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04. Februar 2012
Eiskalt ganz früh unterwegs
Manche Menschen müssen auch bei Minusgraden draußen arbeiten, zum Beispiel Zeitungszusteller.
ELZACH. Auch bei zweistelligen Minustemperaturen müssen manche Menschen im Freien arbeiten. Die BZ hat gestern einen von ihnen begleitet – von drei bis fünf Uhr morgens.
Am kältesten wird es meistens erst kurz vor’m Morgengrauen: Das weiß auch Erwin Spitz. Er ist einer von fünf Zeitungszustellern in Elzach. Die fünf stehen sechs Mal in der Woche nachts um drei an der Ablagestelle Schmiedgasse. Auch gestern. Der Senior der fünf ist Erich Fischer, 80, und seit 1993 dabei. Erwin Spitz hat bald "Zehnjähriges" und ist 73. Die anderen drei sind Alois Becherer, Fritz Merkle (derzeit krank) und Klaus Merkle.Der Fahrer, der die gut verpackten Zeitungen bringt, war schon da. Jetzt wird sortiert: Viel BZ, einige andere Tageszeitungen und viel Arriva-Post. Gut eingepackt sind auch die Zusteller, obwohl das Thermometer "nur" knapp 10 Grad minus anzeigt. "Gestern war’s kälter wege’m Wind", sagen die Zeitungsmänner. Ansonsten sind sie wenig beeindruckt vom grimmigen Wetter. Sie habe auch gar keine Zeit dazu. Denn nach dem sorgfältigen Sortieren geht’s gleich los an die Briefkästen. 130 Zeitungen und etwa 70 Briefe hat heute Erwin Spitz an die Adressaten zu bringen. Rund zwei Stunden braucht er dafür, teils zu Fuß und mit "Handwägili", teils mit seinem Auto.
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Der Frost frustet ihn nicht, zumal es ja ganz trocken ist. Glatteis oder viel Schnee wäre problematischer: "Donn muesch halt schindere." Die Zusteller sind um diese Zeit – fast – die einzigen Menschen, die im Städtle schon auf den Beinen sind: Ein einsamer Lkw-Fahrer lädt ab, die Bäcker sind schon am Werk, selbst die Metzger dürfen sich nochmal im Bett rum drehen. Und die B 294, die man tagsüber oft kaum überqueren kann wegen des ständigen Verkehrs, liegt einsam und ganz still.
Schmiedgasse, Grabenstraße, Gerbergasse, Schießgraben...: Spitz kennt seine Route im Schlaf. Flink und routiniert verteilt der Rentner aus Prechtal Zeitungen und Post. "Denke" müsse man schon dabei, sich konzentrieren, weiß er, sonst wird’s nix. Immerhin: Viele Häuser sind gut beleuchtet, die Briefkästen gut erreichbar angebracht. Wie war’s eigentlich damals, als die Stadt Strom sparen wollte und das Städtli nachts komplett verdunkelte? "Sell war ä Katastroph’. Mir sin uf’s Rothus un hän protestiert." Später wurde die Maßnahme ja wieder aufgehoben.
Es bleibt windstill. Vier Uhr. Ein anderer "Papier-Mann": Der Fahrer vom Südwestvertrieb bringt mit dem Auto Zeitungen und Illustrierte für die drei Schreibwarengeschäfte und die BDH-Klinik.
Erwin Spitz ist jetzt im Gewann Brühl. Vom freien Schwimmbadgelände her pfeift ein eisige rWind. Aber hier erledigt der Zusteller überwiegend mit dem Auto seine Arbeit – aussteigen, einsteigen-aussteigen : "Im Auto isch es warm, do konnsch dich wieder erhole" von der Kälte. Er denkt an diesem frostigen Februarmorgen an die schönen Seiten seines Jobs: "Im Summer, do isch es herrlich, wenn d’Vögel pfiffe …" Das dauert noch ein Weilchen. Weitere "sibirische Nächte" sind angekündigt. Die schrecken Spitz & Co. aber nicht. Wenn er fertig ist mit seiner "Frühschicht", kauft er eine Brezel; dazu gibt’s zuhause, im Bergleweg, Tee und Honig. Und die BZ. Denn eine muss – wenn er alles richtig gemacht hat – für den Austräger übrig sein. Und er wird mit seiner Arbeit noch vor dem Morgengrauen fertig sein, wenn’s am kältesten ist.
Autor: Bernd Fackler
