Schöffengericht

Bewährungsstrafe für Überfall auf Apotheke

cri

Von cri

Di, 06. Mai 2014

Riegel

"Morphium oder Geld": Mit einer Softair- oder Paintball-Pistole überfiel im Mai 2013 ein heute 41-Jähriger die Apotheke in Riegel.

RIEGEL/ EMMENDINGEN (cri).Die "Quittung" gab es nun vom Schöffengericht: Ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Seine Arbeit als "Sterbebegleiter" belastet den gelernten Krankenpfleger aus dem nördlichen Breisgau mehr und mehr – Schlafstörungen sind die Folge. Er greift zu Drogen und nimmt Medikamente. Die Einnahme von Schlafmittel wird mehr und mehr zum Missbrauch. Durch "Ärztehopping" besorgt er sich Rezepte, um seine Sucht zu befriedigen. Im Frühjahr 2013 wird die Beschaffung immer schwieriger, er fällt ins Delir, was ihm physisch und psychisch schwer zu schaffen macht. Vor einem erneuten Delir hat er große Angst. Er denkt an eine Therapie, findet allerdings nicht sofort einen entsprechenden Platz.

Mitte Mai 2013 fährt er von seinem Wohnort nach Riegel. Dort betritt er um die Mittagszeit mit einer Karnevalsmaske vor dem Gesicht und einer Soft-Air- oder Paintball-Pistole die örtliche Apotheke und fordert Morphium oder Geld. Die Apothekerin glaubt zunächst an einen (schlechten) Scherz, packt schließlich nach einem kurzen Dialog die vorhandenen Geldscheine – insgesamt 570 Euro – in eine Plastiktüte. Der Täter flüchtet zu Fuß Richtung Rathaus. Mit seinem dort geparkten Auto will er fliehen, doch der Motor springt nicht an. Vor dem Rathaus übergibt er einer Mitarbeiterin der Apotheke die erbeuteten 570 Euro und flieht – verfolgt von Passanten – zu Fuß. Wenig später wird er im Rebberg verhaftet.

Zur Tatzeit unter Einfluss von Alkohol und Medikamenten

Zur Tatzeit steht er unter Medikamenten und Alkohol. Die spätere Blutentnahme ergibt einen Wert von 0,24 Promille, zur Tatzeit könnte es laut Sachverständigen bis zu ein Promille gewesen sein. Zur Tatzeit war laut Rechtsmediziner ein "Suchtdruck vorhanden" und die Steuerungsfähigkeit sei beeinträchtigt gewesen. Gleichwohl hält der Gerichtsmediziner den Angeklagten für schuldfähig.

Die Tat – sie ist von der Staatsanwaltschaft als "schwere räuberische Erpressung" angeklagt – räumt der Angeklagte ein, gleichwohl sei seine Erinnerung sehr lückenhaft. Nach der Tat begab er sich zunächst in eine Entgiftung und absolvierte schließlich eine mehrmonatige Therapie. Jüngst trat er wieder eine Arbeitsstelle an.

Der Staatsanwalt hält zwei Jahre Freiheitsstrafe für angemessen, der Verteidiger plädiert auf die Mindeststrafe von einem Jahr, da letztendlich kein Schaden entstanden sei und auch keine Person verletzt wurde. Die Apothekerin erlitt keinen Schaden und hat auch keine psychischen Probleme.

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Günter Schmalen setzt ein Jahr und sechs Monate fest, die – wie von Staatsanwaltschaft und Verteidigung beantragt – zur Bewährung ausgesetzt werden. In seinem Schlusswort bedauert der Angeklagte die Tat nochmals. Bei der Apothekerin entschuldigte er sich schon kurz nach der Tat und während der Verhandlung nochmals. Das Urteil ist rechtskräftig.