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15. März 2010

Dr. Marrax lässt seine Zaubertricks durchschauen

Der schwäbische Magier gibt im vollbesetzten Café der Spielspirale Kostproben seiner 40-jährigen Erfahrung mit Zauberei.

  1. Durch eine Gedanken-Übertragungs-Maschine vernetzt sich Dr. Marrax mit Leonis Gehirn. Foto: Friederike Marx

EMMENDINGEN. Wenn der schwäbische Zauberer Dr. Marrax sein Abendprogramm gibt, haut er sich schon mal einen langen Nagel in die Nase und ein Messer in den Arm. Am meisten begeisterte das Publikum in der Spielspirale jedoch seine Fähigkeit, die Gedanken der Zuschauerin Leoni zu lesen. Fast 50 Menschen drängen sich in dem Café, um den Zauberer der alten Schule zu sehen. Günther Hoffmann hat ihn eingeladen, die beiden sind Zauberer-Kollegen.

Bevor die Vorstellung beginnt, herrscht gemütliches Chaos in dem Raum, der eigentlich zu klein ist für all die vielen Kinder und Erwachsenen. Mittendrin steht der dickbäuchige Zauberer in schweren Stiefeln, schwarzem Gewand und Zylinder. Er schaut etwas ratlos. Doch als er die winzige Bühne betritt und Dampfschwaden aus seinem Zauberkoffer steigen, verwandelt er sich im Nu in eine faszinierende Figur. "Könnt ihr mich sehen, hören, riechen?" Beim Letzteren wissen die Zuschauer nicht recht, was sie antworten sollen. Dr. Marrax ist’s gleich, die Vorstellung beginnt.

In seinem unter Rauschebart versteckten Mund verschwinden Fäden, Seidenpapier oder gar ein Schluck widerlicher Schneckenschlonzen. Andererseits holt er erstaunlich viel daraus hervor. Die bunte Papiergirlande, die er speit, will kein Ende nehmen. Die Zuschauer klatschen beeindruckt. Auch die Worte, die aus dem Mund des Zauberers kommen, sind ungewöhnlich. Aus dem Taschentuch wird ein "Schneizdiechelchen", das er den Bürgern "mitgebrungen" habe. Der altmodische Haudegen spricht eine Mischung aus Schwäbisch und Ostpreußisch in fremd anmutender Grammatik.  

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Immer, wenn er sein Zauberpulver Marrax-o-fax über Tücher, Kinderstirnen oder Würfel stäubt, verwandelt sich etwas oder verschwindet. Er verrät den Besuchern das Rezept des Wundermittels: Hauptbestandteil sei abgeriebenes Horn des Hornochsen, auch zerstäubte Kellerassel sei darin enthalten. Nach und nach ist der Bühnenboden von Marrax-o-fax bestäubt und mit Wasserpfützen übersäht. Der Magier zaubert oft für das Volk auf der Straße und stört sich wenig an Schmuddeligkeit. 

Nun fordert Marrax die Zuschauer auf, die Hände übereinander zu halten, so dass ein schmaler Zwischenraum bleibt. Nach dem nächsten Zaubertrick sollen sie die Luft auf der "Klatschspalte" drücken. Es klappt wunderbar und der Zauberer gibt zum Schluss noch eine Zugabe. "Kommen Sie, Gnädigste!" Dr. Marrax bittet Leoni auf die Bühne. Aus seiner Tasche holt er eine Gedankenübertragungsmaschine, die sein Gehirn mit dem von Leoni verbindet. Er dreht am Rädchen und hat die Erleuchtung. Waldkirch, das ist die Stadt, an die Leoni gedacht hat. Das Mädchen durchschaut den Trick, der gar keiner ist. Aber darauf kommt es nicht an.  Nur das weiße Kaninchen müsste jetzt noch aus seinem Zylinder springen, dann hätte der Zauberer alle Klischees bedient. Doch überzeugt er das Publikum in der Spielspirale mit seiner wunderlichen, humorvollen Art und dadurch, dass seine Magie leicht zu durchschauen ist. "Ich habe einen guten Namen in magischen Kreisen", sagt der Mann, der seit 40 Jahren im Geschäft ist. Auch sein Sohn ist Zauberer. Manchmal fahren die beiden mit einem Ochsenwagen durch die Lande. Ganz so, wie das fahrende Künstlervolk um die Jahrhundertwende. 

Autor: Friederike Marx