"Hä? Du Labbeduddel!"

Helmut Häringer

Von Helmut Häringer

Do, 03. März 2016

Elzach

Die "Badischen Drei" boten im Kellertheater der Lebenshilfe außerordentlich Vergnügliches.

ELZACH. Im Kellertheater der Lebenshilfe boten die "Badischen Drei" ein sehr vielseitiges Programm für Badener und Ausländer jeder Art mit Grundkenntnissen der alemannischen Sprache. Allerhand kleine Geschichten, Lebensweisheiten und Erkenntnisse über das Leben der Badener hatten sie dabei, aber auch badische Lieder zum Mitsingen, halt "Mittle us’m Läbe".

Obwohl auch viele Elzacher nicht wissen, wo das Kellertheater der Lebenshilfe ist, war der Saal bis auf den letzten Platz besetzt. So musste der Hausmeister Fritz (Christian Schulz) zuerst einmal für die nötige Sicherheitseinweisung sorgen. Nachdem festgestellt war, wer "Seitensitzer Tür", "Mittelsitzer" und "Seitensitzer Wand" war, und wie man als Polonaise im Gefahrenfall den Saal verlässt, konnte das Vergnügen beginnen. Zusammen mit seinem Mit-Badner Oskar (Bernhard Asal) stellen sie sich dann auch musikalisch vor.

Der Dritte der "Badischen Drei" hieß Edgar Schnattermann, eine Marionette aus badisch-alemannischem Holz (bewegt von Bernhard Asal). Edgar plauderte locker von seiner Fensterbank über das Leben in seiner Heimat. Mal mit, mal ohne seinen Dackel Lumpi. Wie weltoffen sie doch sind hierzulande: "Mir hen nix gege Fremdi, solang si von do sin" oder woher die Alemannen ihren Dialekt haben: So sollen sie die Letzten gewesen sein damals, als der Liebe Gott die Dialekte verteilte: "S’isch nix mehr übrig, dann schwätze ihr halt so wie ich" soll er entschieden haben. Das würde vielleicht auch das mehr an Sonne in Baden oder die lockere Einstellung zum Leben erklären?

Edgar Schnatermann folgt den Empfehlungen seines Arztes: " Iss mehr Salat!" auf seine Weise: "Mehr Wurschtsalat, mehr Fleischsalat". Auch gesanglich hatten die Badischen Drei das Thema Gesundheit im Programm. Mit dem Publikum studierten sie den Gesundheits-Rap ein: "Mumps, Arthrose, Schüttelfrost und Pfeiffer’sches Drüsenfieber", gesungen als Kanon, wirkten da gar nicht mehr bedrohlich, sondern machten sogar gute Laune. Auch badische Hundehalter haben angeblich die Ruhe weg, so Oskar über seinen Dobermann Rambo: "Normal bisst er nit, aber mir sin versichert. Do ware mer schu froh drum".

Mit Unterstützung des Publikums machten sich Oskar und Fritz auf die Suche nach besonderen Dialektwörtern wie "Molli" (Kopf) oder "Dungili" (Brot oder Kuchen im Kaffee oder Tee eintunken) und Schimpfwörtern wie "brettschelber Sadon" (sturer Bock). Auch die Vorteile des hiesigen Dialekts zeigten die Drei auf: Wie treffender sei doch "Labbeduddel" statt "antriebsloser Mensch" oder wie praktisch und kurz das "Hä?" statt "Wie bitte?". Auch Geschichten über das Verhalten ihrer Mitmenschen hatten sie dabei, egal ob die Jahreshauptversammlung von Rot-Weiß oder die Analyse der Lacher ihrer Zuschauer: Das alles sorgte für Wiedererkennen und gute Stimmung. Gut kamen auch alemannisches Liedgut an, egal ob das Schnapslied ("Drum schenk mer noch e Wiße i...") oder das bekannte Elsässer Lied vom "Hans im Schnogeloch", der mit nichts zufrieden ist. Noch mehr Applaus gab es beim gemeinsam gesungenen "Badnerlied", von einem Besucher ergänzt um die Elzacher Strophe: " In Elze trinkt mer Löwenbier..". Mit "Rock me baby" (englisch) und "In Mueders Stübili" (alemannisch) war es dann trotz stehendem Applaus vorbei mit dem Blick ins badisch-alemannische Leben.

Mit dem Programm "Mittle us’m Läbe" gewannen die Badischen Drei die Herzen der Besucher, viel Applaus und reges Mitmachen zeigten das. Dass man aber nicht als Badener geboren sein muss, sieht man an Christian Schulz, seit 40 Jahren wohnhaft am Kaiserstuhl, geboren in Berlin und aufgewachsen in Stuttgart, er ist ein akzeptierter Badener. Seine Kollegen Bernhard Asal und Edgar Schnattemann sind sowieso echte Badener Gewächse.