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18. Juli 2017

Gute Noten für Elzach

Europacup im Paracycling / Zwei Topsportler ragen heraus / Weniger Starter als 2015 beim Weltcup.

  1. Nach der ersten Runde ging es bei den Handbikerinnen mit Dorothee Vieth (Mitte) noch eng zu. Foto: fotos: Bayer

  2. Beim Start der Dreiräder: Weltmeister Hans-Peter Durst und sein Freund Steven Peace aus den USA. Foto: Nikolaus Bayer

  3. Zielspurt im Hauptrennen: Steffen Warias siegt vor Tobias Vetter. Foto: Nikolaus Bayer

ELZACH. Der Radsportverein Concordia Prechtal (RVC) bleibt beim Weltradsportverband UCI im Gespräch. Dafür sorgte er am Wochenende mit der Ausrichtung des sechsten Europacups im Paracycling. Mit 64 Radsportlern gab es zwar weniger Meldungen als beim Weltcup 2015, doch waren deutsche Spitzenathleten und Fahrer aus sieben weiteren Nationen am Start. Auf dem 3,2 Kilometer langen Straßenkurs gab es sehenswerte Rennen. Und wie gewohnt lobten Sportler und Trainer die gute Rennatmosphäre in Elzach.

Eine große Sportlerin wählte Elzach sogar für ihre letzten Rennen im deutschen Nationalteam: Dorothee Vieth, die Handbikerin aus Hamburg. 2011 war sie erstmals Weltmeisterin, 2012 in London Silber- und 2016 in Rio Paralympics-Goldmedaillengewinnern im Zeitfahren. Nach einem unverschuldeten Unfall hatte sie sich, die professionell auch Geige spielt, mit großer Selbstdisziplin und bis 25 Wochenstunden Training dem Radsport verschrieben. In einem umgebauten Rollstuhl gewann sie in Holland einen Marathon und machte so auf sich aufmerksam, erzählte sie. In Elzach, zum Abschluss, hat sie nun beide Rennen – Bergzeitfahren am Samstag und die Straßenkonkurrenz – vor einer jungen Schweizerin gewonnen. Gleich verbunden mit der Ankündigung, bei einem Weltcup gerne noch mal nach Elzach zu kommen – wenn die Form stimmt.

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Der andere große Sieger des Wochenendes war der Tübinger Steffen Warias, ebenfalls Paralympics-Sieger in Rio. Nach seinem Husarenritt auf die Wilhelmshöhe (BZ berichtete) gewann er am Sonntag auch das Straßenrennen. Mit einem Durchschnittstempo von 43 km/h distanzierte er über 52 Kilometer seine Konkurrenten und bot dem Publikum an der Hauptstraße eine rasante Spurtentscheidung gegen seinen Münchner Teamkameraden Tobias Vetter. Erste Gratulanten an der Absperrung waren Mitglieder seines Fanclubs, die ihn 2012 auch schon nach London begleiteten.

Erneut in Elzach war Hans-Peter Durst aus Dortmund. Er hatte in Rio ebenfalls Gold geholt, vor Steven Peace aus San Diego in Kalifornien. Der war ebenfalls am Start und nahm Revanche. Nach hartem Duell und Distanzierung vor der Schlussrunde holte der Amerikaner wieder auf und gewann per Zielfotoentscheid.

Leistungsgedanke erschwert Teilnahme stark Behinderter

Nicht weil er jetzt mal verloren hatte, äußerte sich Durst gegenüber der BZ danach etwas besorgt. Der Leistungsgedanke nehme auch im Behindertensport stark zu, wo dieser doch etwas mehr sei, sagte er. Die soziale Teilhabe gerade für höhere Behinderungsgrade, bei denen eine Dauerbegleitung nötig ist, werde erschwert. Man sollte nicht vergessen, wie viele durch den Sport zum Leben zurückgefunden haben. Es freue ihn daher besonders, dass in Elzach auch nicht so starke Fahrer sich trauen mitzufahren, weil sie hier stets willkommen seien.

Entlang der Strecke zeigten viele Zuschauer ihr Interesse und verbrachten den Sonntag in den Cafés oder auf Sitzbänken an der Hauptstraße. Bei jeder Durchfahrt empfing die Fahrer anfeuernder Beifall. Timo Kleinwächter und Peter Renner sprachen bei der Siegerehrung von einer für Tandems anspruchsvollen Strecke mit vielen Kurven und Antritten. Doch bei der tollen Stimmung habe es einfach Spaß gemacht.

Gleiches sagten die beiden belgischen Tandemfahrerinnen Griet Hoen und Annaleen Monsieur: "See you again, next year." Außer ihnen gab es bei den Handbikern gleich einen dreifachen ausländischen Sieg. Dritter wurde Heinz Frei aus der Schweiz, der schon das Zeitfahren gewonnen hatte. Davor landeten die Holländer Mitch Valize und Johann Reekers einen Doppelsieg, so dass bei den gut besuchten Siegerehrungen auf dem Schulhof auch einmal "der Wilhelmus", die Hymne der Niederlande, erklang. Bei der Ehrung warb Frei bei den Sportlern dafür, die Veranstaltung weiterzuempfehlen.

Tobias Engelmann, Teammanager im Deutschen Behindertensportverband, begründete die geringere Meldezahl mit der Weltmeisterschaft in Südafrika, auf die Trainingsaufenthalte und beschränkte Verbändeetats ausgerichtet seien. Die Europacups dienen den Trainern zur Talentsichtung sowie zur Messung der Leistungsstände, wofür die Bergstrecke in Prechtal sehr aussagekräftig sei. Die WM nächstes Jahr findet in Italien statt, was die Prechtäler natürlich wüssten. RVC-Chef Klaus Holzer kündigte für Juli 2018 schon das nächste Paracycling an, ob es ein Weltcup sein werde – darüber lächelte er nur und schwieg. Sein Dank galt den 50 Helfern des RVC und 60 Einsatzkräften aus Feuerwehr und vier DRK-Ortsvereinen, die eingebunden waren. Bürgermeister Roland Tibi lobte den RVC, ohne den es Europa- und Weltcups in Elzach nicht gäbe. Die Stadt habe sich erneut von ihrer besten Seite gezeigt.

Mehr Fotos unter http://www.badische-zeitung.de >Elzach bzw. Fotogalerien

Autor: Nikolaus Bayer