"Die Pausen sind das Wichtigste"

Georg Voß

Von Georg Voß

Do, 06. April 2017

Emmendingen

Beim Unternehmerforum der Volksbank Breisgau Nord in der Steinhalle sprach Olympiasieger Sven Hannawald über Höhen und Tiefen im Leben.

EMMENDINGEN. Beim Volksbank Unternehmer-Forum in der Steinhalle vor 400 geladenen Gästen sprach Fritz Schultis, Generalbevollmächtigter und Bereichsdirektor Firmenkunden der Volksbank Breisgau Nord, mit dem ehemaligen Skispringer, Weltmeister, Olympiasieger und Gewinner der Vierschanzentournee Sven Hannawald mit. Hannawald ist bisher der einzige Skispringer, der alle vier Springen gewinnen konnte. Thema des Talks am Dienstabend war "4 gewinnt! Erfolg in Balance" über Höhen und Tiefen im Leben, über Erfolg und Absturz, Burnout und die Wichtigkeit, mal Pausen zu machen. Sven Hannawald ist bereits das zweite Mal in der Emmendinger Steinhalle. Zuletzt im Januar 2014 als er beim BZ-Dialog über Magersucht und Burnout sprach.

Sven Hannawald wirkt entspannt, ein wenig Ernst und nachdenklich, wie jemand der seine persönliche Lebenskrise überwunden hat und auch was mitzuteilen hat. Dies hat er auch getan, schrieb seine Biographie "Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben", die 2013 erschien. Zudem gründete er zusammen mit Sven Ehricht eine Unternehmensberatung. Zum Skisport ist er als Skisprungexperte für den TV Sender Eurosport seit der Saison 2016/17 zurückgekehrt. Hannawald beantwortet beim Talk bereitwillig und offen die Fragen von Fritz Schultis. Während im Hintergrund der Siegesflug am Dreikönigstag 2002 beim vierten Springen in Bischofshofen gezeigt wird, fragt ihn Schultis zuerst, ob ihm diese Bilder noch präsent seien. "Die Bilder kann ich jetzt genießen", antwortet er. Und in der Nachbetrachtung habe er gemerkt, welch Rucksack ihm dabei weggefallen ist – eine oft wiederholte Metapher bei diesem Talk.

Sven Hannawald ist 1974 in Erlabrunn, in der ehemaligen DDR geboren und im Erzgebirge aufgewachsen. Über seine Zeit in der DDR berichtet Hannawald, dass er dort nichts vermisst habe. "Ich bin nicht unfroh, dass ich in der DDR aufgewachsen bin." Fritz Schultis wollte von ihm wissen, wie er auf die Idee kam, Skispringer zu werden. "Man muss ein kleiner Abenteurer sein." Mit einem guten Gleichgewichtsinn ausgestattet, der beim Skispringen notwendig, sei er beim Skispringen vom Erfolg her bereits allen Kindern voraus gewesen. Schon früh kam der Ehrgeiz hinzu, "der Beste sein zu wollen". Doch nach dem Mauerfall hat er das Gefühl gehabt, "dass es im Osten nicht mehr weitergeht." Nach dem Abschluss der zehnten Klasse ist er 1991 aus der alten gewohnten Welt ins Internat nach Furtwangen gewechselt. Bis 1997 ging es hin und her. "Ich war im Gefühl vom Kopf her wo anders. Anschließend war ich wieder der ehrgeizige Hannawald." 1998 gewann er bei der Skiflug-WM in Oberstdorf Silber. "Je größer die Schanze war, umso mehr konnte ich mein Potential ausschöpfen." Dann kam 2001/2002 mit dem Triumph bei der Vierschanzentournee, der mehr zählte als der WM-Titel, seine erfolgreichste Saison. "Ich habe auf den Körper gehört, und meine innere Stimme gab grünes Licht."

Fritz Schultis wollte von ihm wissen, wie man auf den Punkt fit wird. "Die Pausen sind das Wichtigste", sagt Hannawald nachdenklich und fügt an: "Das musste ich nachher erst erfahren. Das Wissen habe ich jetzt." Vom Typ sei er aber perfektionistisch und ehrgeizig gewesen. Und den Triumph in Bischofshofen hat er als Befreiung erlebt: "Ich habe es geschafft." Aber erst im zeitlichen Abstand "kann man das einordnen. Ein Rucksack fällt ab." Doch verliefen die Folgejahre sportlich nicht mehr ganz so erfolgreich. "Ich wollte immer den perfekten Sprung. Den perfekten Sprung habe ich nie geschafft, manchmal war ich nahe dran."

In der Saison 2003/4 beendete er die Saison vorzeitig. "Der Körper sendet Müdigkeitserscheinungen." Mithin der Beginn des Burnouts. "Es ist ein schleichender Prozess." Zur Müdigkeit kommt Unruhe. "Es ist so, als ob bei 32 Grad Schnee fallen würde." Auch wenn seine Werte top waren, kam erst später die Diagnose Burnout. So brauchte der Körper und Geist wieder Zeit, um wieder zur Ruhe zu kommen. "Aber der Körper ist kein Lichtschalter." Wichtig wurden für Hannawald nun Hobbys und gute Freunde, "um in eine andere Welt zu ziehen. Er entdeckte den Motorsport, hatte aber auch großen Rückhalt durch seine Eltern. 2013 erschien dann seine Biografie und er wurde ab Juli 2016 noch Unternehmensberater. Sven Hannawald kann durch seine selbst erlebte Gesichte mehr mitgeben, das Bewusstsein für Stress zu schärfen, zumal der Stress nicht weniger wird. "Es ist auch wichtig den eigenen Alltag zu beleuchten. Ein nur Zusammenreißen führt eher zu Schwierigkeiten."