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28. Januar 2010 00:42 Uhr

Finanzprobleme

Racing Straßburg ist vorerst gerettet

Die besten Zeiten hat der Verein längst hinter sich. Der traditionsreiche Straßburger Fußballklub kämpft ums finanzielle Überleben und gegen den Zwangsabstieg in die Amateurliga.

  1. Der Trainingsbetrieb geht weiter: Racing Straßburg ist vorerst gerettet. Foto: Baumann

STRASSBURG. "Wie soll es weitergehen?", "Der Racing ganz unten", "Begräbnis letzter Klasse". So lautet nur eine Auswahl der Schlagzeilen aus Straßburger Tageszeitungen, seit der Traditionsklub Racing wegen unklarer Besitzverhältnisse gegen den Zwangsabstieg in die Amateurliga kämpft. Anfang der Woche nun hat der französische und in London ansässige Finanzmanager Alain Fontenla das seit mehr als einem Monat angekündigte Kapital von drei Millionen Euro auf das Konto des Racing Club de Strasbourg überwiesen.

Begonnen hat der Schlamassel im Sommer 2009. Damals schasste der Mehrheitseigner und Klub-Präsident Philippe Ginestet den Trainer Marc Furlan wegen anhaltenden Misserfolgs und veräußerte den Klub anschließend an zwei Londoner Investoren. Von ihnen übernahm der 35-jährige Fontenla zunächst die Hälfte, dann 100 Prozent der Anteile. Seither dürften die Fans ihre Mühe gehabt haben, angesichts der langen Liste potenzieller Investoren und Trainer, die im Gespräch waren, den Überblick zu behalten. Denn parallel zum Besitzerwechsel wurde nach einem neuen Coach gesucht, einem, der den Racing vor dem weiteren Abstieg bewahren sollte. Seit 2006 kämpfte der Straßburger Klub schon gegen den Liga-Verlust. 2007 hatte er kurzfristig noch einmal die erste Liga erklommen. Zwei Jahre lang geht es nunmehr vor allem um den Verbleib in der zweiten Klasse.

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Gerade einmal zwei Monate im Sommer 2009 überdauerte der gebürtige Straßburger und Racing-Alttrainer Gilbert Gress (der es inzwischen in der Schweiz zum Trainer-Star gebracht hat) als vermeintliche Geheimwaffe. Auf halber Strecke wurden das Racing-Eigengewächs Arsène Wenger von Arsenal London als Berater und der ehemalige Nationalspieler Jean-Pierre Papin als neuer Trainer gehandelt. Papin war als Trainer des Straßburger Klubs 2007 der Wiederaufstieg in die erste Liga gelungen. Fontenla seinerseits tauchte im Dezember erstmals in Straßburg auf und begegnete vor allem jeder Menge Misstrauen. Fans und Minderheitseigner aus der Region zweifelten die Führungsqualitäten des 35-Jährigen an und obendrein wurde angefragt, ob er denn überhaupt über das Kapital für die Mehrheitsübernahme verfüge. Daraufhin zog sich Fontenla zurück.

Inzwischen hat sich der Geschäftsmann eines besseren besonnen. Anfang dieser Woche erschien er zum zweiten Mal zu einer Pressekonferenz in Straßburg und versuchte die Wogen zu glätten. Das seit mehr als einem Monat angekündigte Kapital von drei Millionen Euro hat er auf das Konto des Straßburger Klubs überwiesen. Der Racing bleibt verschont vor dem Ausschluss aus der zweiten Profiliga.

Ralph Isenegger, Fontenlas juristischer Berater, kommentierte, ein strukturelles Defizit von sieben Millionen Euro lasse sich nicht von einem Tag auf den anderen ausgleichen. Henri Ancel, Straßburger Unternehmer und Sprecher der elsässischen Aktionäre, die Ende 2009 vergeblich versucht hatten, die Leitung des Klubs an sich zu reißen und nunmehr Mitspracherecht fordern, äußert sich versöhnlich: "Es muss jetzt erst einmal Ruhe einkehren. Wir müssen eine Führung schaffen, die es ernst meint."

Zum ersten Mal seit Monaten ist denn auch wieder klar, wer wie viel am Straßburger Zweitligisten besitzt. Fontenla gehören knapp 55 Prozent der Kapitaldecke; damit hat er das Sagen. Allerdings ist er einen ersten Schritt auf die Minderheitseigner zugegangen und erklärte sich bereit, Anteile an Investoren aus der Region abzugeben.

Autor: Bärbel Nückles