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13. Januar 2011

100 Meilen durch Eis und Schnee für "Sonnenkinder"

MENSCHEN IN DER STADT: Christoph Kurth will am härtesten und kältesten Ultramarathon teilnehmen – für kranke Kinder.

  1. Christoph Kurth Foto: Sylvia-Karina Jahn

EMMENDINGEN. An die Frozzeleien der Kollegen hat sich Christoph Kurth längst gewöhnt. Seine Stelle müsse wohl neu ausgeschrieben werden, witzelten sie, als sie von dem Plan des 44-jährigen Oberarztes am Epilepsiezentrum Kork erfuhren: Er wird am 6. Februar beim Youkon Arctic Ultra-Lauf im kanadischen Whitehorse starten, 160 Kilometer in Eis und Schnee bei Temperaturen bis minus 50 Grad. Doch insgeheim fiebern sie sicher mit dem in Emmendingen lebenden Mediziner: Er nutzt den als härtesten und kältesten Ultramarathon der Welt geltenden 100-Meilen-Lauf nämlich, um Spenden für die "Sonnenkinder" zu sammeln. Das Geld soll helfen, in Kork eine Wohngruppe für kleine Kinder einzurichten, die so schwer krank sind, dass sie nicht zu Hause leben können.

Für Kurth war es eine Gelegenheit, Beruf und Hobby miteinander zu verbinden. In Hameln geboren und in Northeim aufgewachsen, war Kurth nach der Facharztausbildung als Neurologe sieben Jahre lang in einer auf Epilepsie spezialisierten Arbeitsgruppe an der Universität Göttingen. Danach war er zwei Jahre in der Kinderneurologie in Kiel leitender Oberarzt. Nach Kork holte ihn vor acht Jahren ein früherer Chef, inzwischen Chefarzt in der Erwachsenenklinik des Epilepsiezentrums Kork. Und nach Emmendingen kam er, weil er wie seine Freundin nahe Freiburg leben wollte: "Wir fühlen uns hier sehr wohl."

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Auf den Arctic Ultra Lauf stieß Kurth eher zufällig: Eigentlich suchte er im Internet Informationen über Spitzbergen. Seit seiner Studienzeit in Göttingen unternimmt er winterliche Touren mit Zelt und Skiern. Der kleine Rahmen und die begrenzte Teilnehmerzahl kommen ihm entgegen. Denn er liebt es, im Winter draußen zu sein: "Diese Reduzierung auf das Wesentliche fasziniert mich."

Die Reduzierung auf das Wesentliche fasziniert ihn am Winter

Weißer Schnee und – im Idealfall – blauer Himmel, Felsen.... Oft war er schon im Norden Norwegens, Schwedens und Finnlands unterwegs, beispielsweise im Sarek-Nationalpark, in dem es weder Wege noch Übernachtungsmöglichkeiten gibt und das Wetter extrem sein kann wie im Hochgebirge. Oder er läuft wie vor drei Jahren auf dem Nordkalottleden von Kilpisjärvi bis Abisko; zwei Wochen lang, 20 bis 30 Kilometer am Tag. Der Nordkalottleden ist ein Wanderweg, der von Nordfinnland nach Nordschweden führt. Markierungen gebe es keine, erzählt Kurth, man müsse sich seinen Weg selbst suchen und begegne schon mal vier Tage lang keinem Menschen. Viele Touren unternimmt er mit einem guten Freund; seine Freundin komme mit, so lange er keine Zeltübernachtungen anpeilt.

Zur Vorbereitung: Wandern, Joggen und Skilanglauf

Für seine Touren hält er sich mit Wandern, Joggen und Skilanglauf fit. Doch der Arctic Ultra ist eine besondere Herausforderung, allein schon von den Entfernungen, die den Teilnehmern pro Tag abverlangt werden. Deswegen steigerte Kurth seit einem Dreivierteljahr sein Laufpensum, ist zwei- bis dreimal die Woche zehn bis 20 Kilometer unterwegs. Seit einem halben Jahr absolviert er einmal pro Woche einen Berglauf: Von Suggental hinauf auf den Kandel und wieder zurück, zwar "eher ein zügiges Gehen", aber es sind gute 20 Kilometer und 800 Höhenmeter mit Gepäck. Beim "Ultra" wird er gute 15 Kilogramm zu schleppen haben. Wenn Schnee liegt, ist er im Schwarzwald auf den Langlaufskiern unterwegs, bevorzugt bei Dunkelheit und mit Stirnlampe; denn der 100-Meilen-Lauf wird sich zum großen Teil bei Dunkelheit abspielen.

Zwar stehen ihm für die umgerechnet 160 Kilometer nur 72 Stunden zur Verfügung, dennoch hat er ein Zelt dabei und plant zwei sechs- bis achtstündige Schlafpausen. Die ersten beiden Tage erwartet ihn eher hügeliges Gelände, am dritten Tag gibt es größere Steigungen und Abfahrten. Die Orientierung dürfte etwas einfacher sein als im wegelosen Skandinavien, denn unmittelbar davor findet ein großes Hundeschlitten-Rennen auf der gleichen Strecke statt; außerdem wird ein Schneescooter einmal täglich den Weg bahnen. Doch wenn der zuschneit, muss sich jeder selbst orientieren. Das heißt bei Kurth ganz klassisch Karte und Kompass.

Am 25. Januar steigt er ins Flugzeug; er will rechtzeitig vor Ort zu sein, um sich zu akklimatisieren und ohne Jetlag zu starten. Aber eine mehrtägige Hundeschlittentour hat er schon eingeplant und wird insgesamt drei Wochen in Kanada sein.

Spendenzusagen über 8500 Euro hat er bereits, freut er sich, doch es dürfen gern mehr werden: Denn es gibt für die Kinder, denen er helfen möchte, keine Wohnmöglichkeit; was bedeute, dass sie oft ein ganzes Jahr in einer Akutklinik lebten. Das könne das familiäre häusliche Umfeld nicht ersetzen. Und die Erkrankungen seien so schwer, dass die Eltern die Betreuung kaum bewerkstelligen könnten; die Wohngruppe wird Hospizcharakter haben.

Wer das Projekt "Sonnenkinder" unterstützen möchte, kann auf das gleichnamige Konto spenden, Sparkasse Hanauerland, Stichwort Spendenlauf, Kontonummer 107 864, BLZ 664 518 62. Man kann zum Beispiel für jede geschaffte Meile oder für jedes Grad Minus einen bestimmten Betrag geben. Nähere Informationen, ein Tagebuch von Vorbereitungen und vom Lauf gibt es unter http://www.arctic-ultra-spendenlauf.de

Autor: ja