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17. März 2017

Neue Hürden für Bahnanschluss

Anschluss des Euro-Airport soll nach Wünschen aus Frankreich über ein Viadukt verlaufen / Das würde das Projekt deutlich verteuern .

  1. Der Bahnanschluss zum Euro-Airport könnte sich erneut verteuern und verzögern. Foto: Annette Mahro

SAINT-LOUIS. Der Bahnanschluss am Euro-Airport (EAP) sieht sich mit neuen Hindernissen konfrontiert. Kaum sind die wegen des seit 2013 schwelenden Steuerstreits bestehenden Bedenken der Schweiz ausgeräumt, kommt diesmal Gegenwind aus Frankreich. Alain Girny, Präsident des kommunalen Zweckverbands Saint-Louis Agglomération, besteht für das letzte Teilstück der 6 Kilometer langen Bahntrasse auf dem Bau eines Viadukts, der das Projekt noch einmal deutlich verteuerte, andernfalls will er Land, das dem Verband gehört, nicht verkaufen.

Erst am 21. Februar hatte die EU für eine Ausnahmeregelung bei der Mehrwertsteuer endgültig grünes Licht gegeben und damit indirekt die finanzielle Beteiligung der Schweiz am Bahnanschluss gesichert. Zwar wird Girnys Forderung das Projekt nicht zu Fall bringen. Für Irritationen hat der jüngst in einem Interview mit der Basellandschaftlichen Zeitung öffentlich gemachte Vorstoß dennoch gesorgt. Aus allen Wolken fällt EAP-Sprecherin Vivienne Gaskell aber nicht: "Die Forderung ist der Projektleitung, uns und SNCF Réseau, bekannt und gerade wegen der Projektüberscheidungen arbeiten wir eng zusammen." Nicht umsonst sitze schließlich auch ein Vertreter von Saint-Louis Agglomération in den projektbegleitenden Arbeitsgruppen, die sich unter anderem mit der Streckenführung befassten. Und selbstverständlich sei allen an einem positiven Miteinander gelegen.

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Dass Saint-Louis Agglomération, über dessen dem EAP gegenüberliegendes sogenanntes Technoport-Areal mit einem Kilometer Länge führt, die Entwicklung wirklich blockieren wolle und könne, kann sich Gaskell ohnehin nicht vorstellen. Schließlich seien die entsprechenden Flächen im kommunalen Bebauungsplan längst reserviert und natürlich werde bei den Vorstudien größter Wert darauf gelegt, dass sich die Bahntrasse verträglich in die Landschaft einpasse. Dies gelte auch für das betreffende Saint-Louiser Areal. Fragen der Umweltverträglichkeit, was die Bebauung, Grundstücke, den Lärm, die Flora und Fauna, das Wasserregime und die Hydrogeologie betreffe, seien Teil der Vorstudien. Am derzeit geplanten Baubeginn 2020 und einer Inbetriebnahme der Linie bis 2025 wird offiziell jedenfalls weiter festgehalten.

Uneins waren sich der EAP und seine Heimatgemeinde indes schon öfter. So hatte man beim EAP zwar keine grundsätzlichen Bedenken angemeldet, als die Stadt die Idee einer Tramverlängerung vom Saint-Louiser Bahnhof bis zum Flughafen lanciert hatte, dem Projekt Bahnanschluss aber klar eine höhere Priorität eingeräumt. Ein seitens des EAP geplantes Hotel blockierte der damalige Maire Jean Ueberschlag 2009 zuerst mit der Weigerung, den Bebauungsplan entsprechend zu ändern und später per Gerichtsverfahren. Vom Tisch ist das Projekt noch immer nicht, Vivienne Gaskell äußert sich dennoch erst vorsichtig: "Wir kommen voran, aber es ist noch zu früh, dazu etwas zu sagen." Die Hotelfrage nimmt sich Im Vergleich mit dem Großprojekt, bei dem man am EAP auf weiträumige Unterstützung baut, aber unbedeutend aus. "Der Bahnanschluss ist für uns sehr wichtig, aber er ist auch ein strukturierendes Projekt für die ganze Region", betont Vivienne Gaskell.

Mehr Infos unter http://www.eapbyrail.org

Finanzierung

An den bisher veranschlagten Projekt-kosten des Bahnanschlusses von 220 Millionen Euro (Stand 2010) würden sich nach bisher wenn auch teilweise nur mündlich gemachten Zusagen die folgenden Finanzierer beteiligen: Schweizerische Eidgenossenschaft: 25 Millionen Euro, Kantone Basel-Stadt und -Landschaft: je 10 Millionen Euro, Département du Haut-Rhin, Région Grand-Est, Land Baden-Württemberg: je 10 Millionen Euro. Den Rest müssten sich der Flughafen selbst sowie Frankreich, die Schweiz und die europäische Union teilen.  

Autor: ama

Autor: Annette Mahro