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20. Oktober 2015

Die ersten drei sind am Netz

Einweihung der ersten drei Windräder auf der Prechtaler Schanze / Drei weitere sind in Bau.

  1. Zur offiziellen Inbetriebnahme war der obere Teil des Windrades am Standort Haselberg nicht zu sehen. Die Rotorblätter versteckten sich im Nebel. Foto: Roland Gutjahr

  2. Projektleiter Stefan Böhler (2.v.l.) schaltet mit Minister Franz Untersteller die Anlage symbolisch ein. Foto: Fotos: Roland Gutjahr

GUTACH i.K./ELZACH. Wenn man in letzter Zeit das Elztal herauffuhr, konnte man den täglichen Baufortschritt an den drei Windrädern auf der Prechtaler Schanze verfolgen. Am Freitag war es dann soweit, "ein Projekt mit sehr langem Atem", wie es der Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Franz Untersteller, bezeichnete, wurde in Betrieb genommen.

Tristes Herbstwetter mit Nebel und Kälte erwartete am Landwassereck, wo für rund 50 geladene Gäste Busshuttle zu den Windrädern angeboten wurden. Zu einem "großen Bahnhof" mit nicht wenig Prominenz hieß Ulrich Kleine, Vorstand des E-Werkes Mittelbaden, zu dieser ersten Inbetriebnahme einer Windkraftanlage seines Unternehmens willkommen. Bezeichnend für das Wetter, aber erheiternd für die Gäste, meinte Dr. Kleine: "Sie müssen mir schon glauben, dass oben an der Anlage auch Flügel dran sind". Der obere Teil der insgesamt 200 Meter hohen Windanlage war im Nebel verschwunden.

Nach Wasserkraft und Sonnenstrom habe das E-Werk Mittelbaden nun mit dem Projekt "Prechtaler Schanze" insgesamt 18 Millionen Euro in sechs Windkraftanlagen inklusive Umspannanlage investiert, hörte man von Kleine. Er dankte den Grundstückseigentümern, allen Angrenzern, bis hin zu den Bankvertretern, besonders aber dem "Macher vor Ort", Projektleiter Stefan Böhler.

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Von einem langen Atem bei der Projektverwirklichung sprach Umweltminister Franz Untersteller. 2001 wurden die ersten Pläne über Windkraft an der Prechtaler Schanze erstellt. Hohe Hürden waren zu überwinden, hierbei unter anderem das Natur- und Vogelschutzgebiet inklusive Auerhuhnkorridor auf Oberprechtäler Gemarkung, was für alle drei Anlagen eine Verschiebung vom vermeintlichen optimalen Standort mit sich brachte. "Hier wurde der Beweis erbracht, dass das Wappentier des Schwarzwaldes, das Auerhuhn, zur Windkraft passe", unterstrich der Minister. Trotz der gewaltigen finanziellen Summe, die für die Gesamtanlage im Raum stehe, seien die Windräder die kostengünstigste Alternative der Energiewende. Die drei Anlagen erreichen laut E-Werk Mittelbaden eine Jahresproduktion von 19 Millionen Kilowattstunden, ausreichend für 7000 Haushalte – die bislang leistungsstärkste Anlage im Schwarzwald.

Wenn man dann noch die regionale Wertschöpfung des Projektes ins Kalkül mit einbeziehe, könne man nur von einem erfolgreichen Objekt sprechen, meinte der Minister der Grünen. Und sagte, er würde gerne auch den zweiten Teil der Anlage, die im Moment im Bau befindlichen drei weiteren Windräder, als Minister – also nach der Landtagswahl 2016 – in Betrieb nehmen. Auch Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer sieht in den Anlagen einen bedeutungsvollen Pfeiler hinsichtlich des Energieumstieges im Ortenaukreis.

Mühlenbachs Bürgermeister Karl Burger gab allerdings zu bedenken, dass Flächennutzungsplanverfahren für die Kommunen mit hohen Kosten und großem Zeitaufwand verbunden seien. Beim Thema Bürgerbeteiligung erinnerte er daran, dass zwar der überwiegende Teil der Mühlenbacher hinter dem Projekt stand, es aber auch einige kritische Stimmen gegeben hatte. "Nicht jeder schreit Hurra, wenn Windmühlen in der schönen Schwarzwaldlandschaft stehen", betonte er. Um eine noch größere Akzeptanz – auch bei den Feriengästen – zu erreichen, schlug er vor, auf der Prechtaler Schanze einen "Energiepfad" auszuweisen und Führungen anzubieten.

Wie bestellt zog am Ende der Ansprachen der Nebel von der Windanlage "Schanze" weg, genau zu diesem Zeitpunkt, da Minister Franz Untersteller und Projektleiter Stefan Böhler die Rotoren per Knopfdruck in Bewegung setzten.

Autor: Roland Gutjahr