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08. Februar 2010 11:52 Uhr
Konzert
Benefiz in der Stadtkirche bringt 9000 Euro für Haiti
Zwölf Orchester, Chöre und Solokünstler, fast 300 Mitwirkende haben in der evangelischen Stadtkirche für Haiti musiziert. Am Ende kamen fast rund 9000 Euro an Spenden für die Katastrophenhilfe der Diakonie zusammen.
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Benefizkonzert Haiti: Zuhörer beim interaktiven Gesang Foto: Schmieg
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Der Chor Soulvation mit Leiterin Angela Mink. Foto: Andreas Schmieg
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Werner Englert und Goethes Groove Connection im Hintergrund Foto: Andreas Schmieg
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Daniela Sauter de Beltré Foto: Andreas Schmieg
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Pfarrer Stahmann dankt Niklas Brenn aus Mundingen für den Flohmarkt Foto: Andreas Schmieg
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Goethes Groove Connection Foto: Andreas Schmieg
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Posaunenchor Foto: Andreas Schmieg
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Raphael Kofi Foto: Andreas Schmieg
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Blockflötenkreis Foto: Andreas Schmieg
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Kinderchor Foto: Andreas Schmieg
"Was bleibt uns anderes übrig, als zu helfen?" Diese Frage stellte sich dem Kenzinger Musiker Raphael Kofi. Er, der natürlich auch die Bilder aus dem zerstörten Inselstaat im Fernsehen gesehen hatte, sicherte Pfarrer Georg Metzger sein Mitwirken beim Benefizkonzert zu. In sein Trommeln schien der gebürtige Ghanaer die wohnungslos gewordenen Menschen eingeschlossen zu haben: Haiti – Haiti stammelte er zwischen den Schlägen auf seine drei großen Instrumente.
Ein musikalisches Erdbeben vermochte gar Emmendingens Kulturpreisträger und Saxophonist Werner Englert aufzuführen: Sein "Prayer for Freedom" begann in den Tiefen mit einem leichten Zittern, das sich mehr und mehr verstärkte. Für die schwierigen Sprünge brauchte Englert viel Luft, bevor das musikalische Gebet schließlich melodischer wurde.
Kofi und Englert ließen die Zuhörer selbst noch aus dem Spiel. Die Interaktivität der Musik trat bei der begabten Daniela Sauter de Beltré in den Mittelpunkt. Und das Publikum schien geradezu darauf gewartet zu haben, endlich mitsingen zu dürfen: Beim dreimal unisono gesungenen "Ich lege meine Hand in deine Hand" rückte die ganze Kirche näher zusammen, um den Liedtext Wirklichkeit werden zu lassen.
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Wobei festgehalten werden muss, dass viele Zuhörer bereits musikalisch eine Gemeinschaft bildeten: Von der Empore spielte der 35-köpfige Blockflötenkreis unter Fritz Leimenstoll einen makellosen Händelsatz und die Bezirkschöre trugen drei Stücke vor. "Ich bin vom Klang überwältigt", so Bezirkskantor Jörn Bartels, der den Doppelchor vom Altarraum aus dirigierte. Dieser bestand aus den Chören der Stadtkirche, der Paulusgemeinde, aus Windenreute und Nimburg. Einzelne Sänger kamen aus Denzlingen, Kenzingen und Tutschfelden.
Weil der Schall seine Zeit brauchte, konnte Bartels nicht alleine agieren: Ruth Uhlenhoff und Ruth Schulze-Wessel standen mit auf der Empore und unterstützten das Tempo durch große Bewegungen. Nur einmal zuvor waren der Mendelssohn, der Pachelbel und das Shalom Aleichem gemeinsam geprobt worden.
Doch auch ständige Formationen unterstützten den Abend mit ihrer Musik. So der Posaunenchor der Stadtkirche, der mit Musik von Traugott Fünfgeld und Jacob de Haan zum Gelingen des Abends beitrug. Sehr schöne Leistungen brachten die gut besetzten Kinderchöre der evangelischen Gemeinden, die am Sonntag zum ersten Mal überhaupt gemeinsam sangen, sowie Goethes Groove Connection, die unter der Leitung von Jo Müller die vollbesetzte Kirche mit ihrem Klang in jeder Hinsicht einnehmen konnte.
Pfarrer Georg Metzger war den mitwirkenden Gruppen mehr als dankbar. Das Konzert trage dazu bei, dass die Aufmerksamkeit für die Mitmenschen nicht verloren gehe. Man müsse an das Schicksal der anderen erinnern. In der Kirche wurde dies zudem visuell umgesetzt: Eine Präsentation brachte dem Publikum das Leid der Haitianer näher.
Gleichzeitig verstand es Metzger, die Konzertbesucher humorvoll zum Spenden zu motivieren. Selbst während des Konzerts konnte gespendet werden. Technisch möglich gemacht wurde dies durch den sogenannten "Spend-O-Mat", ein Lesegerät für Kreditkarten, dass die Konzertbesucher mit ihrer Karte aufsuchen sollten. "Aufstehen während des Konzerts ist erlaubt. Ich hab‘ das mit dem Gerät schon ausprobiert. Es macht Riesenspaß."
Viele Zuhörer schienen diesem Rat gefolgt zu sein: Noch während des Benefizkonzerts kamen so über 2000 Euro zusammen, die der Diakonie-Katastrophenhilfe für Haiti zugehen werden. Hinzu kommen weitere 200 Euro, erwirtschaftet durch einen Flohmarkt, der von Mundinger Grundschülern am letzten Wochenende abgehalten worden war. Hierfür dankte Pfarrer Metzger am Sonntag den Kindern persönlich. Zusammen mit den Spenden der Besucher am Ausgang summierte sich die Zahl auf sagenhafte 9000 Euro.
Musikalisch beendet wurde das Konzert vom Chor Soulvation, der selbst ein Lied aus Haiti zu Gehör brachte. Besonders gelungen jedoch: Das Halleluja von Leonhard Cohen, das im Zeichentrickfilm "Shrek" wieder aufgenommen wurde. Die harmonierenden Männerstimmen und der nicht zu hart einsetzende Sopran ließen dem Solisten Mathias Birmele guten Raum.
Das große Finale, an dem sich alle Musizierenden mit dem Gospel "Amen" beteiligten, machte deutlich, dass an diesem Abend "Mehr als ein Lied für Haiti" gesungen worden war. Die Gemeinschaft für den guten Zweck hat Früchte getragen.
Autor: sag


