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02. Juni 2014

Eine Nacht der kurzen Wege

In der Museumsnacht konnte das Kulturleben erkundet werden.

  1. Drangvolle Enge in der Hachberg-Bibliothek Foto: Georg Voß

  2. Freejazz und Vertonungen im Markgrafenschloss Foto: Georg Voß

  3. Im Atelier Thomann Foto: Georg Voß

EMMENDINGEN. Stempeln gehen, hieß es für die Besucher der dritten Emmendinger Museumsnacht. Für jeden Besuch bekamen sie einen Stempel auf ihrer Besucherkarte. Wer alle acht Ausstellungsorte besucht hatte, konnte mit etwas Glück eines der zahlreichen Präsente gewinnen. Ansonsten war für alle der Eintritt kostenlos. Es war auch eine Veranstaltung der kurzen Wege, wie es Oberbürgermeister Stefan Schlatter in seiner Eröffnungsrede formulierte, wobei das Wetter auch mitspielte.

Die Museumsnacht feiert 2006 Premiere und findet seitdem alle vier Jahre statt. "Es ist toll für Emmendingen, dass so etwas gemacht wird", lobt Simone Mößner. "Ich weiß zwar dass es Kultur hier gibt, aber erst in der Museumsnacht zeigt sich die ganze Vielfalt", ergänzt sie. "Für Emmendingen ist das ein Highlight", sagt Werner Tegeler von der Galerie im Tor, der sich über den großen Besucherzuspruch freute. Auch Ursula Kendel sprach im Foyer des Rathauses von einer guten Resonanz. Nicht nur bei der Eröffnung trug der Emmendinger Kammerchor Lieder zum Frühling vor. Hanne Günther vom Galerieteam fand die Resonanz überwältigend und konnte ihre Strichliste bald auf 250 Besucher ergänzen.

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Nicht ganz zufrieden war Rosmarie Kellner. An der Außenfassade des Anwesens Leonhardt wurden Bilder des Malers Hans von Geyer zu Lauf projiziert. "Die Resonanz war zwar positiv, ich habe es mir aber besser vorgestellt. Es wird einfach nicht dunkel genug", sagt Rosmarie Kellner. Auch der Verkauf der Postkarten verlief schleppend. Vielleicht ein entscheidender Grund dafür war, nach Meinung vieler Besucher, dass sich das Anwesen Leonhardt nicht an der Museumsnacht beteiligt und damit eine Bewirtung der Besucher gefehlt hatte. Doch insgesamt zeigten sich die Besucher zufrieden. "Vieles habe ich gekannt. Es war Zeit, mal wieder aufzufrischen, was es in Emmendingen so gibt" sagt der Emmendinger Bernd Hagenunger. "Es sollten mehr Leute davon wissen", befand er.

Drangvolle Enge herrschte auch im Jüdischen Museum, in dem Monika Miklis Kurzvorträge über den Schabbat in der jüdischen Kunst hielt. Carola Grasse, Vorsitzende des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur, zählte schon um 22 Uhr fast 200 Besucher. "Wir mussten sogar einige Besucher auf den folgenden Vortrag vertrösten", sagt sie. "Der Vortrag war sehr informativ", so Dörte Wittkous Landeck, die selbst schon einmal ein Schabbat in einem israelitischen Kibbuz erlebt hatte.

Fotogeschichtliche Exkursion mit Herbert Burkhardt

Auch Gerda De Bartolo zeigte sich zufrieden über die Resonanz. Rund 200 Besucher nahmen die Gelegenheit wahr und besichtigten die Stadtgeschichtliche Sammlung und das Fotomuseum Hirsmüller im Museum im Markgrafenschloss. "Ich bin fasziniert von diesen Museen", sagt Klaus Rembach aus Staufen, der eher zufällig etwas über die Museumsnacht gelesen hat. "Ich bin auch fasziniert von der ganzen Atmosphäre. Es ist nicht so überkandidelt, nicht so überlaufen wie in anderen Städten", fügt er hinzu.

