Emanzipation und Putzpläne

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Mi, 16. Januar 2019

Theater

Das Mondo Musicaltheater führt in der Freiburger Mensabar "Die WG" auf.

In goldenem Licht lagern sie malerisch und dank eines fetten Joints extrem entspannt auf dem überdimensionierten Holztisch, in wallenden, erdfarbenen Gewändern und offenem Haar – Blumenkinder, die auch gleich in schönstem Satzgesang den Kult-Song "California Dreamin’" zum Besten geben. Es ist einer von vielen Ohrwürmern an diesem Abend in der Freiburger Mensabar, bei dem das Mondo Musiktheater des Studierendenwerks unter dem Titel "Die WG. 2018-1986-1968" fünfzig Jahre Wohngemeinschafts-Geschichte und damit drei Frauengenerationen auf die Bühne bringt (Regie: Stephanie Heine).

Es ist die elfte Produktion des wechselnden Laien-Ensembles, das mit seinen Shows unter professioneller Leitung ein beeindruckendes Niveau erreicht hat und seit vergangenem Jahr auch Konzeption, Story und Texte mitgestaltet. Letztere sind dieses Mal etwas sperrig und opulent geraten, hat man doch im Vorfeld viel über Zeitgeist und Themen recherchiert und packt nun stellenweise allzu viel Ideologisches in die Dialoge. Auch fehlt es der 13-köpfigen Crew spürbar an Männern und so gibt’s am Anfang viel hochtouriges Gekreische und Gezicke. Ein mitreißendes Vergnügen ist dieses selbstgeschriebene Musical aber unbedingt – und das liegt neben der sprühenden Energie und Spielfreude aller Akteure an den tollen Songs und Choreografien, live begleitet von der Mondo-Band unter Leitung von Dominik Hormuth.

Wo ist das Herz jeder funktionierenden WG? Natürlich in der Küche! Linkerhand stehen Kühlschrank, Herd und Spüle, quer über die Bühne zieht sich ein meterlanger Tisch, an dem nun, durch wechselnde Plakate markiert, drei Generationen essen, diskutieren, lachen, feiern und streiten. Juliane Hollerbach hat dafür pfiffige Kostüme und die passende Maske kreiert: Tragen die Freundinnen von WG-Mutti Ingeborg (Marie Lemor, Susanne Reinfeld, Elizaveta Mirlina, Hélèna Bresser) den klassischen 1968-Hippie-Stil, so zeigen die Bewohnerinnen 1986 (Maya Uramowicz, Clara Magendie, Caroline Ruppert, Angelina Marina Hamacher) auftoupierte Locken- und Punkperücken, Streifenleggins und viel Neon. Die WG von 2018 (Lena Janina Heß, Nora Marieke Pfützner, Berenike Klass, Tim Stolberg) präsentiert sich in luftigem Pink und gerne mit Handy und Laptop. Ihr Nachbar (Nassrat Rogh) heißt mal Günther, Manni oder Hendrik, ist Spießer, Prolet oder netter Schwuler. Jede Menge Klischees, ironisch und frech gebrochen.

Entlang sehr gut gesungener Hits und Songs aus amerikanischen Broadway Musicals wie "Aquarius", "It’s Raining Men" oder "Holding Out For A Hero" geht es nun um Revolution, Emanzipation oder schnöden Liebeskummer, um Putzpläne, Vaterkonflikte und Sinnsuche, immer wieder streift man dabei auch lokale Ereignisse. Eine musikalische Hommage an die Wohngemeinschaft als lebendige Keimzelle von Solidarität und sozialen Experimenten.

Weitere Vorstellungen: Am 18., 19., 25. und 26.1., jeweils um 20 Uhr, am 20. und 27.1. um 18 Uhr, Mensabar. Sowie am 1.2. um 19 Uhr im Augustinum, Freiburg.
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