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06. April 2010 20:17 Uhr

Sanierung

Hohkönigsburg: Schönheitskur nach 100 Jahren

Für 11 Millionen Euro lässt das Département Bas-Rhin die Hohkönigsburg sanieren – und schlägt dabei zwei Fliegen mit einer Klappe. Beim Facelifting sollen auch alte Bausünden beseitigt werden.

  1. Eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Frankreichs: Die Hohkönigsburg im Elsass Foto: Andrea Schiffner

  2. Gerüste prägen momentan das Bild der Hochkönigsburg. Foto: Hochkönigsburg

ORSCHWILLER. Die einst von Kaiser Wilhelm II. errichtete Anlage gehört zu den meistbesuchten Denkmälern Frankreichs. Als Wilhelm II. zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Hohkönigsburg hoch über der Rheinebene restaurieren ließ, wollte er sich ein Denkmal setzten. Denkmäler sind für die Ewigkeit gedacht – und der deutsche Kaiser rechnete nicht mit Bausünden, die sich Jahrzehnte später erst zeigen sollten.

Die umfangreichsten Arbeiten aller Zeiten

Nun ist die Burg wieder eingerüstet. Elf Millionen Euro stehen bereit für die größten Restaurierungsarbeiten, die jemals auf der Burg ausgeführt wurden, seit Wilhelm II. seinen Architekten Bodo Ebhardt ans Werk schickte. Es gilt, etwa 30 Tonnen unnötigen Beton aus dem elsässischen Haus im unteren Burghof zu entfernen. In den 60er und 70er Jahren wurden dort die Strukturen im Inneren großzügig mit Beton verstärkt und Wände eingezogen. "Heute lastet das tote Gewicht auf der Fachwerkstruktur", sagt die stellvertretende Burgdirektorin Gaëlle Fousse. Wer in den vergangenen Jahren die Burg besucht hat, konnte deshalb sehen, wie die Decke mit Pfeilern zur Sicherheit abgestützt wurde.

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Es braucht einen Gesamtplan

Es gibt ein zweites großes Arbeitsfeld für die kommenden vier Jahre: Elektrik, Beleuchtung und Brandschutz müssen auf den neusten Stand gebracht werden. "Über die Jahrzehnte hinweg wurde immer wieder Neues nach Bedarf, aber ohne Gesamtplan hinzugefügt", erläutert Gaëlle Fousse. Die neuen Leitungen werden unsichtbar über die Burg verteilt. "Es sollen keine Narben am Gemäuer entstehen", sagt sie.

Halbe Million Besucher

"Nicht, dass wir hier in vollkommener Unsicherheit Besucher empfangen hätten", fügt Gaëlle Fousse hinzu. Eines der mit 530 000 Besuchern meist frequentierten Denkmäler Frankreichs wird stark kontrolliert. Dennoch muss auch beim Brandschutz nachgebessert werden: Die direkt auf der Burg verfügbare Wassermenge liegt mit 130 weit unter dem erforderlichen Standard von 360 Kubikmetern. Im Ernstfall brauchen die Löschmannschaften vom einen Ende des 15 000 Quadratmeter großen Burgareals zum anderen eine Dreiviertelstunde. Das ist viel zu lange.

Mehr Toiletten für die Besucher

Begonnen haben die Bauarbeiten an dem vierstöckigen Fachwerkhaus, in dem bislang das Besucherrestaurant untergebracht ist. Zwei Jahre dauert es, bis es entkernt ist. Danach werden die tragenden Elemente erneuert und das Innere des Hauses neu eingeteilt. Trotzdem soll der Betrieb weitergehen – mit einem Gasthaus auf Zeit im Bollwerk der Burg. Für die Provisorien stellt der Generalrat des Départements Bas-Rhin – ihm gehört die Burg seit 2007 – 300 000 Euro zur Verfügung. Und für die Besucher nicht unwichtig: Mit der Sanierung sollen endlich eine ausreichende Zahl an Toiletten gebaut werden.



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Autor: Bärbel Nückles