Einmal mit dem Bike durch die Region

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Sa, 04. Juni 2011

Emmendingen

Gespannfahrer ermöglichen körperbehinderten Kindern eine Ausfahrt mit ihren "heißen Öfen" / Neugier siegt über Skepsis.

EMMENDINGEN-WASSER. Hände winken aus Beiwagen und von Trikes beim Start zu jeder der vier Ausfahrten vom Gelände der Esther-Weber-Schule aus Richtung Hochburg. Zumeist fröhlich, manchmal auch etwas Skepsis verratend, denn für die meisten der Mitfahrer auf und neben den kraftvoll brummenden Maschinen ist es eine Premiere. Knapp 30 Minuten später, bei der Rückkehr des Konvois, sind, von der Last der Helme befreit, fast nur noch strahlende Gesichter zu sehen.

"Die Freude, die von den Gesichtern abzulesen ist", ist letztlich auch die größte Motivation für die mehr als 30 Gespannfahrer und Triker, ihre Ausfahrt in den Dienst einer guten Sache zu stellen und dafür teils lange Anfahrten auf sich zu nehmen – sogar aus Luxemburg, wie Organisator Manuel Kunst berichtet. Das L ist nicht das einzige ausländische Kennzeichen. An vielen Gespannen leuchten gelbe Schilder, zeugt ein F auf weißem Grund von Besitzern jenseits des Rheins. Hermann Schmeißer ist mit Clubkollegen der Motorradfreunde "Dreiländereck" aus dem Markgräflerland gekommen und betont: "Das Lachen, die Freude ist für uns das Schönste".

"Ich habe selbst zwei Buben, die im Seitenwagen groß geworden sind und es ist toll, die Freude der behinderten Kinder zu sehen, die diese Chance nicht hatten", so Gespannpilot Lothar Isen aus Hohberg in der Ortenau. Dass nicht nur Zweiradfreunde an diesem Tag Passagiere chauffieren, spricht für den Ruf des Treffens, das nach 2009 nun zum zweiten Mal an der Esther-Weber-Schule für Körperbehinderte stattfindet. So haben die "Dream Hunter" aus Freiburg mit ihren schweren Zweirädern das Schulgelände als Platz für die Mittagspause auserkoren. "In der Bikerszene hat sich die Veranstaltung herumgesprochen", erklärt Frank Schütt. Manch einer der in Lederkluft und mit tätowierten Armen äußerlich als harte Jungs erscheinenden Besucher lässt sich berühren von der Begegnung mit einer Welt, zu der sie sonst keinen Zugang haben. Außerdem bietet sich die Chance, nebenbeiein bisschen zu fachsimpeln.

Umgekehrt geht es den Schülern genauso. Ein bisschen Mut braucht es schon, sich in einen Beiwagen zu setzen. Maurice Hoth ist da ganz froh, dass neben ihm sein Freund von der Internatsgruppe noch Platz hat, er Aufregung, Anspannung und Freude teilen kann. "Da ist ja ein Radio drin und sogar ein Ventilator", zeigt sich der 14-Jährige verwundert über die Ausstattung des Feuerstuhls, mit dem er so ganz ungewohnt knapp über dem Asphalt brausen kann. Sicher ist die Skepsis bei manchen groß, doch der Andrang auf die begehrten Mitfahrgelegenheiten spricht dafür, dass die Neugier noch größer ist.

Schulleiter Rainer Kirchhoff ist erfreut, denn das Fest bietet reichlich Gelegenheit zur Begegnung. Viele Eltern der Schüler, die aus ganz Südbaden kommen, nutzen das Fest zum Besuch. Andere nutzen die Veranstaltung, um die Schule, auf die ihr Kind eventuell einmal gehen wird, kennen zu lernen. "Ein toller Erfolg", freut sich Kunst über das Treiben auf dem Schulgelände, das ideale Voraussetzungen biete. Und wenn am Ende durch Bewirtung, Tombola und Spenden auch noch Geld in der Sammelbüchse klingele, sei es umso schöner. Vor zwei Jahren waren 5000 Euro zu Gunsten der deutschen Gesellschaft für Muskelerkrankungen und dem Schulförderverein gesammelt worden.