Ein Stockwerk höher im Fotomuseum Hirsmüller vertonen die Freejazzer um Frank Goos, Andreas Gallinger und Nico de Haan die Städtische Sammlung. Sie eröffnen diese Vertonung mit einem Stück von Charles Mingus. Doch allzu viel Freejazz ist für eine Museumsnacht doch ungewohnt, so gab es im folgenden Stück eine Low-Budget-Version mit Maultrommeln von einem Emmendinger, der hoch hinaus wollte: Carl Friedrich Meerwein, der Emmendinger Flugpionier. Doch ist er im Misthaufen gelandet. Zum Ende des Liedes flog dann entsprechend eine Papierschwalbe durch den Raum. Anschließend sorgten die Freejazzer eher für heitere Musik und stellten ihre Version des Badnerlieds vor und verlasen die Forderung des Volkes in Baden: "Wir verlangen Preßfreiheit; das unveräußerliche Recht des menschlichen Geistes, seine Gedanken unverstümmelt mitzutheilen, darf uns nicht länger vorenthalten werden."

Eine fotogeschichtliche Exkursion unternahm dagegen die Hachberg-Bibliothek. Herbert Burkhardt kommentierte unermüdlich in dem engen Raum der Bibliothek die vielfältigen Aufnahmen des Emmendinger Heimatforschers Ludwig Köllhofer. Fotografische Ansichten der Stadt, die sonst dem Besucher der Stadt verschlossen bleiben. Alte Hinterhöfe, alte Häuser, die einst im Bereich der Steinstraße in den sechziger und siebziger Jahren standen. Aber auch der Löwen auf dem Marktplatz war zu sehen, wo an dessen Stelle noch immer das verwaiste Kaufhaus auf seine Fertigstellung wartet. "Wahnsinnig", sagte Hannerose Bauer, zweite Vorsitzende der Hachberg-Bibliothek, "mit diesem Andrang haben wir nicht gerechnet." Es waren weit mehr als 500 Besucher. "Herbert Burkhardt wäre der richtige Lehrer für Heimatkunde", befand Fritz Schedlbauer.

Zuvor war er mit seiner Frau im Deutschen Tagebucharchiv gewesen und wünscht dem Archiv größere Räumlichkeiten. "Die Museumsnacht ist eine tolle Sache", sagte Ria Schedlbauer, "insbesondere das Angebot mit den Chören." Im Deutschen Tagebucharchiv sprach Christel Olejar von zwei komplett vollen Lesungen aus Tagebüchern zum Thema Liebe. "Die dritte Lesung war auch noch gut gefüllt, so Christel Olejar. Hinzu kamen zehn Führungen durch das Archiv, so die Vorsitzende Frauke von Troschke.

Einen einmaligen Einblick gewährte auch das Atelier Thomann in der Romaneistraße, zu dem der Besucher auch mit einer Pferdekutsche hingelangen konnte. Auch das sonnendurchflutete Atelier und der Skulpturengarten standen dem Besucher offen. Gleich zwei Bands vom Goethe-Gymnasium – die JAMZ um den herausragenden Schlagzeuger Jonas Esser und das Duo Theo Kury am Saxophon und dem Pianisten Lars Fellinger – traten auf und spielten groovende Jazzstandards, darunter auch eigene Stücke.

Gegen Mitternacht konnten die Besucher den Abend im Schlosskeller ausklingen lassen. Aus einer Tombola bekamen die glücklichen Gewinner für ihr unermüdliches Abstempeln Geschenke überreicht, die vom Atelier Peter Thomann, dem Freundeskreis Geyer-zu-Lauf, vom Deutschen Tagebucharchiv, der Hachberg-Bibliothek, vom Jüdischen Museum, dem Sinfonieorchester und der Stadt Emmendingen gestiftet wurden.

Autor: Georg Voß