Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
06. Januar 2012 13:42 Uhr
Interview mit Bürgermeister Jean-Marie Zoellé aus Breisachs Partnerstadt Saint Louis
"Wir möchten neue Akzente setzen"
Über den Stand der Städtepartnerschaft zwischen Saint-Louis und Breisach und ihre Zukunftsaussichten äußerte sich der Bürgermeister von Saint Louis, Jean-Marie Zoellé, im BZ-Interview.
BZ: Sie stehen schon lange an verantwortlicher Stelle in der Kommunalpolitik in Saint-Louis und haben auch die Städtepartnerschaft aktiv mitgestaltet. Wie schätzen Sie die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Saint-Louis und Breisach ein?
Zoellé: Es gibt seit Jahrzehnten regelmäßige, sehr freundschaftliche und gute Kontakte zwischen unseren beiden Städten, die wollen wir in Zukunft weiter pflegen.
BZ: Städtepartnerschaften sind keine Selbstläufer, sondern müssen mit Inhalten gefüllt werden. Welche Aufgaben sehen Sie, die von der Kommunalpolitik in Saint-Louis und Breisach in Zukunft dafür geleistet werden müssen?
Zoellé: Mein Amtskollege Bürgermeister Oliver Rein in Breisach und ich sind uns darin einig, die seit 51 Jahren bestehende Partnerschaft unserer beiden Städte weiter zu entwickeln. Wir möchten dazu auch neue Akzente setzen. Wir wollen den Jugendaustausch intensivieren, beispielsweise auf der Sportvereinsebene, aber auch im schulischen Bereich neue Kontaktebenen aufbauen. Eine Idee ist dabei, die Französisch-Lehrer an den Schulen in Breisach mit den Deutschlehrern an den Schulen von Saint-Louis zusammenzubringen, denn im Erlernen der jeweiligen Sprache des Nachbarlandes sehen wir ein großes Potenzial für die Zukunft unserer Jumelage.
Werbung
BZ: Manchmal hat man den Eindruck, als sei das Interesse an Städtepartnerschaften bei der jungen Generation erlahmt. Sehen Sie hier auf politischer Ebene Handlungsbedarf?
Zoellé: Die Sprache stellt nach wie vor eine Grenze dar, die es zu überwinden gilt. Bei jungen Menschen stellen wir oft fest, dass sie dann zurückhaltend sind, wenn sie glauben, dass die sprachliche Verständigung ein Hindernis bei der Kontaktaufnahme sein könnte. Viele Jugendliche kommunizieren heute sehr viel über das Internet. Unsere Städtepartnerschaft braucht aber persönliche Kontakte und das Kennenlernen von Angesicht zu Angesicht. Für die Politik heißt das, Anreize zu schaffen, die gemeinsame Begegnungen zwischen jungen Menschen aus beiden Städten ermöglichen.
BZ: Bei den Europatagen 2010 in Breisach beklagte Altbürgermeister Alfred Vonarb, dass von den Bürgern nur mäßiges Interesse für die Städtepartnerschaft aufgebracht wird. Ist angesichts der schwierigen Situation, in der sich die Europäische Union derzeit befindet, die Intensivierung der Kontakte zwischen Partnerstädten nicht besonders notwendig?
Zoellé: Alfred Vonarb hat leider Recht. Die deutsch-französische Freundschaft ist eine alltägliche Selbstverständlichkeit geworden, und zu wenige Menschen schenken ihr die Aufmerksamkeit, die sie verdient und benötigt. Um dieses Projekt nicht erstarren zu lassen, braucht es neue Impulse. Wenn die Euro-Krise bei einigen Bürgern Zweifel an der Richtigkeit der europäischen Einheit aufkommen lässt, kann unsere Antwort darauf doch nur lauten, dass wir mehr Energie für den Aufbau von Partnerschaften und gemeinsamen Initiativen von Breisach und Saint-Louis aufbringen müssen. Darin sehe ich eine Zukunftsaufgabe der Kommunalpolitik in unseren beiden Städten.
BZ: Was sollte konkret geschehen, damit die Jumelage zwischen Saint-Louis und Breisach stärker ins Bewusstsein der Bürger beider Städte getragen werden kann?
Zoellé: Ich halte es für eine gute Idee, darüber nachzudenken, zukünftig Begegnungen zwischen den Kindern beider Städte zu organisieren. So können sie frühzeitig mit den Gedanken der deutsch-französischen Freundschaft und der Jumelage zwischen Breisach und Saint-Louis vertraut werden. Kinder sind unvoreingenommen und wissbegierig und wenn ihnen Begegnungsmöglichkeiten offen stehen, werden sie ihre Eltern mitziehen. Daraus könnte ein neuer Impuls für unsere Städtepartnerschaft entstehen.
Autor: Kai Kricheldorff
