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15. März 2017

Elsass

Auch zwei Bewerber aus dem Elsass wollen bei der Präsidentschaftswahl antreten

Elsässische Querdenker wollen bei der Präsidentenwahl antreten.

  1. Frankreichs Glück liegt in der Region, meint Paul Mumbach. Foto: Fritsch

  2. Will zeigen, dass die Ökologen noch da sind: Antoine Waechter Foto: Manuel Fritsch

DANNEMARIE. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April wollen auch zwei Bewerber aus dem Departement Haute-Rhin im Elsass antreten. Ende der Woche zeigt sich, ob sie die Voraussetzungen erfüllen, um als "kleine Kandidaten" gegen vier Große antreten zu dürfen.

Vor acht Jahren schaffte es die Gemeinde Dannemarie kurz in die Schlagzeilen. Eine englische Touristin war über Nacht im Rathaus eingeschlossen worden. Sie hatte es irrtümlich für ein Hotel gehalten. Daraufhin ließ Bürgermeister Paul Mumbach die Aufschrift Hôtel de Ville durch Rathaus und Town Hall ergänzen – so kam ein wenig internationales Flair in das 2500 Einwohner zählende Dorf zwischen Belfort und Mulhouse. Mumbach gab der BBC ein Interview, aber der Ruhm des Ortes hielt nur kurz. Doch wenn es nach Mumbach geht, wird sein Dorf, zumindest er selbst, bald wieder auf der großen Bühne stehen. Der 65-Jährige will bei der Präsidentschaftswahl im April antreten.

Um als Kandidat zugelassen zu werden, muss er bis zum 17. März 500 Unterschriften gewählter Volksvertreter präsentieren, die ihn als Kandidaten empfehlen. Bürgermeister und regionale Abgeordnete, aber auch französische Europaabgeordnete können für einen Kandidaten eine Unterschrift leisten.Mumbach hat 2016 eine Partei gegründet: les Fédérés. "Das Problem, das wir in Frankreich haben, ist keine Frage des Kandidaten", sagt er. "Ob rechts oder links, ist egal, sie haben ja alle die gleichen Ausbildungsstationen durchlaufen." Mumbach beklagt, dass die etablierten Politiker in der zentralistischen französischen Republik nicht mehr auf Tuchfühlung mit dem Volk gehen würden. Alle Macht gehe von Paris aus, regionale Unterschiede würden eingestampft. Er dagegen sei bürgernah, und Ideen habe er auch. Das Gelände der alten Peugeot-Fabrik in Dannemarie will er in Wohnraum umwandeln, eine Methangasanlage schwebt ihm vor, die die Abfälle der Landwirtschaft nutzt, und in Mulhouse hat Mumbach einen Verein gegründet, der Pflege- und Hilfsdienste organisiert. Lokal und persönlich, das ist seine Vision.

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Beide kämpfen tapfer,

obwohl sie chancenlos sind

Mumbach weiß, dass er bei der Wahl keine Chance hat, dennoch zählt er tapfer auf, was er alles tun würde. Zwei Drittel des Staatsetats sollen an die regionale Verwaltung fließen, Volksentscheide sollen die Bürger in den politischen Prozess mit einbeziehen, die Kompetenzen der Pariser Regierung auf ein Minimum beschränkt werden. Mumbach will nichts Geringeres, als das ganze System zu ändern. Anstoß zu seiner Kandidatur gab die Zusammenlegung des Elsass mit den Regionen Champagne-Ardenne und Lothringen 2016. Diese Zentralisierung habe die regionalen Kräfte aufgerüttelt. "Wir haben 35 000 Bürgermeister in Frankreich", sagt er. "Und drei Viertel von ihnen haben die Schnauze voll."

Sie sollen seine Basis bilden. Den Bürgermeistern vom Land hat er sein Programm geschickt, sich telefonisch und per Mail vorgestellt. Dass er bislang kaum offizielle Unterstützer hat, ficht ihn nicht an. "Die Bürgermeister haben das Vertrauen in die Politik verloren. Sie sind so sauer, dass sie niemanden mehr unterstützen wollen." Die Zeit, sie zum Umdenken zu bewegen, wird allerdings knapp. Sie läuft am Freitag um 18 Uhr aus.

Vor dem gleichen Problem steht Antoine Waechter, Kandidat der Unabhängigen Ökologischen Bewegung (MEI). Er baut aber ganz auf die beiden großen Parteien. "Wir haben bei den Republikanern und den Sozialisten angefragt und hoffen nun, dass sie uns die nötigen Stimmen zugestehen", sagt er. Beide Parteien hätten ein Interesse, ihn als zusätzlichen Kandidaten zu unterstützen. Zum einen sei er chancenlos und daher keine Gefahr. Er böte aber ein Argument in Verhandlungen mit großen Interessensgruppen. "Wenn die ökologische Idee offiziell präsent ist, kann sie als ein Gegengewicht zu rein wirtschaftlichen Interessen dienen." Linke oder rechte Politik interessiert Waechter nicht. Ihm geht es einzig darum, ökologische Überlegungen von der Politik aufgegriffen zu sehen. Daran arbeitet er seit Jahrzehnten unverdrossen.

Der 68-Jährige setzt auf Maulwurfsarbeit. "Die erste Runde der Wahl gibt ein Bild davon, was die Franzosen wollen", sagt er. "Wenn da niemand die Fahne der Ökologie hochhält, dann passiert in dieser Richtung in den nächsten fünf Jahren auch nichts." Von den Grünen, von denen er sich Mitte der 90er-Jahre getrennt hatte, sei bei dieser Wahl nichts zu erwarten. Seine MEI habe zwar Anfang 2016 noch einen gemeinsamen Kandidaten mit ihnen aufstellen wollen. Allerdings war er dann nicht sonderlich überrascht, als der grüne Kandidat kürzlich zu Gunsten des linken Benoît Hamon aufgegeben hat.

1988 kandidierte Waechter schon einmal – für die Grünen. Im ersten Wahlgang erhielt er vier Prozent. Damals hätte er einen Ministerposten bekommen können, doch darum ging es ihm nicht. Waechter will eine Idee verteidigen, keine Karriere machen. Für ihn ist die Wahl mehr als eine reine Personalentscheidung. Es gehe um eine Vision des Landes. "Mein Ziel ist nicht ein gutes Ergebnis. Ich will zeigen, dass die Ökologie noch da ist."

Autor: Manuel Fritsch