisse einer neuen Untersuchung nicht vollkommen zufriedenstellend sind, also gut, dann muss man abschalten." Dies aber einmal mehr natürlich dies- wie jenseits der Grenzen.

Werbung


In der Bevölkerung sei die Meinung zur Kernenergie geteilt, und ob die Mehrheit im Elsass eher pro oder contra votierte, da mag er sich nicht festlegen. Der Schweizer Vorstoß hatte indes im Conseil Général in Colmar, wie die Zeitung L’Alsace es formulierte, zu "Irritationen" geführt.

Sind Schweizer Atomanlagen grundsätzlich sicherer?

So fragte sich etwa Generalrats-Vizepräsident Bernard Notter, ob denn die drei im 100-Kilometer-Radius um Basel auf Schweizer Seite liegenden Atomanlagen grundsätzlich sicherer seien als Fessenheim, zumal sowohl Beznau wie Mühleberg noch älter seien als der Meiler im Elsass. Die 2013 vorgesehene Schweizer Volksabstimmung über die weitere Nutzung der Kernenergie reicht ihm alleine noch nicht. Er stört sich daran, dass es in der Schweiz keine ähnlich offene Kommission gäbe, wie die Fessenheimer CLIS, in der auch Vertreter aus Deutschland und der Schweiz sitzen. Man dürfe doch erwarten, dass die Schweiz im Bezug auf ihre AKW auch die französischen Nachbarn einbezögen.

Auch Philippe Richert, der Präsident des Elsässer Regionalrats, hatte sich in seiner offiziellen Stellungnahme zum Antrag der beiden Basel auf die Schweizer Kraftwerke bezogen. Man sei sich einig gewesen, resümiert er, dass die beiden Basler Kantone sich in Ihrer Verfassung gegen die Nutzung der Kernenergie ausgesprochen hätten, dass die Unterzeichner der Motion sich aber ebenso ihrer eigenen Regierung gegenüber einsetzen wollten, was die Meiler in anderen Kantonen beträfe.

"Die französische Regierung hat entschieden, sich über die normalen Kontrollen sämtlicher französischer Anlagen hinaus noch einmal eine Neubewertung aller Krisenszenarien in Angriff zu nehmen", schließt Richert im Communiqué. Sollten diese Neubewertungen im Fall von Fessenheim nicht positiv ausfallen, setze er sich dafür ein, dass die nötigen Konsequenzen gezogen würden.

Max Delmond, der neue grüne Huningue-Vertreter im Colmarer Generalrat, wünscht sich wie Richert eine neue unabhängige Untersuchung, gegebenenfalls auch mit Vertretern aus den beiden Nachbarländern, vor allem aber nicht ausschließlich mit Atomkraftbefürwortern. Delmond spricht sich dafür aus, die Bevölkerung offen zu informieren und ihr anschließend auch das Wort zu erteilen. Bisher neigten die Beteiligten noch dazu, Dinge zwar zur Kenntnis zu nehmen, aber doch lieber morgen darüber nachzudenken als heute. Da gelte es anzusetzen.

Fessenheim: BUND weist auf erhöhte Strahlenwerte hin

Autor: Annette Mahro