Emmendingen

Ein Rundgang in der Villa Ramie, dem heutigen Maturanahaus, am Tag des offenen Denkmals

Georg Voß

Von Georg Voß

Di, 11. September 2018

Emmendingen

Besichtigen, was sonst verschlossen bleibt: Das war möglich beim bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“. So auch in der 1911 erbauten Villa Ramie, dem heutigen Maturanahaus am Oberlin-Weg. Die als typisch für die Gründerzeit geltende Villa steht beispielhaft für die gewerbliche und industrielle Entwicklung der Stadt.

Das zweigeschossige Gebäude weist 760 Quadratmeter Wohnfläche auf und ist umgeben von einem Park, der heute den Schülerinnen und Schülern des Maturanahauses als Freizeitgelände dient. Die zweite Etage des Winkelbaus unter dem Walmdach wird immer noch privat genutzt und ist nicht zur Besichtigung freigegeben. Die Decken der herrschaftlichen Villa sind hoch und einige der Räume sind mit Stuckreliefs verziert.

Im Erdgeschoss befanden sich einst das Speisezimmer mit direktem Ausgang zum Garten, das Besuchszimmer, Wohnzimmer mit großzügiger Veranda, das Herrenzimmer sowie Küche, Anrichte, Speisekammer und die Gesindestube für das Dienstpersonal.

Franz-Josef Baumgartner (1852-1916), der damalige Direktor der 1889 gegründeten Ramie AG, die aus der Mechanischen Hanfspinnerei hervorging, gab im Jahr 1910 den Auftrag, dieses Gebäude für sich, seine Frau Katharina (1850-1926) und seinen Sohn Willy in unmittelbarer Nähe zur Fabrik zu errichten. Bereits ein Jahr später, 1911, war das Haus bezugsfertig. Franz-Josef Baumgartner und seine Frau Katharina lebten dort bis zu ihrem Tod. Anschließend wurde die Villa weiter als Wohn- und Verwaltungssitz genutzt. Die Familie des Direktors Rudolf Otto war die letzte, die das gesamte Haus bewohnte – bis 1963. Zwölf Jahre später wurde die Villa umgebaut, in sieben Wohneinheiten aufgeteilt und an Angehörige vermietet. Robert Seiler, Vorstandsmitglied der Ramie, bezog 1996 die Dachgeschosswohnung und lebte dort bis 2006. Die restlichen Wohnungen standen ab 2002 leer. Erst vier Jahre später zog das Maturanahaus ins Erdgeschoss und nutzte Villa und Garten für den Kindergarten- und Schulbetrieb. Das erste Geschoss wurde an Maturanahaus-Familien vermietet, bevor es später ebenfalls dem Schulbetrieb zugeführt wurde. Schließlich erwarb der Trägerverein "Maturanahaus Emmendingen" 2009 die Ramie-Villa. Die Privatwohnungen im Dachgeschoss bestehen bis heute.