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11. Juni 2013

Duett oder Duell?

Jazz in Emmendingen.

  1. Ist es Duett oder Duell - die Begegnung der Saxofonisten Niko Halfmann und Mike Schweizer lässt viele Interpretationen zu Foto: Markus Zimmermann               

EMMENDINGEN. Mike Schweizer ist Jahrgang ’53. Eigentlich ist er an den Swingsaxophonisten der 40er und 50er Jahre näher dran als der 20 Jahre jüngere Niko Halfmann. Doch es war der Jüngere, der auf das Ende der 50er Jahre veröffentlichten Jazz-Album "Coleman Hawkins encounters Ben Webster" stieß – und damit auf den gemeinsamen Nenner, den die beiden Freiburger Saxophonisten für ein schon lange geplantes Projekt gesucht hatten.

Die beiden Musiker hatten nun eine Begegnungsebene gefunden. Ihr Aufeinandertreffen auf der Bühne des Schlosskellers, begleitet von einem herausragendenden Rhythmustrio, wurde für die rund zwei Dutzend Besucher zu einer Begegnung der ganz besonderen Art.

Ein bisschen Wahnsinn, einen Hauch "Tenor madness" müssen die beiden Protagonisten des Abends schon in sich haben, die sich gleich zum Auftakt mit dem gleichnamigen Stück in die Tradition der legendären Saxophonisten und ihrer berühmt berüchtigten Zweikämpfe ("tenor battles") einreihen. Der Begriff Encounter steht für mehr als nur eine bloße Begegnung. Aus dem zufälligen Aufeinandertreffen wird ein Aneinandergeraten, ein Entgegentreten – und ein Zusammenstoß. So, wie die großen Vorbilder sich ein Kräftemessen lieferten, sich gegenseitig zu immer imposanterem Ausdruck anstachelten, infizieren sich auch Halfmann und Schweizer mit ihrer Spielfreude.

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Was sich dabei zwischen den Kollegen entwickelt, bewegt sich zwischen harmonischer Melodik, wunderbar akzentuierten Dialogen und feurigen Duellen. Dabei präsentiert sich der ältere Schweizer als großartiger Saxophonpoet, der es einfühlsam versteht, Stimmungen zu zeichnen, ganze Geschichten zu erzählen und dabei sein Gegenüber immer wieder herausfordert, Spitzen, Kontrapunkte und andere Akzente einzustreuen. Mit viel Humor und Spielfreude, manchmal auch ein bisschen linkisch, nimmt Niko Halfmann die Einladung an.

Frisch kommt der swingende Klang daher, nicht nur beim "Blues for Yolande", einem von mehreren Stücken der inspirierenden historischen Platte, das Halfmann noch am Morgen transkribiert hat. Da muss selbst Schweizer aufs Blatt schauen, bleibt länger mit seinen Augen in den Notizen hängen, um sich dann bald wieder zu lösen und das zu machen, was ihm am meisten liegt – frei zu spielen. Mit Tilman Günther (Piano), German Klaiber (Bass) und Joerg Eckel (Drums) als Rhythmustrio können die beiden Saxophonisten bei ihren Ausflügen sicher sein, eine nicht nur sichere, sondern auch eine inspirierende und Akzente setzende Basis zu haben.

Autor: Markus Zimmermann