Breisgau-S-Bahn

"Elztalbahn jetzt": Demo für Halbstundentakt nach Elzach

Dorothea Scherle

Von Dorothea Scherle

So, 22. Juli 2018 um 19:52 Uhr

Elzach

Viele Menschen folgten dem Aufruf der Bürgerinitiative "Elztalbahn jetzt" zur Demonstration und Kundgebung in Elzach. Das Motto: "Wir trommeln für die Elztalbahn".

Eine große Zahl Menschen folgte dem Aufruf der Bürgerinitiative "Elztalbahn jetzt" zur Kundgebung unter dem Motto "Wir trommeln für die Elztalbahn". Tatsächlich waren auf dem Weg zwischen Bürgerhof- und Nikolausplatz einige Trommeln, Töpfe und Bratpfannen zu sehen, aber auch Trillerpfeifen und sogar Kläpperle, mit denen der Waldkircher Bürgermeisterstellvertreter Michael Behringer Lärm machte, denn die Teilnehmenden kamen nicht nur aus Elzach, sondern aus dem ganzen Elztal.

Die Motivation der Teilnehmer war unterschiedlich gelagert. Einig waren sie sich darin, dass der Halbstundentakt kommen muss. Marita Schmieder nahm als Vorsitzende von "Pro Umfahrung Winden" teil. "Wir brauchen ein Verkehrskonzept", sagte sie. "Ich habe mich für die Umfahrung von Winden stark gemacht, aber natürlich zieht die mehr Verkehr an. Deshalb ist der Halbstundentakt notwendig, damit sich mehr Verkehr auf die Schiene verlagert."

Kundgebung am Nikolausbrunnen

Veronika Salenbacher sagte: "Ich fahre gerne Bahn, aber der Stundentakt reicht einfach nicht." Sie hat dabei nicht nur sich, sondern auch Jugendliche im Blick, die auf die Bahn angewiesen sind. "Meine Motivation, hier teilzunehmen ist, dass ich zwei Regiokarten im Gebrauch habe", erklärte Johannes Becherer, der in Freiburg arbeitet.

Am Nikolausbrunnen, dem Kundgebungsziel, gaben Vertreter verschiedener Interessengruppen Statements ab. Die SPD-Gemeinde- und Kreisrätin Pia Lach sagte, Schüler und Berufspendler hofften auf eine baldige Elektrifizierung der Elztalbahn und den damit verbundenen Halbstundentakt. Nicht nur Elzacher, sondern auch Pendler aus den Seitentälern und dem Kinzigtal profitierten vom Ausbau, weil sie ihr Auto in Elzach stehen ließen und mit der Bahn weiterführen. "Wir brauchen den Kreuzungsbahnhof in Gutach. Die Diesellok hat im Elztal keine Zukunft." Wie andere Redner nach ihr bedauerte sie, dass einige wenige das ganze Projekt lautstark in Frage stellten und gar mit Stuttgart 21 verglichen.

"Ich spreche hier für alle Senioren und die, die’s noch werden wollen." Edda Hahn


Dr. Siegfried Buser, Oberarzt an der Elzacher BDH-Klinik und Mitglied des geschäftsführenden BDH-Bundesvorstandes holte weit aus, um die heutige Bedeutung und Größe der Klinik deutlich zu machen. "Die Klinik war in den 1960er Jahren ein Heim für Hirnverletzte. Zwischenzeitlich ist sie die größte neurologische Klinik in Baden-Württemberg und rangiert unter den knapp 2000 Kliniken in Deutschland auf Platz sieben, was die Schwere der Krankheit angeht."

Viele der 610 Mitarbeiter kämen aus dem unteren Elztal und aus Freiburg. "Wir brauchen den 30-Minuten-Takt." Buser wies darauf, dass das Projekt Elztalbahn sorgsam mit der Umfahrung Winden koordiniert werden müsse, damit Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatienten im Notfall nicht an der Engstelle in Winden hängenblieben. Für die Jugendlichen sprach der Student Benedikt Biehrer. "Wir Studenten, Schüler, Azubis haben keine Alternative zur Elztalbahn. Die Elektrifizierung ist für uns extrem wichtig." Ein zweiter Punkt sei die Zuverlässigkeit der Bahn, ein dritter der Blick in die Zukunft. Die Abschaffung der Dieselloks würde der jungen Generation zeigen, dass Elzach bereit ist, in die Zukunft weiterzugehen.

"Sorry, Elzach ist, was den ÖPNV betrifft, nicht gerade sexy."


"Ich spreche hier für alle Senioren und die, die’s noch werden wollen", sagte Edda Hahn. "Wenn man älter ist, hat man mehr Termine beim Arzt." Es gebe keinen Augenarzt oder Orthopäden mehr in Elzach, auch für eine spezielle Massage oder Lymphdrainage müsse man nach Waldkirch fahren. Beim Stundentakt sei das eine halbe Tagesreise für 45 Minuten Therapie. "Wir brauchen unbedingt den Halbstundentakt."

Ulrich Volk, Vorsitzender des Gewerbevereins Elzach, übertrug dessen Motto "verbinden, erleben, bewegen" auf die Elztalbahn. 70 Prozent der Arbeitsplätze in Elzach und Umgebung würden von den 120 Mitgliedsunternehmen zur Verfügung gestellt. Wenn diese Mitarbeiter suchten, bekämen sie zu hören: "Sorry, Elzach ist, was den ÖPNV betrifft, nicht gerade sexy." Der Ausbau der Elztalbahn sei für den Wirtschaftsstandort Oberes Elztal "immens wichtig".

Haslachs Bürgermeister Philipp Saar sicherte den Elzachern die Solidarität der Kinzigtäler Bürgermeister zu. "Wir stehen an Ihrer Seite, sobald Sie uns brauchen." Michael Behringer sagte als Waldkirchs OB-Stellvertreter, der Ausbau der Elztalbahn sei wegen der vielen Berufspendler in beide Richtungen und der Schüler nicht nur für das mittlere und obere Elztal von Belang, sondern auch für Waldkirch. "Ihr trommle, mir in Waldkirch kläppere für die Elztalbahn." Nach der Kundgebung standen Fachleute den Bürgern für Fragen zur Verfügung.