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16. Juli 2012
Eltern machen Mut mit Einblick in den Alltag
Netzwerk unterstützt Familien mit behinderten Kindern, indem es an ganz persönlichen Erfahrungen teilhaben lässt.
LÖRRACH. Imke und Klaus Kämpf hatten Glück. Als vor sieben Jahren ihre Tochter Charlotte mit Down-Syndrom zur Welt kam, stellte die Hebamme Kontakt zu einer anderen Familie her, die ein fünfjähriges Mädchen mit dieser Behinderung hatte – und zwischenzeitlich zwei weitere Kinder ohne Behinderung. "Das war schon besonders, so eine Familie zu besuchen und zu sehen, wie das Leben irgendwann einmal aussieht; das hat mir viel Mut gemacht hat", erinnert sich Imke Kämpf. Damit andere nicht von Zufällen abhängig sind, gründete sie das Elternnetzwerk für Familien mit behinderten Kindern mit.
Der Initiative, die aus Elterngruppen der Lebenshilfe Lörrach hervorgegangen ist, gehören derzeit 13 Familien an. Ihre Kinder haben ganz unterschiedliche Behinderungen: Autismus, Rett-Syndrom, Down-Syndrom, unklare Entwicklungsverzögerungen. Die Familien verbindet die Erfahrung, nach einer vorgeburtlichen Diagnose, unmittelbar nach der Geburt, im Laufe der ersten Lebensjahre oder nach Unfall oder Krankheit mit der Behinderung eines Kindes konfrontiert zu sein. "Die erste Zeit ist geprägt von großer Trauer, Unsicherheit und Angst", berichtet Imke Kämpf. Dieser Ausnahmezustand erfordere viel Unterstützung und Beratung. Ergänzend zur professionellen Hilfe von Ärzten und Therapeuten will das Netzwerk Familien in dieser Situation begleiten und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Während Experten Ausschnitte wahrnehmen, haben sie als Betroffene das Ganze im Blick. Und nur sie verfügen über die ganz persönliche Erfahrung mit einem behinderten Kind. Sie wollen zuhören, Informationen geben zu Selbsthilfegruppen oder Kinderbetreuung, von ihren Erfahrungen berichten und vor allem Einblick geben in das Leben, zeigen, wie der Alltag mit einem behinderten Kind aussieht und funktioniert. "In aller Regel finden Familien da hinein und empfinden das Zusammenleben mit einem behinderten Kind dann aller Probleme zum Trotz als Bereicherung", weiß Imke Kämpf.
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Das Angebot des Netzwerkes richtet sich an Schwangere mit einer pränatalen Diagnostik, Eltern, die nach der Geburt mit der Behinderung konfrontiert sind, Alleinerziehende, Väter, die den Austausch mit anderen Vätern suchen, Familien, die ein behindertes Kind in Pflege nehmen, und Großeltern. Die Mitglieder des Netzwerkes treffen sich regelmäßig, um sich untereinander kennenzulernen und zu wissen, wer auf welche Erfahrungen zurückgreifen kann. Leider sei es bislang noch nicht gelungen, eine fremdsprachige Familie einzubinden, berichtet Imke Kämpf, weshalb das Netzwerk betroffene Familien sucht, die zweier Sprachen mächtig sind. Bei Anfragen sei auch in Ferienzeiten eine zeitnahe Rückmeldung gewährleistet. Die Kontaktfamilie leitet die Ratsuchenden an die Familie mit dem entsprechenden Erfahrungshintergrund weiter. Und wenn das Netzwerk nicht mehr weiter weiß, zieht es natürlich professionelle Unterstützung bei.
Wie ermutigend der Kontakt zu einer anderen Familie mit behindertem Kind für Familie Kämpf vor sieben Jahren war, ist auch daran erkennbar, dass Charlotte zwischenzeitlich einen Bruder hat, den sechsjährigen Carel.
Autor: Daniel Gramespacher





