Dreimal volles Haus – zu Recht

Thomas Steimer

Von Thomas Steimer

Fr, 09. Januar 2015

Elzach

Elzacher Laiengruppe "Hond & Gosche" zeigte das Stück "Bin still, Bue!" und erinnerte viele Besucher an eigene Familienfeiern.

ELZACH. Neues Genre, gewohnte Top-Qualität, dreimal volles Haus: Elzachs Laienspielgruppe "Hond & Gosche" läutete das Jahr 2015 einmal mehr mit herausragenden Theaterleistungen ein. Das Ensemble um Regisseur Dietmar Holzer gab an drei aufeinanderfolgenden Abenden das Volksstück "Bin still, Bue!" von Fitzgerald Kusz.

Hatte die Truppe stets Boulevardkomödien auf die Bühne gebracht, so wagte sich Holzer diesmal an ein Volksstück: "Schweig, Bub!", so der Originaltitel, wurde seit 1976 unzählige Male aufgeführt und in 13 deutsche Dialekte sowie ins Flämische übersetzt. Dietmar Holzer hat eigens für "Hond & Gosche" eine alemannische Übersetzung angefertigt, die ein eigenes Lob verdient, zeigte sich doch darin, wie ausdrucksstark und facettenreich der hiesige Dialekt sein kann.

"Bin still, Bue!" mag für manchen Besucher, der die Boulevardkomödie bevorzugt, etwas fremd gewesen sein. Aber in den herrlich überzeichneten Charakteren wird so mancher die eigene Verwandtschaft und vielleicht auch sich selbst wiedererkannt haben. Und die Umsetzung durch "Hond & Gosche" war hervorragend, so dass es vom hintergründigen Humor bis zur hemmungslosen Zote immer etwas zu lachen gab.

Zum Inhalt: Zur Konfirmation von Fritz haben seine Eltern Hans und Gretl die Verwandtschaft zu sich nach Hause eingeladen: Den trinkfesten Onkel Willi, seine essfreudige Frau Anna, Cousine Hannelore (welche ohne Mann angereist ist und deswegen mit fortschreitender Zeit von den anwesenden Herren immer unverblümter angebaggert wird), Gerda (eine Bekannte, die hochdeutsch spricht und gerne etwas Besseres sein möchte) sowie deren Gatte Manfred (ein devoter und – zumindest nach außen hin – ebenso korrekter wie spießiger Beamter).

Wie schon der Titel vermuten lässt, steht Fritz an seinem Ehrentag keineswegs im Mittelpunkt. Seine Konfirmation nehmen die Anwesenden lediglich als Anlass zum gemeinsamen Essen und Trinken, Tratschen, über Krieg, Finanzpolitik, menschliche Verdauung, Tod und weiteres mehr zu philosophieren. Man stichelt, streitet, unterhält sich und redet doch immer wieder aneinander vorbei. Will Fritz mal etwas einwerfen, so wird er mit "Bin still, Bue, un iss!" zum Schweigen gebracht. Mit der Dauer des Festes steigt der Konsum an Hochprozentigem und damit auch die Lust am Streiten, während die Hemmungen und das Niveau der Witze immer mehr sinken. Zwischendurch kommt es zu einem veritablen Ehekrach mit Versöhnung danach und am Ende haben alle Protagonisten einen ganzen Tag miteinander verbracht, obwohl sie sich eigentlich gar nicht mögen.

Eine Besonderheit des Stücks: Es kennt keine Hauptrolle im eigentlichen Sinn. Alle Darsteller sind fast ununterbrochen auf der Bühne, haben viele Einsätze und müssen ansonsten ihre Rolle nonverbal ausdrücken: Sei es eine gerunzelte Stirn, ein pikierter, gelangweilter oder erregter Gesichtsausdruck und die entsprechende Körpersprache. Eine besondere schauspielerische Herausforderung, die die Laiendarsteller hervorragend meisterten. Sie verdienen durch die Bank Bestnoten: Alexander Bartholomä gab den bärbeißigen Onkel Willi mit ebensolcher Souveränität wie Ute Becherer die spitzzüngige Tante Anna. Überzeugend auch Sonja Kuhn als überkanditelte Gerda und Daniel Ammon als deren behäbiger Mann Manfred. Sarah Reuschel konnte als stets flirtbereite Hannelore brillieren; ganz hervorragend auch Alexander Wehrle als frustrierter Familienernährer Hans und Melanie Garnelis als Übermutter Gretl.

Und schließlich Lukas Dufner: Er meisterte sein Theaterdebüt als Konfirmand Fritz mit Bravour. Sehr schön auch, dass der Gongschläger des Ensembles, Jens Neubauer, eine kleine Nebenrolle erhielt, die er ebenfalls sehr gut bewältigte.

Drei ausverkaufte Vorstellungen, schallendes Gelächter und tosender Applaus waren der verdiente Lohn für diese hervorragende Leistung. Auch Bühnenbild, Kostüme, Makeup und die Hallendekoration, die den Stil der 1970er Jahre wiederaufleben ließen, verdienen, gewürdigt zu werden. Einmal mehr zeigte "Hond & Gosche" alemannisches Laienschauspiel auf hohem Niveau mit hintergründigem Humor.