Wo die Elz sich ihre Bahn bricht

Sylvia Sredniawa

Von Sylvia Sredniawa

Do, 02. August 2018

Elzach

Auf Einladung der Badischen Zeitung und des Schwarzwaldvereins ging es mit rund 50 BZ-Lesern im Prechtal durchs Tal und auf die Höhen /.

Wer nicht mit dem Bus kam, stellte sein Auto ans Freibad in Oberprechtal, allerdings nicht, um hier ins kühle Nass einzutauchen, sondern um sich auf eine etwa siebenstündige Tour zu begeben. Die Oberprechtäler Schwarzwaldvereinsfreunde rund um ihren Vorsitzenden Bernhard Weber hatten eine gemischte Tour aus einem zunächst leicht ansteigenden Weg entlang der Elz, dann etwas deutlicher bergauf zum Kapf und schließlich recht steil runter zurück zum Ausgangspunkt ausgesucht. Insgesamt etwa 11,5 Kilometer Wegstrecke. Eine zauberhafte Gegend erwartete die Wanderlustigen.

Die Wanderung lebte aber nicht nur von der Schönheit der Natur, sondern auch von den vielen Informationen, welche die Wanderführer parat hatten. Nahezu der komplette Vorstand und weitere Vereinsmitglieder waren unterwegs und an den zwei Stationen im Einsatz. Wandernd erfuhren die in Mehrzahl aus dem Raum Freiburg und dem Markgräflerland kommenden flotten Senioren (und ein paar Jüngere sowie zwei Hunde), was es mit der historischen Konstruktion eines Kondominats auf sich hat: Kaum vorstellbar, wie die Bevölkerung mit jährlich wechselnden Herrschaften, zwischen dem katholischen Vorderösterreich und dem evangelischen Markgrafen, samt Wechsel der Religionszugehörigkeit, zurechtkam. Bei einem kurzen Stopp ließen sich die Teilnehmer eine ausgiebige Besichtigung der Hammerschmiede ans Herz legen und erfuhren ein Stück weiter im Tal, dass einst Ernest Hemingway im Oberprechtäler "Rössle" Station machte.

Eine ausgedehnte Pause gab es im Sägewerk Läufer, wo der Chef Ludwig Läufer und sein Neffe Sebastian Disch den Teilnehmern alles Wissenswerte rund um die Holzverarbeitung berichteten. Rund 15 000 Festmeter Nadelbaumholz aus dem Schwarzwald werden hier von 15 Mitarbeitern zu Brettern, Sägemehl, Hackschnitzeln und dem Grundstoff für Rindenmulch verarbeitet. Im Schopf des Sägewerks griff die in zwei Gruppen geteilte Teilnehmerschar (flotte und gemächlichere Gruppe) angesichts der steigenden Sommertemperaturen erfreut zu den vom Schwarzwaldverein bereitgestellten Getränken.

Dann verließen die Wanderer den Lauf der Elz, die hier erst wenige Kilometer seit ihrer Quelle nahe der europäischen Wasserscheide hinter sich hat, und begaben sich bergauf. Immer wieder boten sich neue Blicke auf Täler und Berge. Selbst der menschengemachte Orientierungspunkt der Windkraftanlagen auf der Prechtaler Schanze schien mitzuwandern – oder doch eher verblüffend die Position zu wechseln? Fridolin Joos und Robert Weiner erzählten bei dieser Gelegenheit auch, wie das Prechtal zu seinem Namen gekommen sein könnte: nämlich weil die Elz sich, vom Hinterprechtal und über Grund kommend, bis Oberprechtal und dem weiter talwärts liegenden Prechtal einmal um den Berg bricht. Zumindest ist das eine mögliche Deutung.

Aufwärts ging’s vorbei an Fichten, Tannen, Douglasien und Lärchen, hohem Farn und Gräsern mit Schmetterlingen – zunächst immer der blauen Raute folgend, dann dem Zeichen des Zweitälersteigs.

Da plötzlich lockte nicht Vogelgezwitscher, sondern der Klang eines Akkordeons weiter. Nach dem letzten Anstieg stand die Kapfhütte vor den Wanderern und davor saß Thomas Joos, Sohn des Wanderführers, und spielte flotte Weisen. Wer wollte, konnte mitsingen, denn auch Liederbücher lagen aus. Allerdings stand den meisten zunächst eher der Sinn nach etwas Flüssigem, einer Grillwurst oder Heidelbeerkuchen – auch hier hatte der Schwarzwaldverein, der die Kapfhütte in der Wandersaison jeden Sonntag öffnet, perfekt vorgesorgt.

Nach reichlich einer Stunde trennte man sich von diesem magischen Ort, dessen aufgestelltes Kreuz an traurige Stunden einer Familie erinnert und die heutigen Besucher des 877 Meter hohen Berges mahnt, wie glücklich man sich schätzen kann, in solcher Gegend zu leben und diese, solang es nur irgendwie die Gesundheit zulässt, durchstreifen zu können. Und sei es, wie der Großteil der Gruppe, beim Abwärtsweg unterstützt durch Wanderstöcke.

Der Beifall am Ziel war den Wanderführern und der BZ sicher: "Das war ein schöner Tag."

Infos zu allen Wanderungen gibt’s unter http://mehr.bz/wandern2018; Weitere Bilder der Tour gibt’s hier: http://mehr.bz/prechtal-wandern