Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. März 2011

"Eine tolle Leistung"

Kulturstaatsminister Bernd Neumann sichert dem Tagebucharchiv seine Unterstützung zu.

  1. Beeindruckt zeigte sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann gestern bei seinem Besuch im Deutschen Tagebucharchiv. Gründerin Frauke von Troschke erläuterte die Arbeitsweise der Ehrenamtlichen. Foto: Gerhard Walser

EMMENDINGEN. Das Deutsche Tagebucharchiv (DTA) hat einen wichtigen Fürsprecher in Berlin gewonnen: Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) zeigte sich gestern bei seinem Besuch in den Archivräumen im Alten Rathaus sichtlich beeindruckt von der Arbeit der 100 Ehrenamtlichen und sicherte seine ideelle und finanzielle Unterstützung über Projektmittel zu.

"Das, was Sie hier tun, verdient unsere Zuwendung und Beobachtung", sagte der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Den Mitarbeitern zollte er ein "hohes Kompliment für Ihre tolle Leistung", die überaus professionell sei. Was die Unterstützung angeht, wurde Neumann im Gespräch mit Archivleitung, Oberbürgermeister Stefan Schlatterer, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Weiß, dem Landtagsabgeordneten Marcel Schwehr und CDU-Kommunalpolitikern noch konkreter. Zwar könne der Bund auf Grund der Kulturzuständigkeit der Länder nicht unmittelbar helfen ("Wir können das Grundgesetz nicht außer Kraft setzen"), doch über Projektmittel könne das Tagebucharchiv durchaus eine finanzielle Förderung des Bundes erfahren. Für Institutionen von "nationaler Relevanz" gebe es hier Möglichkeiten. Neumann riet Ideen für zeitlich begrenzte Projekte zu sammeln und mit seinem Haus abzuklären. "Da geht immer was", versprach der Staatsminister.

Werbung


Zuletzt hatte sich das Kulturstaatsministerium mit Mitteln für die Ausrichtung der ersten Deutschen Autobiografietage 2008 in Emmendingen engagiert. Abgeschlossen ist inzwischen auch das Projekt der Entsäuerung von Dokumenten des Emmendinger Archivs: Um dem Säure fraß durch ab 1850 verwendetes minderwertiges Papier entgegenzuwirken, hatte der Bund insgesamt 500 000 Euro an Zuschussmitteln bewilligt, wovon rund 30 000 Euro für die Sicherung von Tagebuchbeständen ausgegeben wurde.

Dem Tagebucharchiv freilich geht es auch um eine verlässliche regelmäßige Förderung, wie die DTA-Vorsitzende Frauke von Troschke verdeutlichte: "Es fehlt das finanzielle Fundament, die ehrenamtliche Arbeit stößt an ihre Grenzen". Vor allem die zeitaufwendige Recherche für Schulen und Universitäten sei über die Mitgliedsbeiträge des Vereins und die Spenden allein nicht abzudecken. "Wir machen die gleiche Arbeit, wie sie institutionell geförderte Einrichtungen leisten und müssen das Geld mühsam zusammentragen", so von Troschke.

Zu Beginn hatte sich der Gast aus Berlin im Bürgersaal in das Goldene Buch der Stadt eingetragen. Beim anschließenden Rundgang durch die Archivräume konnte sich der Staatsminister ein Bild von der Arbeit der rund 100 Ehrenamtlichen machen, die jährlich 200 Zusendungen mit 1000 Tagebüchern sichten, lesen und katalogisieren. Rund 8500 Bände von 2000 Autoren werden in Emmendingen gesammelt. "Den einfachen Menschen eine Stimme zu geben", sei das Motiv für die Gründung vor 14 Jahren gewesen – "eine hochspannende und politische Arbeit", so Frauke von Troschke.

Autor: Gerhard Walser