Zwischenbilanz

Emmendinger Ehrenamtsbörse: Das schwarze Brett im Internet

Gerhard Walser

Von Gerhard Walser

So, 09. August 2015

Emmendingen

Vier Monate nach dem Start hat die Ehrenamtsbörse der Stadt erste Erfolge, doch die neue Plattform ist noch ausbaufähig.

EMMENDINGEN. Rund 41 Prozent der Baden-Württemberger engagieren sich ehrenamtlich. Eine tolle Bilanz. Dennoch sinkt seit einigen Jahren das ehrenamtliche Engagement. Viele Einrichtungen suchen händeringend nach Freiwilligen, die sie bei der täglichen Arbeit unterstützen. Andere wollen sich engagieren, wissen aber nicht wo. Die internetgestützte Ehrenamtsbörse der Stadt will hier Abhilfe schaffen und Angebot und Nachfrage unter einen Hut bringen. Vier Monate nach dem Start ist die Resonanz aber noch verhalten: Die Plattform ist ausbaufähig.

Diesen Eindruck hat auch Lothar Winterle. Der Ehrenamtsbeauftragte im Emmendinger Rathaus hat das schwarze Brett im Internet konzipiert – auf der Basis eines erfolgreichen Modells der Stadt Crailsheim, die sich wiederum an der Landeshauptstadt Stuttgart orientierte. "Man braucht das Rad ja nicht jedes Mal neu erfinden", sagt Winterle. Emmendingen ist mit seinem Angebot nun in Südbaden als erste Kommune am Start – einige Anfragen aus anderen Rathäusern gab es bereits: "Das wird angesichts des zunehmenden Bedarfs an Freiwilligen für alle ein Thema", glaubt Winterle.

Doch das neue Instrument muss zunächst einmal "nachhaltig in den Köpfen ankommen", wie sich der städtische Ehrenamtsbeauftragte ausdrückt. Eine leicht zu bedienende Austausch-Plattform für alle soll sie sein, die Ehrenamtsbörse, für Einzelpersonen, wie für karitative Institutionen, Initiativen oder die rund 250 Emmendinger Vereine. Die Funktion ist kinderleicht: Mit wenigen Mausklicks auf der Homepage oder über das Portal der Stadtverwaltung können sich Interessierte mit ihrem Angebot ebenso eintragen wie Menschen, die akut Hilfe benötigen, etwa weil sie vorrübergehend ob krankheitsbedingt oder aus Altersgründen den Haushalt oder die Gartenarbeit nicht mehr alleine bewältigen können.

Normale Alltagsthemen prägen denn auch die aktuellen Einträge bei der Nachfrage: Ein Pflegeheim sucht für Heimbewohner Besucher mit Hund, eine junge Familie einen Babysitter, ein Hundebesitzer eine Hilfe beim Gassigehen. Aber auch der Kirchenladen Markt 15, das Repair-Café, das Rotkreuzlädele und der Tafelgarten in Sexau haben sich eingetragen, um weitere freiwillige Helfer zu gewinnen. Insgesamt 16 Angebote enthält die Ehrenamtsbörse derzeit.

Im Gegenzug bieten fünf Bürger auf der Suche nach einer sinnvollen Zusatz-Beschäftigung ihre Hilfe bei Gartenarbeit und Kinderbetreuung an – "das ist noch ausbaufähig", findet Lothar Winterle und hofft auf den Abbau von Hemmschwellen. Nach der Sommerpause soll es eine Infokampagne in Sachen Ehrenamtsbörse geben. Ein Flyer ist bereits in Planung, der Kontakt zu den Emmendinger Schulen und den Vereinen wird gesucht und auch die Arztpraxen sieht Winterle als geeignete Werbepartner für die Ehrenamts-Plattform.

Auch Menschen, die mit dem Internet nicht so vertraut sind, können die Ehrenamtsbörse übrigens nutzen. Die Ortschaftsverwaltungen, das Familienzentrum und das Rathaus sind Anlaufstellen für Such-Einträge und geben auch Auskunft über Angebote. "Wir helfen da jederzeit gerne weiter", verspricht Winterle. Gerade ältere Menschen tun sich erfahrungsgemäß schwerer mit dem Medium Internet.

Abgeklärt sind auch alle datenschutzrechtlichen Fragen. Personenbezogene Daten werden auf der Website nur im technisch notwendigen Umfang erhoben und keinesfalls an Dritte weitergegeben. Eine Freischaltung von Eintragungen erfolgt erst nach einer Überprüfung durch die Stadtverwaltung.

Eines kann Lothar Winterle allerdings nicht nachvollziehen – den Erfolg seiner Bemühungen. Ob Angebot und Nachfrage im konkreten Einzelfall zueinander passen und sich "Topf und Deckel" finden, das erfährt er höchstens dann, wenn sich jemand persönlich bei ihm meldet. Gelöscht werden die Einträge automatisch nach einem Jahr.

Der Weg zur Börse im Internet: http://www.ehrenamtsboerse-emmendingen.de

BZ-Serie: Welche Bedeutung hat das Ehrenamt mittlerweile? Um welche Aufgaben kümmern sich Menschen ehrenamtlich? Wie funktioniert es eigentlich, so ein Ehrenamt? Und wie steht es um die Zukunftsperspektiven? Diesen Fragen geht die neue zweiwöchige BZ-Serie "Ehrenamt in Baden" nach, die heute auf Seite 40 startet.