Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
27. Mai 2008 12:30 Uhr
Konzert im Schlosskeller
Dominik Büchele und Umleitung covern James Blunt – können aber viel mehr
Die Band Umleitung aus Kappel-Grafenhausen interpretiert die Songs des britischen Stars James Blunt. Die jungen Musiker überzeugten in Emmendingen aber auch mit eigenen Liedern.
"Jetzt kommt wieder ein trauriges Lied". Diesen Satz sagt Dominik Büchele oft im Emmendinger Schlosskeller. Er ist Sänger und Akustikgitarrist der jungen Band Umleitung aus Kappel-Grafenhausen, die mit Vorliebe die eingängigen Lieder des britischen Interpreten James Blunt covert, aber auch ein paar eigene Stücke auf Lager hat. Im Radio laufen die zuckersüßen Poplieder von James Blunt rauf und runter, zum Beispiel "1973" oder "You’re Beautiful". Jetzt auch noch auf der Bühne? Wenn das mal keine Ohrwürmer gibt!
Dominik Bücheles Stimme hat große Ähnlichkeit mit der von James Blunt. Er interpretiert die Stücke allerdings gesanglich lebhafter. Seine junge Stimme ist eine Spur rauer, was die teilweise sehr seichten Stücke gut vertragen können. Große Ansagen macht er nicht, noch nicht. Der Blick der Jungs wirkt nach innen gerichtet. Sie spielen für sich, scheint es.
Etwa 50 Konzertgäste zwischen 30 und 45 Jahren sind gekommen, dazu eine Handvoll Teenager. Auf der Bühne hingegen stehen und sitzen Musiker zwischen 14 und 20 Jahren. Neben dem Frontmann sind das Mirko Büchele am Keyboard, Mathieu Schmitt am Bass, Felix M. Barz am Schlagzeug und Jonas Wiesner an der E-Gitarre. "Wir spielen bewusst für ein älteres Publikum", sagt Schlagzeuger Felix M. Barz. "Umleitung" wolle sich abheben von den Partybands, die in Jugendclubs auftreten. Einfach gute Musik zu machen, das sei viel mehr ihre Absicht, sagt der Schlagzeuger. Ihm ist es damit ernst. In der Jazz- und Rockschule in Freiburg hat er gerade ein Studium angefangen. Dass er sein Instrument beherrscht, zeigt sich vor allem bei den musikalisch interessanteren Parts gegen Konzertende.
Werbung
Der erste Eindruck hat gehörig getäuscht. Ob das schüchterne Auftreten zu Beginn gewollt war, um den tragenden Stücken von James Blunt den passenden Rahmen zu verleihen? Jedenfalls tauen die Bandmitglieder gehörig auf. Dazu tragen auch Lieder ihren Teil bei, die nicht von James Blust sind, wie zum Beispiel "Breakfast In America" oder "Sweet home Alabama". Dominik Büchele geht hör- und sichtbar voll in der Musik auf. Bassist Mathieu Schmitt entpuppt sich als wahrer Spaßvogel, der von der Bühne aus mit der Frau seines ehemaligen Sportlehrers flirtet. Im Keller kommt Stimmung auf und der höfliche Applaus nach den Liedern wird langsam kräftiger.
Die eigenen Kompositionen der Band lassen teils den starken melancholischen Einfluss von James Blunt spüren, teils geben sie den Bandmitgliedern mehr Raum zur Entfaltung. Die tragende Rolle des Keyboards zieht sich durch das ganze Konzert. Die hohe Stimme des 14jährigen Keyboarders harmoniert im Hintergrund hervorragend mit der des Sängers. Seine kleinen Soli meistert E-Gitarrist Jonas Wiesner mit sichtbarer Spielfreude. Auch fröhliche Eigenwerke gibt die Combo nun zum Besten. "Coffee Of Freedom" zum Beispiel handelt vom verkorksten Kaffeeklatsch bei den Indianern, ein anderes vom Bassisten angestimmtes Lied dreht sich lediglich um ein Pferd auf einer Weide.
Nach 36 Stücken und drei Stunden wollen die Zuhörer dann immer noch eine Zugabe, und noch eine, und noch eine. Noch verkauft die Band ihre CDs für drei Euro. Aber wenn die Ausdauer der Musiker anhält, könnte aus der kleinen Umleitung noch eine große Umfahrung werden.
Autor: FriederikMarx
