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18. September 2013

Auf der Suche nach Kunst im Buch

Die 14. Emmendinger Lesenacht widmet sich am Samstag unter dem Motto "Seiten wenden" einem spannenden Thema.

  1. Almuth Langbein präsentiert: Die Vorleser 2013 (von hinten nach vorn) Jan König, Helena Kramer, Christina Hildebrand, Matthias Mohler und Jana Bührer Foto: Friederike Marx-Kohlstädt

  2. Sie gestalten die Lesenacht für Kids: (von links) Marlene, Marie, Robin und Cedric Foto: Friederike Marx-Kohlstädt

EMMENDINGEN. Er war die Überraschung beim Pressegespräch zur diesjährigen Lesenacht am 21. September: Der 14-jährige Robin Meyer wird für die Kinder und Jugendlichen aus seinem selbst verfassten Krimi "falsche Familie" vorlesen, den er im Juli im Selbstverlag über das Berliner Onlineunternehmen Epubli veröffentlicht hat. Bei der Lesenacht für die Erwachsenen geht es diesmal unter dem Motto "Seiten wenden" um die Kunst im Buch, passend zu der Ausstellung "Kunst im Werk", die am gleichen Wochenende im Wehrle-Werk gezeigt wird. Organisiert wird die Lesenacht vom Schlosskellerverein in Zusammenarbeit mit der Stadt. Musikalisch begleitet Frank Goos die Veranstaltung.

Robin Meyer wirkte bescheiden, doch bei diesem Satz konnte er den Stolz dann doch kaum verbergen: "Ich bin jüngster Autor Baden-Württembergs." Schon vor einem Jahr habe er seinen Krimi geschrieben, doch egal bei welchem Verlag er anklopfte, die Veröffentlichungen wären ihn teuer zu stehen gekommen. Also entschied er sich dazu, das Buch im Selbstverlag herauszugeben. Autoren können über diesen Weg ihr Buch in Kleinauflagen drucken lassen oder als elektronisches Buch anbieten und sind dabei vom Lektorat über die grafische Gestaltung des Titels bis hin zum Rühren der Werbetrommel für alles zuständig. Da kommt für Robin Meyer die Lesenacht für Kids gerade recht, um bekannter zu werden. In seinem knapp 90-seitigen Jugendbuch geht es um das Abenteuer eines Jungen, dessen Freundin nach einem gemeinsamen Kinobesuch spurlos verschwindet (die BZ hart berichtet).

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Außer dem jungen Autor werden Marlene, Cedric und Marie ihre Lieblingsbücher vorstellen. Da wird es mal ernst zugehen, mal spannend und heiter. Es dreht sich um Fantasy, Mädchenträume, Pferde, aber auch um Kinder, die in der Fremde hart schuften müssen. "Unser Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu verlocken, dass sie sich in Bücher vertiefen", so Organisatorin Andrea Emmenecker. Zum ersten Mal hat die Lesenacht für Kids ihren Namen verdient: Anstatt wie bisher um 18 Uhr geht es diesmal in der Buchhandlung Sillmann um 20 Uhr los.

Zeitgleich werden die Erwachsenen ihre Lesenacht im Schlosskeller eröffnen. An vier stimmungsvollen Orten werden sechs Vorleser jeweils in Blöcken aus vier verschiedenen Büchern lesen. Die Idee für das Thema Kunst kam von Mitgliedern des Kulturkreises, die sich eine thematische Vernetzung der am Wochenende stattfindenden Ausstellung "Kunst im Werk – Zeitenwandel" im Wehrle-Werk und der Lesenacht wünschten nach dem Motto: Unterstützung anstatt Konkurrenz.

Also machten sich der Lesekreis des Schlosskellervereins daran, ausgewählte Bücher dahingehend zu analysieren, welche Aussagen über Kunst in ihnen stecken. Besonders lebendig wird es im Museum im Markgrafenschloss zugehen. Beim Pressegespräch wirken die Zwölftklässler Helena Kramer, Matthias Mohler und Jan König noch friedlich vereint, doch sie freuen sich schon darauf, die Streithähne zu geben. In Yasmina Rezas Theaterstück "Kunst" geht es um die stets wiederkehrende Frage, ob Moderne Kunst aussagekräftig und wertvoll ist oder einfach nur überteuert und überbewertet. "Das ist eine ganz aktuelle Diskussion", betont Werner Tegeler vom Kulturkreis. Er rechnet damit, dass viele Künstler vom Wehrle-Werk den Weg zum Markgrafenschloss finden werden.

In wohl proportionierten Appetithäppchen werden dem Publikum drei weitere Bücher auf dem Silbertablett gereicht: Jana Bührer liest im Lenzhäuschen aus der Autobiografie "Just Kids" der vielseitigen Künstlerin Patti Smith. Rockfans kennen sie mit rauer, tiefer Stimme ins Mikro krächzend, doch auch die Fotografie, Malerei und Performancekunst sind ihr Ding.

Christina Hildebrand, die bei keiner Lesenacht als talentierte Vorleserin fehlen darf, wird aus "Das Schönste, was ich sah" von Asta Scheib lesen und damit den "Maler des Lichts" Giovanni Segantini beleuchten. In der Mikwe wird Rainer Glaser den dicken Roman "Karte und Gebiet" von Michel Houellebecq vorstellen, in dem es nicht nur um den Künstler und die Kunst geht, sondern auch um den Kunstmarkt und die Frage nach dem Gewinnstrebens um jeden Preis.

Info: 14. Emmendinger Lesenacht, Samstag, 21. September, 20 Uhr, Lenzhäuschen, Markgrafenschloss, Mikwe; Eintritt 7 Euro (ermäßigt 5 Euro); Vorverkauf: Buchhandlung Sillmann.

Autor: Friederike Marx-Kohlstädt