Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. September 2013

Auch ohne Veggieday gibt’s fleischlos in der Mensa

Verwaltung informiert Stadträte im Kultur- und Sozialausschuss.

  1. Gemüse satt: Auf dem Emmendinger Wochenmarkt ist das Angebot reich für einen „Veggieday“. Foto: Gerhard Walser

EMMENDINGEN. 30 Städte und Gemeinden in Deutschland pflegen inzwischen den sogenannten Veggieday, einen Tag, an dem in Kantinen, Mensen und Gaststätten auf Fleisch verzichtet wird; meist ist das der Donnerstag. Aber nur eine Stadt, nämlich Bonn, hat selbst die Initiative ergriffen, sonst sind es Vereine oder gesellschaftliche Gruppen; oft übernehmen die jeweiligen Stadtoberhäupter aber die Schirmherrschaft. Das geht aus Recherchen der Stadtverwaltung hervor, die in öffentlicher Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses präsentiert wurden.

In Emmendingen hatten die Grünen die Einführung eines fleischfreien Tages in ihren Haushaltsanträgen für 2012 gefordert. Dieser Antrag wurde im März 2013 bei Stimmengleichheit abgelehnt. Die seinerzeit gewünschten Informationen reichte die Stadtverwaltung nun aber nach. Dazu gehörte auch ein Speiseplan der Schulmensen und -horte der Stadt, der zeigt, dass diese täglich ein vegetarisches Menü anbieten, ganz ohne Veggieday. Den gibt es beispielsweise in Lahr, Freiburg, Karlsruhe und Mannheim.

Werbung


In Emmendingen habe man in Schulmensen ebenso wie in allen Gaststätten der Innenstadt täglich die Möglichkeit, vegetarisch zu essen, sagte Oberbürgermeister Stefan Schlatterer. Marianne Wonnay (SPD) meinte dagegen, das Anliegen passe zu Emmendingen als familienfreundliche, gesundheits- und umweltbewusste Stadt. Wichtig sei es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, was man wie oft esse, gerade im Blick auf die steigenden Zahlen übergewichtiger Kinder. "Hauptanliegen ist es, nicht den Konsum von Fleisch zu verbieten, sondern die Menschen auf den zu hohen Fleischkonsum aufmerksam zu machen und eine bewusste Ernährung anzuregen", heißt es in den Sitzungsunterlagen.

Joachim Saar (CDU) wollte denn auch jede Bevormundung vermeiden und setzte auf Aufklärung, die Stadt, Gesundheitsamt und – ganz wichtig – die Schulen leisten könnten. Christl Gräber (FDP) war der gleichen Ansicht: "Wenn man damit Geld verdienen könnte, würden wir ja was machen", versicherte sie, aber der Staat müsse sich nicht überall einmischen: "Ich schlaf’ mit wem ich will, ich esse, was ich will, da sind wir alle selbstbewusst genug." Es gebe keine Kantine oder Gaststätte ohne vegetarisches Gericht, und Emmendingen sei auch ohne Veggieday die schönste Kreisstadt in Südbaden; ganz abgesehen davon sei es ihr neu, dass Fleisch dick machen solle. "Jeder soll machen, was er will – bei uns war es früher ein ’happy Sunday’, wenn Fleisch auf den Tisch kam", sagte Oscar Guidone (FWV). Die Idee war sicher nicht zum letzten Mal Thema: "Wir steigen ein, wenn es konkretisiert wird", stellte der Oberbürgermeister in Aussicht.

Autor: Sylvia-Karina Jahn