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19. Februar 2013

Die Chance, sich mal auszuprobieren

Schlosskellerverein bietet nicht nur bei der offenen Bühne gerade jungen Leuten die Möglichkeit, kulturell Erfahrungen zu sammeln.

  1. Schlosskeller fördert Nachwuchs: Noah Cannavo probiert schon mal das Schlagzeug aus Foto: Sylvia-Karina Jahn

EMMENDINGEN. Seit 20 Jahren kümmert sich der Schlosskellerverein um den Raum im Markgrafenschloss, der ihm seinen Namen gab, seit 1996 bietet er kulturelle Veranstaltungen dort an: Zeit für eine Bilanz, aber auch ein Anlass, die Möglichkeiten und Chancen des Veranstaltungsraumes stärker in die Öffentlichkeit zu bringen. Von der offenen Bühne über Kleinkunst und moderne Musik bis hin zu Kindertheater reicht die Bandbreite.

Die Macher und deren Vorlieben prägen das Programm. "Wir können in ganz verschiedenen Sparten etwas anbieten", präzisiert Angela Schmidt-Tull: Comedy, Musikgruppen, Kabarett und A-capella-Gesang. Klassik und Lesungen fehlen, aber das liegt nicht nur daran, dass sich dafür kein Pate findet: Zwar ist es durchaus üblich, dass erfolgreiche Veranstaltungen weniger publikumswirksame stützen, sagt Vorsitzender Ulf Fiedler; aber der Vorstand ist sich einig: Ein teures Klassikensemble oder einen Autor einzukaufen, lohne nicht, wenn sich dann ein bis zehn Zuschauer im Raum verlieren.

Anja Strub stand 1993 am ersten Abend hinter dem Tresen und hatte nie gedacht, dass sie jemals im Verein Verantwortung übernehmen würde. Heute ist sie Schriftführerin und möchte die Arbeit nicht mehr missen: "Es ist abwechslungsreich, man lernt so tolle Leute kennen und ich kann tun, was mir Spaß macht." Spaß macht ihr die Musik, und der Schlosskeller gibt ihr die Möglichkeit, auch unbekannte Bands zu präsentieren, denn der Verein arbeitet nicht kommerziell: "Das ist sehr bereichernd."

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Das Besondere: "Jeder kann hier eine Veranstaltung machen, eine Band oder einen Künstler testen" sagte Sarah Cannavo. Man könne Erfahrungen im Organisieren einer Veranstaltung sammeln bis hin zum kompletten Eventmanagement. Das biete sich für Studenten dieser Fachrichtung, für künftige Tontechniker oder Praktikanten an. Selbst wer einfach mal nur Sound- und Lichttechnik ausprobieren möchte, ist willkommen. "Wir haben den Eindruck, das ist nicht so ganz klar – manche halten uns für einen engen Wollknäuelverein", befürchtet Strub. Dabei biete der Verein eine Plattform, die Nichtmitglieder nutzen können – und sollen; ganz nach dem satzungsgemäßen Vereinsziel, das kulturelle Leben in der Stadt zu bereichern.

Gibt es eine Unterstützung durch die Stadt? "Das wär’ schön", lacht Strub. "Wir bekommen nichts, im Gegenteil, es fließt Geld vom Verein an die Stadt", erklärt Abian Oberle. Der nebenamtliche Noch-Wirt (ab März bewirten die Vereinsmitglieder wieder selbst) hat auf der offenen Bühne angefangen, nach zehn Jahren war er im Vorstand.

Merkt der Verein die Konkurrenz der Maja-Bühne in dem neuen Kino? Kabarett- und A-Capella-Gruppen gingen oft lieber dorthin, räumt Schmidt-Tull ein: Die Bühne ist größer als im Schlosskeller, es passen mehr Leute in den Raum und so gibt es mehr Geld; im Schlosskeller gilt bei kleinen Veranstaltungen, dass 70 Prozent der Eintrittsgelder an den Künstler gehen und 30 beim Verein für die Kosten bleiben. Außerdem habe der Schlosskeller einen ganz anderen Anspruch: er wolle gezielt neue, insbesondere junge Leute fördern, die sich ausprobieren wollen, erklärt Fiedler. "Ein Miteinander und Nebeneinander fördert das kulturelle Leben", findet Cannavo, und Anja Strub setzt auf den langen Atem: "Schau’n wir mal, wie’s aussieht, wenn die so lange dabei sind..." Auf durchschnittlich zwei Veranstaltungen pro Wochenende könne ein ehrenamtlich arbeitender Verein schon stolz sein.

Kontakt: Für künftige Mitstreiter und Praktikanten: Per Mail bei saracannavo@web.de; für Auftrittswillige: über die Homepage http://www.schlosskeller-emmendingen.de oder via Facebook http://www.facebook.com/SchlosskellerEmmendingen

Autor: Sylvia-Karina Jahn